Montag, 26. Dezember 2016, 11:40 Uhr

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview

„Bibi & Tina“-Fans machen Luftsprünge! Nach den drei gefeierten Kinofilmen von Detlev Buck und deren mit Gold und Platin ausgezeichneten Soundtracks, gibt es die verhexten Abenteuer der besten Freundinnen nun auch als magisch-musikalisches Spektakel zum Live-Erleben.

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview
Foto: Jörn Hartmann

Pete Plate (49, früher eine Hälfte von Rosenstolz) und sein langjähriger Songwriting-Partner Ulf Leo Sommer (46) bringen ihre Hits auf die Bühne und sind gleichzeitig Produzenten der Show. klatsch-tratsch.de-Autorin Katja Schwemmers erzählte Plate im Interview, wie er auf Kinder und Rap gekommen ist, und warum er sich für sein Musical Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz mit ins Boot holte.

Herr Plate, angesichts der Deutschlandpremiere Ihres Musicals „Bibi & Tina“ fällt Weihnachten für Sie dieses Jahr wohl aus, oder?
Ein bisschen Zeit bleibt schon für Weihnachten. Die Uraufführung findet ja am zweiten Weihnachtsfeiertag in Hannover statt, wo meine Mutter und Geschwister leben. Wir haben also die Chance, gemeinsam zu feiern und am 26.12. alle zusammen zur Premiere zu gehen. Darauf freue ich mich. Und eigentlich kommt mir der Stress ganz gelegen. Meine Oma ist dieses Jahr im Alter von 95 gestorben. Sie war die Beste für mich. Seitdem sie 89 war, wollte sie sterben, und nun ist sie ganz friedlich in meinen Armen eingeschlafen. Wir haben immer zusammen das Weihnachtsfest verbracht. Insofern bin ich für die Ablenkung durch „Bibi & Tina“ ganz dankbar.

Wie groß sind die Chancen, dass Sie am Morgen des 26. noch nervös die Kinderdarsteller instruieren?
Das wollen wir mal nicht hoffen. (lacht) Nein, das wird auch nicht passieren. Wir haben mehrere Wochen geprobt, es wird schon alles klappen. Aufgeregt bin ich natürlich trotzdem.

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview
Foto: Ferran Casanova

Wie ist das für Sie, wenn Sie bei den Proben zuschauen?
Es ist für Ulf (Leo Sommer, Plates Songwriter-Partner seit Rosenstolz-Zeiten, Anm. d. Red.) und mich wie noch mal zur Schule gehen! Wir lernen so viel dabei. Bei einem Musical ist es ja technisch gar nicht möglich, dass du die Tanz-, Musik- und Schauspielproben wochenlang zusammen absolvieren lässt. Also musst du das alles genauestens organisieren. Du musst genau wissen, wie lang ist das Musikstück, damit die Tänzer dazu proben können. Wenn du Fehler machst, dich meinetwegen um zwei Takte verrechnest, wird noch getanzt, wenn die Musik schon aus ist. Du musst also richtig ordentlich und akribisch sein. Das ist eine große Herausforderung für Ulf und mich! (lacht) Zum Glück haben wir einen guten Regisseur, der uns in den Arsch tritt.

Was im Jahr 1991 mit einer Kinderhörspielserie um „Bibi Blocksberg“ begann, schaffte es 2014 in die Kinos. Hatten Sie als Kind einen Bezug dazu?
Schon. Denn ich habe eine sieben Jahre jüngere Schwester, die als Zehnjährige jeden Abend vorm Einschlafen die Hörspiele von „Bibi Blocksberg“ gehört hat. Insofern kannte ich das alles.

Wie war es dann, als Detlev Buck das Angebot an Sie herantrug, die Musik für den Kinofilm „Bibi & Tina“ zu schreiben?
Als Ulf und ich nach Berlin zogen, war das gerade die Zeit, als Detlev Buck als Regisseur berühmt wurde. Wir waren große Fans seiner Filme. Als dann die Anfrage über eine gemeinsame Freundin kam, ob wir Lust hätten, ihn zu treffen, um über ein Kinderprojekt zu sprechen, haben wir sofort ja gesagt. Wir haben ihn und sein Team dann zu mir nach Hause eingeladen, und mein Freund hat gekocht. Am Ende des Abends war klar, dass wir uns zusammen auf das Abenteuer begeben und diesen Film machen würden. Das war eine Entscheidung vom Herzen, und daraus ist eine wunderbare Zusammenarbeit mit ganz viel Spaß entstanden. Inzwischen gibt es drei „Bibi & Tina“-Filme und ab 23. Februar dann den vierten Teil. Und Ulf und ich dürfen jetzt auch noch das Musical machen. Wir waren immer schon riesige Musical-Fans. Es ist toll, nun selbst eins zu haben.

