Samstag, 29. Oktober 2016, 16:38 Uhr

Emily Blunt als alkoholkranke Frau von trauriger Gestalt

Eine Frau unter Einfluss: Emily Blunt ist „The Girl on the Train“. Die Britin brilliert in dem gerade angelaufenen Film als alkoholkranke Frau von trauriger Gestalt.

Emily Blunt als alkoholkranke Frau von trauriger Gestalt

Rachel, dargestellt von der wunderbaren Alleskönnerin Emily Blunt, ist Alkoholikerin. Sie hat seit über einem Jahr ihre Arbeit in Manhatten verloren und verbringt seitdem ihre komplette Tagesfreizeit im Pendlerzug von und nach Hause. Rachel sitzt immer im selben Waggon, am selben Platz und starrt mit dumpfen Augen aus dem Fenster. Sie kriegt jedes Mal Beklemmungen, weil sie täglich an ihrer Vergangenheit vorbeifährt.

Der Zug rattert an Vorort-Mittelklasse-Häusern entlang – auch Rachel hat hier einst mit Mr Perfekt (Justin Theroux) gewohnt. Der ist längst ihr Ex-Mann und hat mit einer neuen Frau Anna (Rebecca Ferguson) eine Familie gegründet. Wann das Trinken bei Rachel angefangen hat, bleibt unklar, aber irgendwann, nachdem klar war, dass es mit einem eigenen Baby wohl nichts wird, muss es angefangen haben. Wie Rachel darauf gekommen ist, Alkohol als ihren besten Freund zu betrachten und als richtige, konsequente Reaktion auf ihren unerfüllten Kinderwunsch, wird in „Girl on the Train“ auch nicht weiter thematisiert.

Rachel sitzt immer nur im Zug: niedergeschlagen, angeschickert bis volltrunken hängt sie wie in einer Zeitschleife in ihrer Vergangenheit und ist tieftraurig. Immer wieder sieht sie ein Paar in ihrer Ex-Nachbarschaft, in dekorativer Pose, eng umschlungen auf der Veranda im ersten Stock (Haley Bennet als Megan und Luke Evans als Scott). Das Paar ist ihr längst vertraut, deren Silhouetten würde sie jederzeit wiedererkennen. Desto verwunderter ist Rachel, als sie die Frau eines Tages in einer Umarmung (Veranda, 1. Stock, wo auch sonst) mit einem anderen Mann beobachtet. Etwas später wird die die Veranda-Frau, vermisst. Rachels Tagträume im Alkoholnebel sind gezählt, denn sie wird sich einmischen. Rachel verlässt den Zug und torkelt auf ein Netz voller Lügen zu, in dem sie sich heftig verheddern wird.

Emily Blunt als alkoholkranke Frau von trauriger Gestalt

Fazit: Frauen sind „Girls“. In „The Girl On The Train“ wollen Frauen Familie, hatten oder haben Familie oder besitzen sowieso schon alles. Zum schönen Leben braucht es ein eigenes Haus im Vorort, vollgestopft mit Deko-Elementen, welche die Redaktion von „Schöner Wohnen“ glücklich machen würde. Im Zentrum eines Frauenlebens herrscht der Ehemann. Der Mann ist der Tonangeber, eine Granate im Bett, er bestimmt sämtlich Regeln und ist das Zentrum der Welt. Kurzum: unwiderstehlich. Es gibt nur einen einzigen Lacher in zwei Stunden zäher Dramazeit, ansonsten wird viel geheult, gezittert und gerannt. Emily-Blunt-Fans kommen auf ihre Kosten, sie ist wie immer sensationell. Als kleine, feine Nebenrolle als Schlüsselfigur in der Story gibt es ein Wiedersehen mit Lisa Kudrow („Friends“) als Martha. (Katrin Wessel)

Emily Blunt als alkoholkranke Frau von trauriger Gestalt

Fotos: Constantin