Mittwoch, 12. Oktober 2016, 21:49 Uhr

Filmkritik "American Honey": Shia LaBeouf driftet durch die Staaten

Die Britin Andrea Arnold beobachtet nach gefeierten Filmen wie ‚Fish Tank‘ nun die Welt von Heranwachsenden in den USA. Vor allem die junge Hauptdarstellerin neben Shia LaBeouf ist eine Überraschung.

Filmkritik "American Honey": Shia LaBeouf driftet durch die Staaten

Die amerikanische Weite kann etwas Befreiendes haben. Sich über die scheinbar nie enden wollenden Landstraßen und Highways treiben zu lassen, das hat schon viele Menschen gereizt und inspiriert. Wie verloren man sich dabei aber auch fühlen kann, das zeigt nun Andrea Arnold mit ‚American Honey‚.

Star ist ein junges Mädchen aus prekären Verhältnissen. Als sie den charismatischen Jake und dessen Freunde trifft, ergreift sie die Gelegenheit und haut von Zuhause ab. Es sind Jugendliche wie sie, die sich den gesellschaftlichen Konventionen entziehen und in den Tag hinein leben. Sie fahren mit dem Minibus durch die Staaten und ziehen in verschiedensten Städten von Tür zu Tür, um Magazin-Abonnements zu verkaufen.

Die britische Regisseurin Arnold, die für ihren Kurzfilm ‚Wasp‘ einst einen Oscar gewann, legte zuletzt so eindringliche und beklemmende Werke wie ‚Red Road‘ und ‚Fish Tank‘ vor. Auch in dem improvisiert wirkenden ‚American Honey‘ wird ihr Gespür für Stimmungen und Atmosphären deutlich – besonders in den von pumpender Musik unterlegten Szenen, in denen die Jugendlichen ausgelassen feiern.

Filmkritik "American Honey": Shia LaBeouf driftet durch die Staaten

Dennoch wird man das Gefühl nicht los, die Essenz von ‚American Honey‘ schon nach gut einer halben Stunde gesehen zu haben. Die von Sonnenlicht durchfluteten Bilder, das Sich-Treiben-Lassen der jungen Frauen und Männer, die Liebesgeschichte zwischen Star und Jake: Die Eckpfeiler dieser Geschichte sind schnell klar.

Viel mehr fügt Arnold allerdings auch nicht hinzu.

Filmkritik "American Honey": Shia LaBeouf driftet durch die Staaten

Shia LaBeouf, bekannt aus Actionwerken wie ‚Transformers‘, legt hier zudem eine eher enervierende Performance als überdreht-cooler Jake ab. Seine Partnerin Sasha Lane hingegen verkörpert in ihrer ersten Rolle überhaupt die energiegeladene, selbstbewusste Star an der Schwelle zum Erwachsenwerden – die 21-jährige Texanerin ist damit auch die eigentliche Entdeckung des Films. (Aliki Nassoufis, dpa)

Fotos: Universal Pictures