Dienstag, 11. Oktober 2016, 18:18 Uhr

Die Höhle der Löwen: Warum platzen die meisten Deals wieder?

Bei „Die Höhle der Löwen“ geben sich Gründer die größte Mühe, einen Deal mit den erfolgreichen Investoren Judith Williams, Frank Thelen, Jochen Schweizer, Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer abzuschließen.

Die Höhle der Löwen: Warum platzen die meisten Deals wieder?

Und doch gibt es eine große Anzahl davon, die nach der Ausstrahlung tatsächlich überhaupt nicht realisiert werden. Das verrieten Jochen Schweizer, Frank Thelen und Ralf Dümmel im Interview mit dem Magazin ‚Stern’. 2015 waren es dem Online-Magazin ‚Gründerszene’ zufolge ganze 26 (!) von 35 der geschlossenen Deals, die im Nachhinein platzten. Da kann sich der ein oder andere zwischendurch schon einmal die Frage stellen, ob die erfolgreiche Vox-Show vielleicht nur auf gute Quoten aus und alles für die Zuschauer nur gefakt ist.

Gegen diese Vorwürfe wehren sich die drei Investoren jetzt aber im ‚Stern’-Interview. Da erklären sie auch, weshalb so viele Deals nach der Sendung im Sande verlaufen. Schuld daran sei die „Due Diligence“, die Tiefenprüfung des Start-ups. Laut Jochen Schweizer verberge sich dahinter: „[…] ein teilweise mehrmonatiger Prozess, in dem sich mein Team das Unternehmen im Detail ansieht. Das Start-Up der Gründer wird im Hinblick auf wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche und finanzielle Stärken und Schwächen geprüft.“ Und genau bei dieser Prüfung kommen dann auch regelmäßig Probleme zum Vorschein, die in der Show noch verborgen waren.

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Schweizer teile diese dabei in drei Formen der Unwahrheit ein: Es gibt die „mildeste“ Form der Unwahrheit, dann die „passive Unwahrheit“ sowie die „aktive Unwahrheit“. Bei der Ersten finden die Investoren etwas Negatives heraus, von dem der Gründer selbst nicht einmal Bescheid wusste (Beispiel: Sein Produkt verstößt gegen ein anderes gültiges Patent oder fehlende Rechte). Bei der „passiven Unwahrheit“ verschweigt der Gründer eine ihm bekannte negative Tatsache (Beispiel: Die Firma ist stark überschuldet). Unter einer „aktiven Unwahrheit“ ist zu verstehen, dass der Gründer bewusst gelogen hat (Beispiel: Besitz von unbegrenzten Vermarktungsrechten an einer Idee oder einem Produkt). Bei der Show bleiben eben noch viele Fragen offen, über die die Investoren erst nach Einsicht in die Bücher Klarheit erlangen.

Ralf Dümmel verriet dazu: „Wir setzen uns immer sehr schnell nach der Aufzeichnung zusammen mit den Gründern an einen Tisch und dann werden alle Karten offen gelegt.“ Dabei werde alles „auf Herz und Nieren geprüft“, was auch verständlich ist, wenn es um Investitionen in solch großer Höhe geht. Bei auftretenden Problemen wäre es grundsätzlich sein Ziel, „eine Lösung zu finden.“ Er kann dann auch mit seinen bisher 15 abgeschlossenen Deals und 12 verwirklichten eine gute Quote aufweisen. Bei Jochen Schweizer waren es dagegen sieben von zehn Deals, die platzten, bei Frank Thelen vier von sechs und bei Judith Williams drei von sechs. Ihr allererstes Ziel sei aber, tatsächlich auch die Deals zu verwirklichen, zu denen sie zugesagt haben, so alle Investoren. Von irgendwelchen Fakes um der Quoten Willen wollen sie dann auch nichts wissen. (CS)

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Fotos: VOX / Stefan Gregorowius