Sonntag, 04. Dezember 2016, 15:12 Uhr

Was macht eigentlich Cowboy Roy von den Vengaboys?

„Boom Boom Boom Boom, I want you in my room“ – Die Vengaboys sind unvergessen. Mit ihrem Eurodance-Sound lieferten sie Ende der Neunziger zehn Nummer eins Hits am Stück ab. 2002 verließ Cowboy Roy die Gruppe und es wurde ruhig um die Band.

Was macht eigentlich Cowboy Roy von den Vengaboys?

In der Zwischenzeit hat er sich ein Leben als Flugbegleiter und Drag Queen aufgebaut. Das Musik-Biz meidet er seither. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat Roy sein erstes ausführliches Interview zu seinem Ausstieg bei den Vengaboys und seiner Arbeit als Kunstfigur Chrystal Conners gegeben.

Mit welchen Gedanken denkst du an die Vengaboys-Zeit zurück?
Mit gemischten, aber größtenteils guten Gefühlen. Die Zeit mit den Vengaboys hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich habe in der Zeit gelernt besser auf mich zu hören und klarer entscheiden zu können was ich will und was nicht.

Was war dein Lieblingsmoment mit der Band?
Da gab es einige. Wir standen uns sehr nah – fast wie Geschwister. Besonders schön waren die Momente vor unseren Shows oder auch die als wir mit Platin für unsere Musik ausgezeichnet wurden.

Warum hast du dann die Vengaboys verlassen?
Es war einfach Zeit für mich zu gehen. meine Eltern haben mir beigebracht zu gehen, wenn man auf der Spitze ist. Die sieben Jahre, in denen ich mich mit der Band nach oben gearbeitet habe waren toll. Danach hätte der Erfolg aber nur noch abflachen können. Ich wollte, dass mich die Leute als den powervollen Tänzer und Entertainer in Erinnerung behalten, der ich zu dieser Zeit war. Als unser Vertrag auslief habe ich meinen einfach nicht verlängert.

Wie haben die anderen Bandmitglieder auf deinen Ausstieg reagiert?
Die fanden das natürlich nicht so toll. Ich habe sieben Jahre meines Lebens und unglaublich viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt und man muss auch ehrlicherweise sagen, dass in dieser Zeit nicht nur eitler Sonnenschein geherrscht hat. Es waren nicht nur glückliche Momente. Ich habe so viel verpasst wie beispielsweise Geburtstage von guten Freunden und Familie und andere wichtige Events. Ich konnte das so nicht ewig machen. Anfangs waren die anderen wirklich verbittert, aber auf der anderen Seite konnten sie mich verstehen. Wir waren alle müde von dem ständigen Reisen und der Arbeit im Studio etc.

Was macht eigentlich Cowboy Roy von den Vengaboys?

Was hast du nach deinem Ausstieg gemacht?
Ich habe erst einmal zwei Wochen Urlaub gemacht und die neue Situation einwirken lassen. Zuerst bin ich echt in ein Loch gefallen, aber habe mich recht schnell wieder gefangen und den Plan geschmiedet, dass ich die Welt sehen wollte, aber als Roy. Nicht als Entertainer, um den ständig dieser ganze Trubel passiert. Nachdem ich aber auch sieben Jahre nonstop auf Achse war, musste ich auch aus Holland raus, weil das Fernweh einen da dann auch echt fertigmachen kann. Ich wollte einen Job und von normalen Menschen umgeben sein. Ich wurde dann recht schnell Flugbegleiter, weil mir dieser Job all das bieten konnte, wonach ich mich gesehnt habe.

Es ging im Netz ja ein Video herum, dass dich bei den Sicherheitseinweisungen im Flugzeug zeigt …
Ja, das hat ein Typ gemacht, der Dokumentarfilmer einer Plattenfirma ist. Er erfuhr erst nach dem Filmen wer ich war und kontaktierte mich anschließend mit einer Anfrage, ob ich nicht einen Film oder eine Art Reality-Show mit ihm machen wolle. Ich wollte aber nicht wieder diese Route einschlagen und habe dankend abgelehnt.

Nervt es dich, wenn dich Leute auf der Arbeit erkennen?
Nein, ich finde es eigentlich ziemlich normal. Mich nerven nur Leute, die ständig meine Songs singen. Beispielseise letzte Woche auf dem Weg nach Mexiko war wieder ein Typ in der Maschine, der lustig sein wollte und die ganze Zeit „Boom Boom Boom“ gesungen hat. Das erste Mal ist es ja noch lustig, beim zweiten Mal dann nicht mehr so und beim dritten Mal nervt es dann wirklich nur noch.

