Donnerstag, 27. Oktober 2016, 15:37 Uhr

Manfred Krug: Einer der ganz Großen ist abgetreten

Schauspieler Manfred Krug ist tot (wir berichteten). Er starb bereits am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren in Berlin, wie sein Management K&V Events am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Zuvor hatte die ‚Bild‘-Zeitung online berichtet.
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Manfred Krug: Einer der ganz Großen ist abgetreten
Manfred Krug im März 2016 bei einem Auftritt in Wernigerode.

Zu Krugs bekanntesten Rollen gehörten der DDR-Film ‚Spur der Steine‘, der ‚Tatort‘-Kommissar Stoever für den NDR sowie die Serien ‚Liebling Kreuzberg‘ und ‚Auf Achse‘. Krug war einer der populärsten Film- und Fernsehschauspieler in der DDR und hatte 1976 die Protestresolution zahlreicher DDR-Künstler gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. Eine seiner Paraderollen hatte er als aufmüpfig-anarchistischer Baubrigadier in ‚Spur der Steine‘. Der 1965 gedrehte Film von Frank Beyer war in der DDR nicht lange in den Kinos und lag dann mehr als 20 Jahre im Giftschrank.

Zuletzt war es still geworden um den in Ost wie West erfolgreichen Schauspieler. Seinen letzten musikalischen Auftritt hatte er mit Jazz-Sängerin Uschi Brüning am 9. April in Stendal statt.

Manfred Krug wurde am 8. Februar 1937 in Duisburg geboren. Als Zwölfjähriger siedelte er 1949 zusammen mit seinem Vater in die DDR über. Fünf Jahre später, mit 17, schloss er eine Stahlschmelzer-Lehre ab. Nach dem Abend-Abitur begann er 1954 ein Studium an der staatlichen Schauspielschule in Ost-Berlin, die er eineinhalb Jahre später wegen „disziplinarischer Schwierigkeiten“ wieder verlassen musste. 1955 kam er als Eleve zum Berliner Ensemble. Danach folgten Rollen in DEFA-Filmen. Besonders erfolgreich wurde das Lustspiel „Auf der Sonnenseite“ (1962). Der DDR-kritische Film „Spur der Steine“ (1966) mit Krug in der Hauptrolle wurde verboten und erst ab 1989 wieder aufgeführt.

In den 60er- und 70er- Jahren spielte Manfred Krug in zahlreichen Filmen und Serien des DDR Fernsehens mit und stand auf der Bühne der Komischen Oper Berlin. Darüber hinaus etablierte er sich mit Erfolg auch als Jazzinterpret und Chansonsänger; seine Platten genossen Kultstatus. Manfred Krugs Karriere in der DDR endete jäh, nachdem er eine Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet hatte.

1977 siedelte er nach West-Berlin über. Auch im Westen etablierte er sich rasch als Darsteller: 1978 spielte er die Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie „Auf Achse“, die bis 1996 produziert wurde. Er trat in der „Sesamstraße“ auf und übernahm 1984 gemeinsam mit Charles Brauer für den NDR die Hauptrolle in den „Tatort“-Krimis aus Hamburg. Ab 1985 spielte er zusätzlich die Titelrolle in der Fernsehserie „Liebling Kreuzberg“, einer Koproduktion des NDR mit dem damaligen Sender Freies Berlin (SFB) und dem WDR. 1994 war er Hauptdarsteller in der satirischen Fernsehfilmreihe „Wir sind auch nur ein Volk“, die unter Federführung des NDR entstand.

Manfred Krug: Einer der ganz Großen ist abgetreten
Tatort-Kommissar Stoever (Manfred Krug, Mitte) ermittel undercover in einem Kloster

„Liebling Kreuzberg“ lief bis 1998; die „Tatort“-Folge „Tod vor Scharhörn“ wurde am 7. Januar 2001 erstgesendet. Mit diesem Film nahm Manfred Krug, der 1997 einen Schlaganfall erlitten hatte, zugleich Abschied vom Fernsehen.

Manfred Krug erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, zuletzt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, das ihm im April 2013 verliehen wurde, den Europäischen Kulturpreis sowie in diesem Jahr den Filmpreis „Paula“. (dpa/KT)

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Fotos: Foto: Matthias Bein, SonyMusic, NDR/Manju Sawhney,