Samstag, 24. September 2016, 18:53 Uhr

Jennifer Rostock: Das Interview zum neuen Album und mehr

Zwei Jahre ist es her, dass Jennifer Rostock ihr letztes Album veröffentlichten. Kürzlich meldete sich die Band mit ihrem fünften Album ‚Genau in diesem Ton‘ zurück.

Jennifer Rostock: Das Interview zum neuen Album und mehr

Mit neun Jahren Bandgeschichte, fünf Alben, Live-DVD, Ochsentouren auf’m Buckel und ner Menge Festivaldreck an den Sohlen hat die Band jeden Zweifler an ihrer Existenzberechtigung aus der Umlaufbahn katapultiert. Ihr Weg hat sie über Scheißfrisuren, Kaugummipop-Experimente, über Bühnen jeden Ausmaßes, quer durch die Kneipen ihrer Wahlheimatstadt Berlin an einen durch Renitenz und Selbstbestimmheit geprägten Ort geführt, in dem sie ihre Nische für sich selbst kreiert haben.

klatsch-tratsch.de-Deutschrock-Expertin Geraldine hat einen Teil der Band um die wunderbare Frontfrau Jennifer Weist getroffen und viel Neues zu Tage gefördert.

Wie entstand das Album? Es gab einige Künstler, welche mir schon gestanden haben, dass einige Songs auf der Toilette kreiert wurden. Wo schreibt ihr denn?
Die spannensten Songs sind entstanden, als wir uns letzten Herbst für einen Monat im Studio quasi eingeschlossen haben. Das ganze fand in einem kleinen Dorf in der Nähe von Nürnberg statt. Wir haben vier Wochen nur einander gesehen und nur Musik gemacht. Es gab in der Zeit verschiedene Phasen, zu Anfang war es sehr euphorisch und irgendwann wurde es anstregend, gegen Ende wurde es ziemlich komisch, weil irgendwann die Verrücktheit ausbrach. Als wir die verrückte Phase erreichten, entstanden Songs, die normalerweise so nicht entstanden wären. Auf engstem Raum, nur Musik, viel Alkohol… Da wurden einige Songs dann zu einem Ventil des angestauten Lagerkollers. Und die Songs machen jetzt live besonders viel Laune!

Kann man auf Knopfdruck kreativ sein oder braucht man ein wenig um rein zukommen?
Doch das geht schon. Nur zusammen ist das leichter, man bringt sich gegenseitig Ideen. Wir haben eben genau das gebraucht, diesen einen Monat, weit weg von daheim, um diese Kreativität abrufen zu können.

Jennifer Rostock: Das Interview zum neuen Album und mehr

Was wolltet ihr beispielsweise mit dem Song „Silikon gegen Sexismus“ sagen?
Wir haben uns im Zuge des Albums sehr viele Gedanken gemacht, was mit dem Begriff „Feminismus“ verbunden wird und ob man den überhaupt noch braucht oder ob er vielleicht auch schon negativ behaftet ist. Ob es vielleicht sogar einen neuen Begriff braucht, ob man heute um die selben Dinge als Frau kämpft wie vor 60 Jahren oder ob andere Fragen aufgeworfen werden. In diesem Song geht es um Selbsbestimmtheit, nicht immer den Weg einschlagen zu müssen, welcher einem vorgelebt wird. Man muss nicht heiraten und man muss auch keine Kinder bekommen..

Das stimmt, müssen tut man sowieso nichts, aber bist du generell gegen Traditionen? Möchtest du irgendwann mal heiraten?
Ich bin nicht generell gegen Traditionen, aber dagegen sie einhalten zu müssen, nur weil es Traditionen sind. Ich schließe es nicht komplett aus zu heiraten, man weiß es nie. Ich bleibe offen, aber im Moment kann ich mir beides für mich nicht vorstellen. Das ist aber lediglich eine Momentaufnahme. Jeder muss sein Leben auf seine Weise leben.

Die Frau steht in der Gesellschaft unter einem sehr starken Druck. Wie empfindest du das?
Das stimmt leider. Ich kenne so tolle Frauen, welche Kinder, Ehemann und Hund managen. Ich finde das, was ich mache, schon viel. Man steht heutzutage als Frau unter dem Druck, die „Übermutter“ sein zu müssen. Am besten man hat nach dem vierten Kind auch noch eine Bombenfigur. Eine Frau muss sich oft zwischen Karriere und Kindern entscheiden, darüber denken viele Männer nicht nach.

Was sind deine/eure Lieblingssongs auf dem Album?
Das ist etwas schwierig, das ist sehr stimmungsabhängig. Viele Songs sind für mich autobiographisch und liegen mir daher besonders am Herzen.

Bei dem Song „Neider machen Leute“, geht es um die Youtube- und Facebook-„Gesellschaft“, wie steht ihr persönlich zu diesen Plattformen?
Wir sind eigentlich auf allen möglichen Plattformen unterwegs und Fans bekommen denke ich auch einen sehr guten Einblick in unser Leben als Band und auch von uns privat. Wir quatschen auch ganz oft nach den Konzerten noch mit ihnen und machen Fotos. Für uns sind Social Media Plattformen natürlich auch super, da diese eine tolle Möglichkeit sind, mit unseren Fans direkt in Kontakt zu treten, da man auf kein drittes Medium angewiesen ist.

Jennifer Rostock: Das Interview zum neuen Album und mehr

Ihr müsst aus beruflichen Gründen schon viel miteinander sein. Unternehmt ihr privat auch viel zusammen?
Wir machen sehr viel zusammen und haben auch ähnliche Freundeskreise. Wir sehen uns fast jeden Tag und fahren dann sogar auch noch manchmal zusammen in den Urlaub.

Wie steht ihr zu Tinder?
Das ist ziemlich witzig, wenn man bei Freunden über die Schulter gucken kann und mit aussucht (lachen). Selber gemacht haben wir das alle noch nicht wirklich.

Was sind eure aktuellen Pläne?
Unser Album veröffentlichen und auf Tour gehen. Diese Tour war innerhalb von drei Stunden ausverkauft. Die nächste Tour startet Ende Januar und dafür gibt es noch Karten.

Fotos: klatsch-tratsch.de/Karsten Schröder, Birte Filmer/FourMusic