Und du musst dann ja immer freundlich bleiben …
Ich meinte dann nur, ob er das irgendwie lustig fände. Die Leute fragen mich viel und ich habe auch kein Problem Fragen zu beantworten, aber wenn Leute nichts zu sagen haben, aber einen nur so dämlich ansingen, dann nervt das gewaltig.

Wie würdest du es denn finden, wenn eine heiße Person mit euren Lyrics angraben würde?
(lacht) Nein, das würde nicht funktionieren.

Was macht eigentlich Cowboy Roy von den Vengaboys?

Welche Fragen nerven dich am meisten?
Oft kommt die Frage, ob ich mit den Vengaboys nicht genug Geld gemacht hätte, oder warum ich fliegen würde. Die Frage finde ich ziemlich respektlos. Das eine hat ja nichts mit dem anderen zu tun.

Wie sieht deine Beziehung mit der Band heute aus?
Wir haben eine ganz gute Beziehung. Mit einigen Leuten aus der Band habe ich jetzt keine besonders enge Beziehung, aber Kim und ich sind wie Geschwister. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir beide wirklich die original Vengaboys sind. Bis auf uns wurde die Band mehrmals neu besetzt. Wir treffen uns regelmäßig und stehen ständig in Kontakt. Wenn ich Denise und Robin treffe, dann ist alles cool und wir haben Spaß zusammen, aber es ist dennoch ein bisschen anders.

Die Band tourt ja heute von Neunziger Party zu neunziger Party. Glaubst du, dass die da wirklich Spaß daran haben?
Das kann ich dir nicht beantworten, denn wenn ich mich beispielsweise mit Kim treffe, dann unterhalten wir uns nicht über die Band. Das ist ja deren Arbeit, aber ich denke, wenn sie da keinen Bock darauf hätten, dann würden sie es vermutlich nicht mehr machen. Aber es läuft nach wie vor echt gut für sie. Momentan sind sie in Neuseeland und Australien unterwegs.

Nach deinem Ausstieg hast du dich ja öffentlich als schwul geoutet.
Ja, die Band und mein Umfeld wussten das aber schon immer. Ich war jetzt nur nicht in den Medien geoutet. Es gab aber einen Moment, wo unser Management wollte, dass ich es öffentlich mache. Ich wollte das aber nicht, weil dieses Detail noch das einzig private war, das ich noch hatte. Wenn du weltweit zehn Nummer eins hast, dann hast du kaum noch was für dich. Aus heutiger Perspektive weiß ich, was das Management eigentlich wollte: Nämlich die Welt schocken. Ich bin stolz darauf wer und was ich bin, aber ich wollte das damals nicht in den Medien haben.

Du bist seit einigen Jahren auch als Drag Queen unterwegs. Dieses Jahr bist du beispielweise mit deiner – ich nenne es jetzt mal Drag Personality – Chrystal Conners bei der Euro Pride an der Seite von Conchita Wurst durch die Parade gefahren.
Ja, genau. Drag habe ich schon von den Vengaboys gemacht. Dazu kam ich damals in meiner Gogo-Zeit, als mich ein Promoter ansprach, ob ich nicht für jemanden in drag einspringen könne, der nicht aufgetaucht sei. Das habe ich gemacht und hatte dabei so viel Spaß. Ich habe so sogar mehr Geld verdienen können, als als normaler Tänzer. Ich habe dann wegen der Band eine zehn Jährige Pause gemacht, aber als ich dann Steward wurde, habe ich wieder angefangen. Ich habe mir dann in Amsterdam auf den größten Partys sehr schnell einen Namen machen können. Ich habe schnell sehr viele Bookings bekommen und mir ein Konzept für meine Figur überlegt. Mittlerweile kennen mich alle für meine Show und meine übertrieben guten Lip-Syncs. Diese ganzen 0-8-15-Beyonce-Shirley BessySachen, die viele Queens machen, mache ich gar nicht.

Bin ich der Einzige, der findet, dass du in Drag deiner alten Bandkollegin Kim sehr ähnlich siehst? Hat sie dich irgendwie inspiriert?
(Lacht) So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber ich kann sehen was du meinst. Vielleicht ist das so ein unterbewusstes Ding, weil Kim und ich uns täglich über Jahre gesehen haben. Ich muss sie mal fragen, was sie darüber denkt. (lacht)

Fotos: Privat/Cowboy roy