Was zeichnet die Zusammenarbeit mit Detlev Buck aus?
Was ich an ihm bewundere, ist sein Mut. Den Mut sich drauf einzulassen in einem Kinderfilm immer dann, wenn die Emotionen zu groß werden, die Kinder singen zu lassen. Das muss man auch erst mal bringen als Regisseur im coolen Deutschland. Er hat es trotzdem geschafft, dass die Bibi-Filme kein Abklatsch von amerikanischen Streifen sind, sondern etwas sehr Eigenes. Und mit ihm zusammenzuarbeiten ist deshalb so wunderbar, weil er eine Meinung hat.

Auch schon mal eine andere Meinung als Sie?
Absolut. Aber ich kann besser damit umgehen, wenn jemand sagt: „Nö, das nicht“ als „vielleicht.“ Ich schreibe dann halt ein neues Lied. Bei Buck gibt es eigentlich nichts dazwischen, es ist entweder ja oder nein – in unserem Fall sogar glücklicherweise meistens ja.

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview
Foto: Ferran Casanova

Der Song „Jungs gegen Mädchen“ aus „Bibi & Tina 3“ hat fast 18 Millionen Klicks auf YouTube. Ist das Rezept für den Erfolg, dass die Musik nicht vergleichbar ist mit Kinderliedern von vor 30 Jahren, weil in Ihren Songs beispielsweise auch gerappt wird?
Da ist wohl was dran. Als ich Kind war, gingen mir Kinderlieder immer sehr schnell auf den Geist. Irgendwie haben die mich nicht so angeturnt. Es gab damals noch diese Musikboxen, wo man 20 Pfennig reinsteckte und sich ein Lied wünschen konnte. Da habe ich mir als Kind schon immer ABBAs „Dancing Queen“ gewünscht und mit meinem Kinder-Englisch mitgesungen – dann war ich glücklich. Und das war auch der Zugang zur Musik von Ulf und mir. Wir haben gesagt: Warum machen wir nicht deutschsprachige Kinderlieder mit Pop und Rap? Das ist ja das, was die Kinder heutzutage hören wollen. Und es ist schön zu sehen, dass das funktioniert hat. 18 Millionen Klicks sind natürlich der Hammer.

Sind Kinder harte Kritiker?
Das ist ähnlich wie mit Buck. Kinder sind sehr ehrlich und wenig diplomatisch. Die sagen ja oder nein, finden etwas langweilig oder wollen ein Lied im Idealfall gleich noch einmal hören. Das macht die Arbeit aber auch wesentlich stressfreier und entspannter. Von Kindern kann man ja auch jeden Tag etwas über uns Erwachsene lernen! Ich habe glücklicherweise zwei Geschwister, die Kinder haben. Auch Ulfs Schwester hat Kinder. Und in der Familie von meinem Freund aus Wales gibt es auch einige Kinder. Das ist wunderbar. Mit Kindern hat man immer viel zu lachen.

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview
Foto: Ferran Casanova

Sind Sie durch die Arbeit an „Bibi & Tina“ auf den Geschmack gekommen, eigene Kinder zu haben?
Ich hätte gerne Kinder gehabt, aber habe mich jetzt damit abgefunden, keine mehr zu haben. Nach deutschem Adoptionsrecht bin ich mit 49 und mein Freund mit 41 zu alt. Es ist also so wie es ist.

Für die Story und Dialoge des Musicals haben Sie sich Micky Beisenherz als Schreiber mit ins Boot geholt. Sorgt er für den „Dschungelcamp“-Humor?
Ich gucke recht wenig Fernsehen. Aber eine meiner Lieblingssendungen, die ich immer anschaue, ist die „Heute-Show“ im ZDF. Darüber kann ich mich wegschmeißen. Als ich hörte, dass Micky Beisenherz auch dort mitschreibt, habe ich sofort ein Treffen vorgeschlagen. Wir haben ein paar Tage zusammen verbracht, viel gelacht und nebenbei gearbeitet. Es war herrlich!

Haben Sie auch pädagogisch Wertvolles in die Story eingebunden? Oder gar etwas, was die momentane Situation auf der Welt erklärt?
Letzteres hat auf eine sehr angenehme Art und Weise Detlev Buck mit „Bibi & Tina 4 – Tohuwabohu total!“ gemacht, der im Februar in die Kinos kommt. Ich glaube, das wird wirklich überraschen. In unserer Show passiert Pädagogisches eher auf kleinerer Ebene, denn es heißt ja nicht umsonst „Die große Show“. Bibi ist vom Charakter her eine kleine Hexe, die auch hexen kann – aber natürlich soll sie nicht hexen. Sie möchte aber immer gewinnen – wie viele von uns. Aber Bibi muss erkennen, dass Gewinnen nicht alles ist. Sie lässt sich gehen, hat ganz viel Spaß auf ihrem Weg und vergisst ihr ehrgeiziges Ziel. Für die Kinder ist es aber trotzdem ein großer Wettbewerb. Für sie wird es schön sein, dass gewisse Charaktere aus dem Film – wie Kakmann und Sophia – auch im Musical auftauchen. Beim Schreiben der Geschichte haben Ulf und mir neben Beisenherz auch die Leute von „Kiddinx“ geholfen. Denn die Hexsprüche von Bibi müssen natürlich stimmen.

