Mittwoch, 26. Oktober 2016, 22:13 Uhr

Filmkritik "Doctor Strange": Der Schnösel-Arzt wird zum großen Retter

Zwei der angesagtesten Schauspieler treten ab Donnerstag im Kino gegeneinander an: Kino-Gott Mads Mikkelsen und Alleskönner Benedict Cumberbatch wollen die Zeit und alle Universen verändern.

Filmkritik "Doctor Strange": Der Schnösel-Arzt wird zum großen Retter

Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch, 40, „Star Trek Into Darkness“) ist Neurochirurg der Extraklasse und ein Kollege, den man im Leben nicht haben möchte. Es gibt niemanden, der sich ihm in den Weg stellt, denn beruflich gesehen, ist Stephen Strange ein Ass. Aber Freunde? Familie? Fehlanzeige? Aber wie heißt es so schön, Hochmut kommt vor dem Fall: Nach einem heftigen Autounfall ist Mister Alleskönner, Entschuldigung Doctor Alleskönner (denn auf die Anrede mit Doctor besteht der Oberschnösel immer wieder und sehr nachdrücklich), nicht mehr in der Lage zu arbeiten.

Mehr: Alles über die Welt von „Doctor Strange“

Seine Hände sind vielfach gebrochen und zittern – als Neurochirurg natürlich der Super-Gau. Stephen Strange muss ohne seine berufliche Reputation klarkommen und da bleibt nicht viel außer seiner Verzweiflung. Die Schulmedizin ist ausgereizt, Dr. Strange wendet sich somit Alternativen zu und reist nach Tibet, wo er bei der Führungskraft etwas anderer Art The Ancient One (Tilda Swinton, 55, „Only Lovers left alife“, „Orlando“) in die Lehre geht und sein Super-Ego nicht die Bohne beeindruckt. Aber Doctor Strange arbeitet an sich, mit Witz und Neugier, die er ja nun einmal tatsächlich hat, lernt er den Umgang mit den Geheimnissen einer verborgenen mystischen Welt voller alternativer Dimensionen.

Filmkritik "Doctor Strange": Der Schnösel-Arzt wird zum großen Retter

Doctor Strange ist ein gelehriger Zauberschüler. Aber er erfüllt nicht einfach Aufgaben, dafür ist er eine zu starke Persönlichkeit, er betritt völlig komplett neue Denkwege. Die Glaubensgemeischaft ist eine Mischung aus Tempel, Trainingsplatz und einer Bibliothek, die auch einen unerwünschten „Fernausleiher“ hatte: Kaecilius (Mads Mikkelsen,50 „James Bond – Casino Royal“, „Open Hearts“) hat aus einem Buch Seiten geklaut, auf denen Zaubersprüche stehen, die Zeit und Raum für immer verändern können. Die dunkle Dimension und ihr Hausgott Dormammu haben Kaecilius und seine Spießgesellen ermächtigt, Welt und Zeit „umzugestalten“, zu transformieren. Mit Kaecilius ist nicht gut Kirschen essen und man muss kein Magier sein, um zu wissen, worauf die Geschichte hinausläuft: ein Duell der Spitzenklasse quer durch alle Bewusstseinsebenen und Farbkombinationen.

Filmkritik "Doctor Strange": Der Schnösel-Arzt wird zum großen Retter

Zwei der angesagtesten Schauspiel-Ikonen treten gegeneinander an: Kino-Gott Mads Mikkelsen und Alleskönner Benedict Cumberbatch wollen die Zeit und alle Universen durchdringen.

Frauen gibt es, von der asexuellen Rolle Tilda Swintons mal abgesehen, nur am Rande. Für den weiblichen und emotionalen Touch in „Doctor Strange“ wurde die kanadische Schauspielerin Rachel McAdams (37, „Spotlight“, „Southpaw“) als Arzt-Kollegin (oder doch mehr?) verpflichtet. McAdams schlägt sich in ihren Kurzauftritten wacker und bietet der männlichen Übermacht ein beachtliches Paloli.

Filmkritik "Doctor Strange": Der Schnösel-Arzt wird zum großen Retter

Die 3D-Optik liefert ein Feuerwerk an psychedelischen Anwandlungen und unterstützt die Story nicht nur um ihrer selbst willen und wer Lust hat, in knapp 2 Stunden Popcorn-Kino Kathmandu, Hongkong und London zu bereisen, dem sei „Doctor Strange“ ans Herz gelegt.

Fazit: „Doctor Strange“ ist ein Mix aus Harry Potter für Fortgeschrittene, Martial Arts Filmen und versucht, auch noch komisch zu sein. Benedict Cumberbatch überzeugt in seiner Wandlung vom arroganten Schnösel-Arzt zum Weltenretter mit magischen Superkräften. (Katrin Wessel)

Fotos: Disney