Donnerstag, 22. Dezember 2016, 21:49 Uhr

Filmkritik "Eine schöne Bescherung": Schwul und homophob in Schweden

Ein schwules Paar, seine Baby-Pläne und die homophoben Familien der Männer sind die explosiven Zutaten der schwedischen Komödie „Eine schöne Bescherung“. Ein herrlich verrücktes Plädoyer für Toleranz.

Filmkritik "Eine schöne Bescherung": Schwul und homophob in Schweden
Foto: Arsenal Filmverleih

An Weihnachten fliegen die Fetzen. Vor allem, wenn sich Familien lange nicht gesehen haben. Das ist auch im idyllischen Schweden nicht anders. Zwar hatten Oscar und Simon ein harmonisches Fest mit Eltern und Geschwistern geplant. Doch die beiden merken schnell, dass sie sich mit der Idee keinen Gefallen getan haben.

Spätestens als das schwule Pärchen der Familie eröffnet, dass es gemeinsam mit der engen Freundin Cissi ein Kind erwartet, ist alle Besinnlichkeit verflogen. Im Weihnachtsfilm „Eine schöne Bescherung“ nehmen sich die als so politisch korrekt geltenden Schweden auf köstliche Weise selbst aufs Korn.

„Ist jemand gestorben?“, fragt die leicht tüdelige Großmutter, als sie die bedrückte Stimmung am Weihnachtstisch bemerkt. „Nein, Oma, Oscar hat erzählt, dass er Papa wird“, entgegnet ihre Enkelin. Damit können allerdings weder Oscars homophober Vater Ulf (Robert Gustafsson) noch Simons Eltern umgehen, die sich so betont locker und tolerant geben.

Weil mit den beiden Familien Welten aufeinanderprallen, hängt auch schon vor der späten Nachricht vom Nachwuchs – Cissi steht kurz vor der Niederkunft – der Haussegen schief. Simons Mutter Carina (gespielt von Helena Bergström, die in der Weihnachtskomödie auch Regie führt) ist mit ihrem viel jüngeren Lover Rami angereist, was ihrem griechischen Ex-Mann Millitiadis nicht passt.

Filmkritik "Eine schöne Bescherung": Schwul und homophob in Schweden
Foto: Arsenal Filmverleih

Der spießige Ulf kommt derweil nicht darüber hinweg, dass sein Sohn eine renovierungsbedürftige Villa mit schimmligen Wänden gekauft hat, in der zu allem Überfluss auch noch jemand anderes ein- und ausgeht: „Was macht dieses schwangere Mädchen hier?“.

Als die Söhne endlich mit ihrer Überraschung herausrücken, überbieten sich die künftigen Großeltern mit kleingeistigen Bemerkungen. Oscars Vater verkündet theatralisch, er habe keinen Sohn mehr, während die Mutter befürchtet, Oscar mit ihrer überbordenden Liebe zum Schwulen erzogen zu haben.

Filmkritik "Eine schöne Bescherung": Schwul und homophob in Schweden
Foto: Arsenal Filmverleih

Die werdenden Väter stehen angesichts der wenig begeisterten Reaktion ihrer Lieben vor allem ratlos da. Allein Oscars Großmutter (Inga Landgré) hat zu viel Lebenserfahrung, um sich von Chaos und Konflikten aus der Ruhe bringen zu lassen. „Nur Idioten sind an Heiligabend nüchtern“, hat die alte Dame schon vor der Feier verkündet.

Anton Lundqvist, der Oscar spielt, und seine Film-Mutter Maria Lundqvist streiten in der Komödie vermutlich nicht zum ersten Mal: Die beiden sind auch im echten Leben Mutter und Sohn. Deutsche Kinogänger dürften am ehesten Robert Gustafsson als Oscars Vater Ulf wiedererkennen: Schwedens komische Allzweckwaffe spielte die Hauptrolle in der Bestseller-Verfilmung „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

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Foto: Arsenal Filmverleih

Als sich endlich alle wieder versöhnt haben, endet „Eine schöne Bescherung“, wie eine Weihnachtsgeschichte enden muss: mit einem Christkind. Der Weg dahin ist ein herrlich ironisches Plädoyer für Toleranz und Vielfalt. In Schweden war die Familienkomödie ein Kassenschlager. Für Kinogänger, die mit dem schrägen schwedischen Humor etwas anfangen können, ist sie die perfekte Einstimmung auf die besinnlichen Tage. (Julia Wäschenbach, dpa)