Montag, 19. Dezember 2016, 19:54 Uhr

Filmkritik "Vaiana": Disneys lustiges Südseeabenteuer

Mädchen wollen sich nicht länger von hübschen Prinzen retten lassen. Sie werden lieber selbst zu Heldinnen – wie im Disney-Film „Vaiana“. Die Häuptlingstochter will ihre Insel vor dem Untergang bewahren und landet mit dem trägen Halbgott Maui in einem spannenden Abenteuer.

Filmkritik "Vaiana": Disneys lustiges Südseeabenteuer
Foto: 2016 Disney

Der neue Animationsspaß aus dem Hause Disney entführt die Zuschauer in eine völlig neue Welt. Ein mutiges Mädchen will ihre Insel mit Hilfe des Halbgottes Maui vor dem Untergang retten. Dazu muss sie die bekannte Welt verlassen und etwas Neues ausprobieren, denn die Ursache allen Übels liegt in der Vergangenheit ihrer Vorfahren. Vaianas Mut wird belohnt. Die Welt jenseits des Horizonts ist aufregend, schön und viel größer, als es vom sicheren Zuhause aus scheint.

In einer Zeit, in der viele Länder den Blick lieber nach innen auf sich selbst richten, kommt dieses zauberhafte und spannende Zeichentrickmärchen gerade recht. Weckt es doch die Lust, sich neugierig und unbefangen auf völlig neue Dinge einzulassen. Und das mit jeder Menge Humor.

„Das Alte hat sich bewährt, mehr brauchst du nicht“, impft Vaianas Vater seiner neugierigen Tochter von klein auf ein und warnt sie vor den Gefahren des offenen Meeres. Natürlich träumt sie nun erst recht davon, über das Riff hinaus zu segeln, auch weil ihre Großmutter das Fernweh mit uralten Erzählungen anheizt.

Als sich eine merkwürdige Finsternis ausbreitet, die Kokosnüsse von innen verrotten lässt und die Fische aus dem Meer rings um die Insel vertreibt, lässt sich Vaiana nicht länger aufhalten. Sie bricht auf, um ihr Volk von dem Fluch zu befreien, den Maui vor Urzeiten heraufbeschworen hat. Vaiana will den Held jahrtausendealter Legenden deshalb dazu zwingen, ihr bei diesem abenteuerlichen Unterfangen zu helfen.

Filmkritik "Vaiana": Disneys lustiges Südseeabenteuer
Foto: 2016 Disney

Ron Clements und John Musker haben „Vaiana“ inszeniert – erfahrene Animations-Regisseure, die schon oscar-prämierte Disney-Klassiker wie „Arielle, die Meerjungfrau“ oder „Aladdin“ ins Kino brachten. Sie haben die Welt der polynesischen Seefahrer und ihrer Mythen mit viel Liebe und Fantasie und mit wunderschönen Bildern in Szene gesetzt.

Vaiana ist anfangs zuckersüß. Doch das niedliche Kind mit riesigen Kulleraugen wächst zu einem starken, selbstbewussten Mädchen heran, das sich Herausforderungen mutig stellt. Sie ist auf keine Männer angewiesen, die sie retten müssen. Im Gegenteil. Mit ihrem wachen Verstand und ihrer Entschlossenheit beeindruckt sie sogar den selbstverliebten Maui und spornt ihn an, seine Trägheit zu überwinden und an seine Heldentaten aus längst vergangenen Zeiten anzuknüpfen.

Filmkritik "Vaiana": Disneys lustiges Südseeabenteuer
Foto: Disney

Wie Vaiana immer wieder versucht, Mauis Ehrgeiz anzustacheln, gehört zu den schönsten Szenen des Films. Denn anfangs hält der Halbgott nicht viel von dem Mädchen. „Du trägst ein Kleid, singst viel und sprichst mit Tieren – du bist eine Prinzessin“, stellt er fest. Doch da irrt er sich. Eine Prinzessin will Vaiana nicht sein, lieber die künftige Stammeschefin, die sogar über Meereswellen gebieten kann.

Das mutige Mädchen wächst einem im Laufe des Films immer mehr ans Herz. Vaiana ist eine Heldin auf Augenhöhe und sie scheut sich nicht, ihrem Vater, dem Herrscher des Stammes, zu widersprechen. Wenn sie wie alle anderen Mädchen tanzt und Kokosnüsse pflückt, verdreht sie die Augen und zeigt: Alles nicht so wichtig. Und wenn sie sich ins Abenteuer stürzt, geschieht dies nicht aus Versehen, sondern mit Absicht.

Filmkritik "Vaiana": Disneys lustiges Südseeabenteuer
Foto: Disney

Trotzdem muss sie all ihren Mut zusammennehmen, etwa wenn gemeine Mini-Piraten ihr Boot entern wollen oder der hinterhältige Krebs Tamatoa sie in seiner Unterwasser-Glitzerwelt verschlingen will. Auch Helden dürfen Angst haben, das macht Vaiana klar. Dennoch lässt sie sich nicht einschüchtern und sucht immer wieder einen Weg, das Unheil zu besiegen und ihre Heimat zu retten.

Dass Jungs diesen Film gerne sehen, liegt vor allem an Maui. Der massige Körper des kraftstrotzenden, eitlen Riesen ist voller Tätowierungen, die aus seinem jahrtausendelangen Leben erzählen. Das Besondere: die schwarzen Figuren führen ein vergnügliches Eigenleben, boxen Maui in die Seite, trommeln auf ihn ein und springen von Bild zu Bild.

Und natürlich gibt es wieder jede Menge Musik, wenn auch nicht so viele Hits wie in „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“. Die Südsee-Rhythmen sind mitreißend, so etwa der Titelsong „Ich bin bereit“, in der deutschen Fassung gesungen von Helene Fischer. „Vaiana“ ist damit ein herzerwärmendes und vergnügliches Abenteuer, das in die faszinierende reiche Legendenwelt der Südsee entführt.

Männer kommen allerdings nicht ganz so gut weg, denkt man etwa an den ängstlichen Vater oder den bequemen Maui, der vom Ruhm aus Urzeiten zehrt. Aber nach Jahrzehnten mit Filmen, in denen Männer immer edle Retter hilfsbedürftiger Frauen waren, ist es vielleicht auch mal an der Zeit, den Spieß umzudrehen. (Cordula Dieckmann, dpa)