Mittwoch, 28. September 2016, 20:46 Uhr

Filmkritik "War Dogs": Komödie mit Kumpel, Krieg und Kohle

Übereifrig oder überfordert? Die Kriegs-Actionkomödie ‚War Dogs‘ erzählt die wahre Geschichte von zwei Mittzwanzigern, die zu Waffenlieferanten für das US-Militär werden. Mit dem Film will sich ‚Hangover‚-Regisseur Todd Phillips vom früheren Klamauk absetzen.

Filmkritik "War Dogs": Komödie mit Kumpel, Krieg und Kohle

‚War Dogs‘ ist einer dieser Filme, in denen die Hauptfigur gleich zu Beginn einen bedeutungsschweren Satz aus dem Off raunt.
„Wie gut kennst Du den Krieg?“, fragt David Packouz, ein von Überflieger Miles Teller (‚Whiplash‘, ‚Divergent‘) gespielter Collegeabbrecher in den frühen Zwanzigern. Welcher Zuschauer würde da nicht antworten: „Vermutlich gar nicht!“?

Mit der Frage scheint für die knapp zwei Stunden der Ton gesetzt. Es geht um Kritik am US-Militärkomplex, erzählt von einem sympathischen Protagonisten.

Packouz trifft seinen Kinderfreund Efraim Diveroli wieder (Jonah Hill, ‚Wolf of Wall Street‘, ’21 Jump Street‘). Ihn will er mit Abgebrühtheit beeindrucken, schließlich ist Diveroli ein erfolgreicher Unternehmer. Sein Geld verdient er dank eines juristischen Schlupflochs damit, kleine Waffenaufträge der US-Armee zu erfüllen. «Ich vermisse es, mir von niemandem irgendeinen Scheiß vorschreiben zu lassen», sagt Packouz und der nächste Schritt ist klar. Er steigt bei Diveroli ein, beide zusammen sind schnell erfolgreich. Zunächst geht der Plan auf. Sie werden zu wichtigen Militärlieferanten und ziehen einen Großauftrag im Wert von mehr als 300 Millionen Dollar an Land.

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Filmkritik "War Dogs": Komödie mit Kumpel, Krieg und Kohle

Diese unglaubliche Story ist das größte Plus des Films: die wahre Geschichte, auf der er basiert. Ausgegraben hat sie vor einigen Jahren Guy Lawson für das Magazin ‚Rolling Stone‘, sein Artikel „Die bekifften Waffendealer: Wie zwei amerikanische Jungs zu großspurigen Waffenhändler wurden“ war die Vorlage.

Dass es solche Knallchargen überhaupt schaffen, sich dem US-Militär als vermeintlicher Rüstungsgigant zu präsentieren, sagt viel über die Politik in diesem Land.

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Regisseur Todd Phillips verliert an manchen Stellen das Interesse an der Geschichte. Trotzdem arbeitet die nur mild gesellschaftskritische Kriegs- und Actionkomödie souverän ihre Szenen ab, darunter ein skurriler Trip durch die Wüste, ein problematischer Lieferantentermin in Südosteuropa und ein Streit zwischen Packouz und seiner Freundin, als diese hinter die Fassade des neuen Unternehmens ihres Freundes blickt. Ein wenig unterfordert bleiben dabei die exzellenten Jungschauspieler.

Alles wird in knalliger Bildsprache erzählt: Miami strahlt hellblau, Albanien ist grau und über allem dröhnt Iggy Pop. Phillips ist anzumerken, wie sehr er einen relevanten Stoff cool vermitteln will, aber von seinen früheren Hits wie der Teenie-Klamotte ‚Road Trip‘ und der ‚Hangover‘-Trilogie nicht immer loskommt.

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Dabei sind die Vorbilder stets klar zu erkennen: Martin Scorceses ‚Wolf of Wall Street‘ klingt an, genauso wie David O. Russells ‚American Hustle‘. Wären sie nicht relativ nah aneinander gedreht, dann wäre auch der Finanzkrisenfilm ‚The Big Short‘ ein Referenzpunkt. Auch da geht es schließlich darum, den Finger in die Wunde zu legen und zu zeigen, wie smarte Köpfe das politische System ausnutzen.

‚War Dogs‘ erreicht deren Finesse nicht ganz, er bleibt zu unentschlossen zwischen Gesellschaftskritik und Buddy-Movie. So bleibt ein Film, der zwei Aufgaben erfüllen will und letztlich keine von beiden so richtig löst. Dank der guten Schauspieler und flott abgespulter Story gerät das Werk aber auch nicht zum Komplettärgernis. (Christian Fahrenbach, dpa)

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