Peter Plate zum Tourstart von "Bibi & Tina": Das Interview
Foto: Semmel Concerts

Zaubern geht gar nicht – es muss für Bibi schon Hexen sein, richtig?
Auf alle Fälle. Das erste Lied, was wir geschrieben haben, nannten wir „Du kannst zaubern“. Damit hätten wir uns schon fast disqualifiziert. (lacht) Die Leute von „Kiddinx“ haben uns das dann sehr vorsichtig beigebracht, dass wir am Thema vorbei geschrieben haben.

Würden Sie den Ansatz, dass es nicht nur ums Gewinnen geht, sondern mehr noch um Freundschaft und ums Dabeisein auch auf Ihre Musikkarriere anwenden wollen?
Im Endeffekt schon. Wenn ich über etwas stolpere, ist es meist mein eigener Ehrgeiz. Dann wache ich morgens auf und frage mich: „Mann, Plate, warum bist du denn eigentlich immer so ehrgeizig?“ Das sind dann eher die anstrengenden Momente. Aber das ist das Schöne am Älterwerden: Ich habe momentan bei weitem mehr Spaß als früher.

Liegt das an Ihrer Erfolgssträhne?
Ulf und ich freuen uns natürlich über die Glückssträhne. Das Album „Muttersprache“ mit Sarah Connor aufzunehmen, hat schon so viel Spaß gemacht. Und jetzt noch die Sache mit „Bibi & Tina“. Aber ich habe ja auch meine Nachwuchskünstlerin Maxine (Kazis, Anm. d. Red.), die mir sehr am Herzen liegt. Das ist ein Aufbauthema, das geht nicht von heute auf morgen. Aber damit identifiziere ich mich sehr, und das erdet mich auch. Irgendein kluger Produzent hat mal gesagt, dass man eigentlich ständig mehr Flops als Erfolge hat – aber über die Flops keiner redet. (lacht)

Fühlen sich diese Erfolge anders an als die mit Rosenstolz, wo Sie selbst auf der Bühne standen?
Ja. Natürlich waren die Jahre zwischen 20 und 40 auch super, die möchte ich nicht missen. Aber es wäre auch ein bisschen albern, wenn ich jetzt, zwischen 40 und 60, versuchen würde, diese Jahre zu wiederholen. Insofern ist es ganz toll, dass es zwar immer noch aufregend ist, aber weniger aufgeregt. Dass der Bühnenstress wegfällt, macht für mich vieles angenehmer. Ich finde Fernsehauftritte dosiert echt schön; ich liebe es, ab und zu im Scheinwerferlicht zu sein. Aber wenn es zu viel ist, tut das meinen Nerven nicht gut. Auf die große Bühne muss ich im Moment jedenfalls überhaupt nicht zurück.

Also sind Sie einfach zufrieden und angekommen?
Wenn ich das sagen würde, wäre das glatt gelogen! (lacht) Ulf und ich sind im Kopf schon beim nächsten Projekt. Wir wollen gerne „Romeo und Julia“ machen – das ist meine absolute Lieblingsgeschichte. Wir haben das schon mal in Kiel auf die Bühne gebracht und auch schon einen tollen Mitstreiter gefunden, der an uns glaubt. Das zu realisieren, wäre ein großer Traum von uns.

Sie feiern im Juli 2017 Ihren 50. Geburtstag. Wie fällt Ihre Lebensbilanz aus?
Das Schöne ist, dass ich schon länger glücklich verliebt bin, und derzeit alles so gut läuft. Ich denke zwar: Mist, jetzt werde ich 50! Aber ich habe einfach auch keine Zeit für eine Midlife-Krise. Insofern werde ich meinen Ehrentag richtig groß feiern und schmeiß eine Riesenparty. Eigentlich ist es ja auch toll, 50 werden zu dürfen.

Und nach Ihrem Burnout Ende 2012 passen Sie auch auf, dass Sie sich nicht wieder übernehmen?
Ich passe total auf mich auf, und es wird auf mich auch aufgepasst: von meinem Freund, von Ulf und vor allem von dem Spaß, den die Arbeit uns macht. Das gibt ganz viel Energie.

„Bibi & Tina – Die große Show“ gastiert vom 26.12 bis 21.1. in Hannover, Hamburg, Kiel, Berlin, Erfurt, Braunschweig, Köln, Trier, Bremen, Berlin, Leipzig, München, Nürnberg, Mannheim, Frankfurt, Oberhausen und Stuttgart.