Dienstag, 13. Dezember 2016, 18:20 Uhr

Pierre M. Krause: Starauflauf zur 500. Late-Night-Show

Thomas Gottschalk, Thomas Koschwitz und Harald Schmidt brachten Latenight-Shows ins deutsche Fernsehen. Heute gibt es nur noch eine Sendung dieser Art, moderiert von Pierre M. Krause. Er sendet in der nächtlichen Nische.

Pierre M. Krause: Starauflauf zur 500. Late-Night-Show
Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Pierre M. Krause kommt dienstags kurz vor Mitternacht ins Fernsehen. Die TV-Show trägt seinen Namen und hat ein Konzept, das es hierzulande sonst nicht mehr gibt: Krause moderiert die einzige Late-Night-Show im deutschen Fernsehen. Bei Harald Schmidt hat er gelernt, beim Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden macht er seit 2005 seine eigene Show. Und bringt diesen Dienstag, 23.30 Uhr, im SWR Fernsehen die 500. Folge der „Die Pierre M. Krause Show“ auf den Bildschirm – mit Comedy, Talk, Musik und prominenten Gästen.

Krause sendet aus dem Fernsehstudio 5 des SWR in Baden-Baden. Dort entsteht seine wöchentliche Sendung vor Studiopublikum. „Sie ist die erfolgreichste deutsche Late-Night-Show“, sagt der 40-Jährige. „Und sie ist die einzige deutsche Late-Night-Show.“ Zur 500. Folge an diesem Dienstag kommen Komikerin und Schauspielerin Anke Engelke, Comedian Sebastian Pufpaff, Musiker Max Mutzke sowie der aus Fernsehshows bekannte Puppenspieler René Marik.

Mit dabei ist auch Frank Elstner. „Ich schaue mir jede Folge dieser Sendung an“, sagt der 74-Jährige: „Pierre M. Krause hat ein Talent, das es kaum noch gibt im Fernsehen. Er schafft es, alle zum Lachen zu bringen, über Generationen und Zielgruppen hinweg.“

Elstner, der „Wetten, dass..?“ im ZDF und viele andere Shows ins Fernsehen brachte und moderierte, hat zu Krause eine besondere Verbindung. Er war in dessen erster Sendung zu Gast – und kommt nun wieder zur Ausgabe 500. Statt der sonst 30 Minuten ist die Jubiläumsausgabe 90 Minuten lang. Direkt im Anschluss sendet das SWR Fernsehen ein einstündiges „Best-Of“ aus 500 Folgen der Krause-Show.

„Bei unserer Sendung ist es wie bei einer Millionärsgattin in Baden-Baden. Sie wird älter und keiner sieht es“, sagt Krause. Im Schnitt schalten pro Ausgabe nach Angaben des Senders deutschlandweit 160 000 Zuschauer ein (Marktanteil: 4,3 Prozent). Zudem wird sie häufig im Internet angeklickt. Es ist eine sehenswerte Sendung, die in einer nächtlichen Nische im Regionalfernsehen läuft – und dennoch regelmäßig prominente Gäste ins Studio lockt.

Pierre M. Krause: Starauflauf zur 500. Late-Night-Show
Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Krause, der in Karlsruhe lebt, gehört zu den bekannten Gesichtern des Programms. „Ich bin der Mann im Anzug mit der komischen Frisur, der viel zu schnell spricht“, sagt er. Beim SWR steht er für junges, frisches und vergleichsweise unkonventionelles Fernsehen. Seine Show folgt dem klassischen Latenight-Konzept: Der Moderator trägt Anzug, sitzt an einem großen Schreibtisch, macht Gags, zeigt Zuspielfilme, hat eine Showband an seiner Seite und prominente Gäste. In den USA haben solche Shows traditionell einen hohen Stellenwert, die Moderaten gelten als Stars, die Gäste sind hochkarätig.

Anfang der 1990er Jahre brachten Privatsender das Konzept nach Deutschland. Harald Schmidt, Thomas Gottschalk, Thomas Koschwitz und später auch Oliver Pocher moderierten solche Shows. Diese Sendungen gibt es heute nicht mehr. Krause im öffentlich-rechtlichen SWR Fernsehen ist die Ausnahme. Gesendet wird im Regionalfernsehen und naturgemäß spät abends.

Pierre M. Krause: Starauflauf zur 500. Late-Night-Show
Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Krause arbeitete im Team der Harald-Schmidt-Show, bevor er seine eigene Sendung bekam. „Ich würde mir wünschen, dass es im deutschen Fernsehen eine Latenight-Kultur gibt, also mehrere Latenight-Formate mit verschiedenen Moderatoren“, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist Fernsehunterhaltung, an der alle teilhaben können. Der philosophisch tiefgründige Witz hat ebenso Platz wie der vergleichsweise platte Gag aus einer der unteren Schubladen.“

Auch nach der 500. Ausgabe wird es weitergehen, sagt der Redaktionsleiter der Sendung, Andreas Freitag. Neue Folgen und Filme sind in Planung. „Es ist eine innovative und junge Show, die wunderbar verrückt ist. Pierre ist ein Moderator und Entertainer, der mit viel Charme und grandiosem Humor diesem Format seinen Stempel aufdrückt.“ Und der dem SWR Fernsehen ein junges, frisches Gesicht gebe – selbst wenn laut Statistik auch viele Ältere einschalten.

Er selbst habe Spaß am Moderieren, weil die Sendung nicht so starren Regeln und Vorhaben unterworfen sei wie andere, sagt Krause. „In einer Late-Night-Show ist der hintersinnige Witz genauso obligatorisch wie die Torte ins Gesicht. Man kann wunderbar albern sein, ohne dabei den Feuilleton-Leser zu vergrämen.“ Das mache Latenight zu einem besonderen Fernsehformat. Nebenbei ist Krause im SWR Fernsehen im Rateteam der Quizshow „Sag die Wahrheit“. (Jürgen Ruf, dpa)