Freitag, 21. Oktober 2016, 20:19 Uhr

„Die Höhle der Löwen“: Ist die Show überhaupt realistisch?

Die VOX-Gründer-Show ‚Die Höhle der Löwen’ mit den Investoren Judith Williams, Frank Thelen, Jochen Schweizer, Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer kann sich über schlechte Quoten nicht beklagen.

„Die Höhle der Löwen“: Ist die Show überhaupt realistisch?

Darin wird den Zuschauern das Startup-Business auf scheinbar leichte und besonderes lockere Art serviert. Einfach mal mit einer Idee antanzen und innerhalb von zehn Minuten die Kohle mitnehmen…. Doch spiegelt die gut polierte und erfolgreiche Show-Reihe tatsächlich auch die Realität wider? Läuft ein Pitch im „echten Leben“ wirklich so ab?

Das hat Olaf Jacobi, Managing Partner bei ‚Capnamic Ventures’, Manager, Unternehmer und Investor mit über 20-jähriger Erfahrung, nun im ‚Business Insider’ analysiert und er kommt zu einem für uns depperte Laien zu dem erschreckenden Fazit, dass „Die Höhle der Löwen [.] unrealistisch [ist]“, da ein „echter Pitch anders aussieht.“ Und er geht sogar noch weiter. Seiner Ansicht nach erinnere der Umgang mit den Kandidaten in der Show „schon fast [.] [an] „Deutschland sucht den Superstar“, „herablassende Kommentare“ à la Dieter Bohlen inklusive.

Aber von Anfang an. Olaf Jacobi fasst bei seiner Analyse der Sendung insgesamt fünf Punkte ins Auge, die in der Sendereihe nichts mit der Realität zu tun hätten. Zunächst würden sich Gründer und Investoren nicht wie im wahren Leben „auf Augenhöhe“ begegnen. Denn: Auch der Investor bewerbe sich ja darum, sich bei einer guten Idee am Unternehmen zu beteiligen. In der Show stehen die Gründer den fünf Löwen stattdessen zumeist sehr hilflos gegenüber. Weiter sei der Pitch im TV eher auf einen „Show-Auftritt“ hin angelegt. Das habe nichts mehr mit einer wirklichen Vorstellung des Produktes und des dazugehörigen Teams zu tun. Üblicherweise sei dann auch die Person hinter der Idee für ein Investment entscheidend und nicht ein unnötiger Show-Zirkus. Als nächstes erfolge die Entscheidung über eine Investition „in Rekordzeit“, was völlig der Realität widerspreche, in der sich die Investoren mehrere Wochen dafür Zeit lassen müssen. Zudem sei zwischen beiden Parteien im „wahren Leben“ auch der gegenseitige Respekt das A und O. Das lasse die Sendung aber teilweise gegenüber den Gründern vermissen.

Der ganze Umgangston erinnere das ein oder andere Mal dann doch verdächtig eben an Castingshows wie „Deutschland sucht den Superstar“, so der Unternehmer. Und zu guter Letzt „legen Gründer selten derartige Überschätzungen [in ihren Bewertungsvorstellungen] ab“, wie in der Show. Das könnte möglicherweise aber auch nur eine bewusste Inszenierung der Produzenten der Sendung sein. Olaf Jacobi kommt jedenfalls zum Schluss, „die Bewertungen zeigen, dass die Gründer ziemlich ahnungslos und ungecoacht vor die Jury treten.“ Und das Fazit daraus? Die erfolgreiche Gründer-Show scheint demnach nicht viel mit der Realität zu tun zu haben. Aber einen guten Unterhaltungseffekt hat sie allemal…(CS)

Foto: VOX/ Benno Kraehahn