Samstag, 24. Dezember 2016, 19:30 Uhr

Filmkritik "Vier gegen die Bank": Gangsterfilm großartig lustig

Promis, Promis, Promis: Für „Vier gegen die Bank“ bringt Regieveteran Wolfgang Petersen eine Starbesetzung auf die Leinwand – Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und einen überragend komischen Michael „Bully“ Herbig.

Filmkritik "Vier gegen die Bank": Gangsterfilm großartig lustig
Foto: 2016 Warner Bros. Ent.

Damit hatten wohl nur noch wenige gerechnet: Nach drei Jahrzehnten in den USA hat Altmeister Wolfgang Petersen, berühmt durch das Weltkriegsdrama „Das Boot“, wieder einen Film in Deutschland gedreht. Dafür bearbeitete er einen früheren Fernsehstoff neu fürs Kino, die Komödie „Vier gegen die Bank“ aus den 1970ern.

Die Liste seiner Darsteller liest sich dabei wie ein Treffen der deutschen Filmprominenz: Neben Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Michael „Bully“ Herbig in den Hauptrollen sind in der furiosen Gaunerkomödie auch Thomas Heinze, Alexandra Maria Lara und Antje Traue zu sehen.

Dass die Promibesetzung zur Geltung kommt, liegt vor allem am präzise und temporeich durchkomponierten Drehbuch, für das Petersen auf amerikanisches Können setzt. So befolgt der US-Autor Tripper Clancy die Genre-Gesetze jener Raubüberfallfilme, die in den USA „heist movies“ heißen. Die Handlung besteht aus drei kompakten Akten: Planung des Bankraubs, Durchführung und das Chaos danach.

Gut geklaut ist halb gewonnen, das gilt auch für diesen Film. So macht sich die Komödie viele althergebrachte Zutaten des Genres ungeniert zu eigen. Doch das macht gar nichts! Denn Petersen und sein Team setzen das Patentrezept großartig in Szene.

Filmkritik "Vier gegen die Bank": Gangsterfilm großartig lustig
Foto: 2016 Warner Bros. Ent.

Eine pure Lust sind zum Beispiel die Kostüme (Metin Misdik). Vor allem jene Verkleidungen, die die Ganoven für den Bankraub tragen – eine klassische Komponente der Gattung. Wenn Liefers etwa als alter Gentleman und Schweighöfer als Berliner Hipster auftauchen, erkennt man sie auf den ersten Blick kaum wieder.

Ebenfalls charakteristisch für das Genre: In „Vier gegen die Bank“ treffen ganz zufällig zusammengewürfelte Männer aufeinander. Sie alle wurden von einer fiktiven Berliner Bank um viel Geld gebracht und sind daher in ihren Rachegelüsten vereint. Liefers ist zu sehen als Peter, der erfolglose Schauspieler, Schweiger als Chris, der testosterongeladene Boxer und Schweighöfer als Max, der schmierige Werbeprofi.

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Foto: 2016 Warner Bros. Ent.

Schnell finden die Betrogenen zusammen – und einen Schuldigen für ihre Misere: Tobias, einen verklemmten Bankanlageberater (Michael „Bully“ Herbig), der aber selber von seinem Boss übers Ohr gehauen wurde. So wird er zu ihrem Komplizen.

„Bully“ ist mit seinen komödiantischen Einlagen auch der größte Star des Films. Wenn er unbeholfen versucht, seine Finanzprodukte den Bankkunden aufzuschwatzen oder die Ticketkontrolleurin auf einem Parkplatz zu bezirzen, dann scheitert er grandios witzig.

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Foto: 2016 Warner Bros. Ent.

Noch ein typischer Kniff des Genres ist, dass der Überfall nicht so glatt abläuft, wie sich die Vier ihn vorstellen. Unerwartete Wendungen geben der Komödie den Takt vor. Denkt man sich die Bank als Casino, erinnert die Geschichte entfernt an die „Ocean’s“-Trilogie – mit einer charmanten Variation: Alle Hauptfiguren sind Verlierertypen. Petersen kehrt die launigen Seiten der Antihelden hervor, ohne dass ihre freilich selbstverliebte Attitüde überhand nimmt. So kommt das Quartett oft so trocken daher wie die wortkargen Männer in der Werbung einer norddeutschen Biermarke.

Petersen macht aus der eher konventionellen Fernsehgeschichte damit das Lustigste, was das deutsche Kino seit Langem zu sehen bekommen hat. Deshalb sei „Vier gegen die Bank“ sogar Filmfans empfohlen, die einige der Darsteller eigentlich gar nicht mehr sehen mögen, weil sie scheinbar dauerpräsent sind… (Franziska Bossy, dpa)

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Foto: 2016 Warner Bros. Ent.