Dienstag, 25. Oktober 2016, 22:37 Uhr

Filmkritik "31": Rob Zombies überdrehtes Horrorgemetzel

Heavy-Metal-Musiker Rob Zombie ist ein Mann fürs Grobe: Als Filmregisseur setzt er auf bluttriefende Horrorstorys rund um Halloween. Nun kommt ein neues Trash-Werk von ihm ins Kino.

Filmkritik "31": Rob Zombies überdrehtes Horrorgemetzel

Horrorfilme gehorchen ihren ganz eigenen Genregesetzen. Die Figuren sind flach gezeichnet, der Spannungsbogen verläuft ohne große Überraschungen. Und dass von der Gruppe, auf die Jagd gemacht wird, nur maximal einer überlebt, ist zumeist ausgemachte Sache. Letztlich geht es um eine möglichst kreative Wiederholung der immergleichen Gewaltorgie: Wahnsinnige wollen ein Blutbad anrichten und drohen darin – nach dem Widerstand wehrhafter Opfer – selbst zu ertrinken. Das Horrorgemetzel «31 – A Rob Zombie Film» setzt dieses klassische Genresetting abermals um.

Rob Zombie (Foto oben) dürfte wahren Horrorfans auch als Regisseur bekannt sein, unter anderem wegen seiner Kino-Neuversion von ‚Halloween‘ (2007) und der Fortsetzung ‚Halloween II‘ (2009). Sein voriges Werk, ‚The Lords of Salem‘ (2013), war ein Flopp, danach trockneten Zombie offenbar die Finanzmittel aus. Denn in seinem neuen Film mangelt es an allem: an einem halbwegs plausiblen Drehbuch und an Schauspielern, die mehr können als schreien, fluchen und im Abwehrkampf verzweifelt herumfuchteln. Unter den Darstellern ist die Frau des Regisseurs, Sheri Moon Zombie.

Es lag Regisseur und Drehbuchautor Rob Zombie wohl viel daran, einen Rekord in der Kategorie „Die meiste Fäkalsprache und andere Verbalinjurien in einem Film“ aufzustellen. Kaum eine Drehbuchzeile kommt ohne Vulgäres aus, Begriffe wie „Schlampe“ zählen noch zu den harmlosesten Ausdrücken. Männer üben sich in Penismetaphern, das Geschlechtsteil nennen sie mal „Gorilla in der Hose“, mal „Fleischpeitsche“. Der Film sei „noch blutiger und noch schmutziger“ als vorige Rob-Zombie-Werke, wird ’31‘ im Pressetext beworben.

Absurde Bösewichte tauchen auf, etwa ein Kleinwüchsiger in Nazi-Uniform. Warum der kleine Herr mit dem Messer so eine Angst auslöst unter den fünf groß gewachsenen, ebenfalls bewaffneten Opfern, bleibt ein Rätsel. Laut singend geht der kleine Nazi mit dem großen Blutdurst durch das unterirdische Verlies: „Süßes oder Sauerei, deinen Kopf zermatsch ich zu Himbeerbrei“.

Filmkritik "31": Rob Zombies überdrehtes Horrorgemetzel

Die Opfer beißen jedenfalls die Zähne zusammen und geben sich nach Rückschlägen grimmige Ratschläge: „Heulen ist was für Mädchen.“ Nach dem Nazi-Winzling tauchen weitere Fieslinge auf, darunter zwei abgehalfterte Clowns mit Kettensägen. Gemeinsamkeit aller Schlächter: Sie kichern laut und hämisch. Wer hatte in der Menschheitsgeschichte bloß die Idee, dass der Teufel und seine Schergen gern hämisch kichern? Wer auch immer es war – hätte er den Einfall per Copyright schützen lassen, er würde groß abkassieren in ’31‘.

In dem Werk sind einige Verweise auf Genre-Klassiker, ob ‚The Texas Chain Saw Massacre‚ oder die ‚Saw‘-Reihe. Letztlich ist ‚Rob Zombies 31′ aber mindestens eine Etage tiefer angesiedelt – auf der Ebene extremer Horrortrash. Eigentlich landen solche Filme direkt in Videotheken und Streaming-Portalen, wo hartgesottene Genrefans zugreifen und ihren Mordsspaß haben. Dass ’31‘ den Weg in die Kinos findet, ist erstaunlich – denn es erscheint sehr fraglich, dass diese sehr spezielle Metzelei-Blutorgie Vorführsäle füllen wird. (Rolf von Dewitz, dpa)

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Fotos: Falcom Media GmbH