Samstag, 12. November 2016, 19:53 Uhr

Tom Cruise rennt, duscht, prügelt, schießt - und rennt und rennt

Die Welt an sich ist kompliziert, selbst bei der Militärpolizei der USA, wo doch eigentlich alles klar gesetzlich geregelt sein sollte. In der Welt des Ex-Majors Jack Reacher (Tom Cruise,54, „Eyes wide shut“, „Top Gun“) gibt es seit dem Verlassen der Armee nur das Jetzt.

Tom Cruise rennt, duscht, prügelt, schießt - und rennt und rennt

Ist eine Aufgabe erfüllt, hält der Einzelkämpfer den Daumen an der nächsten Fernstraße hoch und das Fahrzeug, das ihn mitnehmen wird, fährt dem Sonnenuntergang entgegen. Zuviel Klischee? Dann halten Sie sich mal gut fest, geneigter Leser: Willkommen im Leben des Allrounders Jack Reacher. Reacher, als Ex-Militärangehöriger gibt gerne großzügige Tipps an seine Nachfolgerin bei der Militärpolizei. Etwa, wenn etwas stinkt im Lande, wie z.B. der Handel mit Migranten in Granznähe zu Mexiko. Reacher lässt die bestechlichen Sheriffs hochgehen. Ganz enpassant. Natürlich im Cruise-Style: kernig, wortkarg, effizient.

Reacher der Alleskönner, der Lonesome Major, dem die Armee so fehlt, dass er hin und wieder mit Susan Turner (Cobie Smulders, 34, „How I Met Your Mother“) telefoniert. Hört sich immer wie ein rolliger Balztanz an, wenn die beiden reden und es werden auch sämtliche Plattitüden geliefert, aber mehr an Zuneigungsbekundungen zwischen den Zeilen, wird es nicht geben.

In der Parallelwelt US Armee gibt es gute und böse Menschen. Der gute Mensch, Major Susan Turner, gerät unter den Verdacht, Geheimnisse verraten zu haben und landet im Armeegefängnis. Just in dem Moment, wo Superheld Jack Reacher ihr einen Höflichkeitsbesuch im Büro abstatten möchte. Das sieht nach einer neuen Aufgabe für Jack aus. Er befreit Major Turner aus dem Hochsicherheitsgefängnis und aus der anfänglichen Flucht wird der Spieß umgedreht und eine Jagd.

Es folgen sehr viele Autofahrten, Motelzimmer mit erfreulich wenig technischem Schnickschnack, ein Teenager taucht auf, der keine Überraschung ist und wenn mal nicht gerannt wird, wird geduscht, geschossen, geprügelt, Fastfood über Hotelflure jongliert.

Tom Cruise rennt, duscht, prügelt, schießt - und rennt und rennt

Aber die Lieblingsfortbewegungsart ist Rennen. Über Stock und Stein, Autos, Dach hoch, rüber und runter. Der Plot ist dünn und nicht wirklich von Interesse. Waffenhandel, böse, gierige Auftraggeber, aber nirgends, nicht mal in der Nebenhandlung ist nicht vorhersagbar. Aber es gibt Lichtblicke: eine Augenweide als Hauptdarstellerin ist Cobie Smulders, es schimmert immer etwas Undefinierbares, nicht zum Drehbuch gehörendes in ihrer Darstellung der Figur der Susan Turner. Der 2. Lichtblick ist der ausführende Bösewicht. Der Killer (Patrick Heusinger, 35, „Boomerang“) ist smart, katzengleich und sehr effektiv im Töten und mit vollem Körpereinsatz setzt der Jäger Tom Cruise nach.

Tom Cruise rennt, duscht, prügelt, schießt - und rennt und rennt

Fazit: „Jack Reacher 2: Kein Weg zurück“ ist öde Massenware. Die Story ist holzschnittartig, die Musik unglaublich nervig und der Film ist mit 1 Stunde 58 Min. quälend lang. „Jack Reacher“ ist natürlich ein Muss für eingefleischte Tom-Cruise-Fans. Für Anhänger von Cobie Smulders aus der Sitcom „How I Met Your Mother“, welche sich auf ein Wiedersehen mit Robin Scherbatsky freuen sollten, müssen jetzt tapfer sein: die Robin taucht dort nicht auf. Schade eigentlich. (Katrin Wessel)

Fotos: Paramount