Donnerstag, 17. November 2016, 16:50 Uhr

Kritik "Radio Heimat": Ganz anders als die Massenware Teeniefilm

Mit dem Charme des Ruhrpotts: „Radio Heimat“ ist eine gelungene Liebeserklärung an die 80er Jahre, den Bergbau und die Unmöglichkeit, die Pubertät mit Haltung zu durchdringen.

Kritik "Radio Heimat": Ganz anders als die Massenware Teeniefilm

Der Charme des Ruhrpotts offenbart sich spätestens dann, wenn man den Filmtitel ganz liest: „Radio Heimat. Damals war auch Scheiße“. „Radio Heimat“ ist ein Heimat- und ein Teenie-Film. Gott sei Dank so ganz anders, als die Massenware Teenie-Film, welche regelmäßig aus den USA herüberschwappt. Das macht „Radio Heimat“ gleich in den ersten Bildern klar, in denen die Spezie „Ruhrpottler“ erklärt wird von der Königin aus Oberhausen: Gerburg Jahnke, ist so nett und stellt – auf einer gigantischen Abraumhalde stehend – fest: „Wat für ´ne geile Gegend!“ Das ist sie wohl auch, wenn die Menschen ins Spiel kommen.

Frank (David Hugo Schmitz), Pommes (Jan Bülow), Spüli (Hauke Petersen) und Mücke (Maximilian Mundt) sind eine Clique. Es sind die 80er, die vier sind in der Pubertät und die Welt könnte platzen, so energiegeladen sind sie. Mädchen, Weltruhm, Coolness und wieder Mädchen sind ihre zentralen Themen und klar, Schule kommt auch vor. Es gibt die eine, die es wohl in jeder Klasse gibt, die Schönste und Unnahbarste von Allen, die jeder Junge begehrt.

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Kritik "Radio Heimat": Ganz anders als die Massenware Teeniefilm

„Radio Heimat“ erzählt aus der Sicht von Frank. Frank erzählt rückblickend, er spricht direkt in die Kamera und nimmt jeden mit, durch Zeit und Raum und den Geschichten der Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel und all den anderen schrägen Leuten in der näheren Umgebung. Da sind z.B. der Laberfürst (Uwe Lyko, besser bekannt als Herbert Knebel), der bigotte Lehrer Herr Hecker (Peter Nottmeier, geboren in Wanne-Eickel, „Switch reloaded“) gibt einen herrlich dämlichen Saftsack ab.

Oder auch Peter Lohmeyer (54, „Am Tag als Bobby Ewing starb“), der sich als Vater von Pommes nicht zu schade ist, als Smartass den hauseigenen Partykeller zu präsentieren, der eher an eine Kalte Küche erinnert.

Kritik "Radio Heimat": Ganz anders als die Massenware Teeniefilm

„Radio Heimat“ ist weder eine Persiflage auf die 80er, noch wird sich über die Pubertät lustig gemacht. Der Film erzählt witzig, genau und geradezu anrührend über diese Phase des Lebens. Ganz entzückend sind die jugendlichen Darsteller: all die Peinlichkeiten, Demütigungen und Rückschläge, mit denen sie zu ringen haben, sind authentisch dargestellt; es kann zum zeitweiligen sehr ulkigem Fremdschämen im Publikum kommen.

Fazit: Deutschland in den 80ern. Das Vertraute liegt so nah und durch die Pubertät müssen alle. Irgendwie. (Katrin Wessel)