Freitag, 30. Dezember 2016, 22:54 Uhr

"Dinner for One": Alles über das 18-minütige Besäufnis

„Same procedure as every year“: Silvester ohne „Dinner for One“ ist für viele wie ein Jahreswechsel ohne Bleigießen, Sekt und Feuerwerk. Dieser Silvester-Sketch ist beliebter als die Neujahrsansprache – seit 1963 lacht Deutschland über „Dinner for One“. Hier haben wir ein paar Geschichten zusammengetragen, die nicht unbedingt jeder kennt!

"Dinner for One": Alles über das 18-minütige Besäufnis
Foto: NDR/Annemarie Aldag

– Freddie Frinton, der als überhöflicher Butler James die aufgeräumte Miss Sophie bedient, begann seine Karriere als Arbeiter in einer Fischfabrik. Dort lenkte er Kollegen mit Parodien von der monotonen Arbeit ab. Daher wurde er als Fabrikarbeiter dann auch gefeuert.

– Wenige Jahre nach dem heiteren „Dinner for One“ hat „Miss Sophie“ May Warden eine Rolle in einem der brutalsten und düstersten Filme der 70er Jahre übernommen: In Stanley Kubricks Meisterwerk „Uhrwerk Orange“ (1971) ist sie als eine Obdachlose zu sehen – ohne Text.

– Nicht nur die Bundesbürger pflegen die Tradition, „Dinner for One“ am letzten Tag des Jahres zu sehen. Auch Sender in Schweden, Dänemark, Estland, Australien, Luxemburg, Belgien, Österreich und der Schweiz zeigen den Sketch zu Silvester. In der britischen Heimat von Freddie Frinton und May Warden ist das Stück dagegen nicht geläufig.

"Dinner for One": Alles über das 18-minütige Besäufnis
Foto: NDR/Annemarie Aldag

– Angeblich aus einer Abneigung gegen Deutschland – die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg waren nach 20 Jahren noch recht frisch – soll Frinton sich geweigert haben, auf Deutsch zu sprechen.

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– Der Exportschlager „Dinner for One“ wurde nirgends synchronisiert. Allerdings hat man das Stück mehrfach in Mundart nachgespielt, unter anderem auf Plattdeutsch.

– Bei der Aufzeichnung 1963 in Hamburg lachte NDR-Telefonistin Sonja Göth am lautesten. Man hört sie buchstäblich im Publikum heraus. „Der Aufnahmeleiter kam irgendwann zu mir her und hat den Finger auf die Lippen gelegt“, sagte sie einmal der „Frankfurter Allgemeinen“. „Das hieß: Wenn ich nicht aufhöre, muss ich raus. Selbst Freddie Frinton fühlte sich wohl gestört. So hat man mir das nachher zumindest gesagt.“ Stolz sei sie nicht darauf. „Mir ist das eher peinlich.“

– Bereits 1988 wurde die Sendung im Guinness-Buch der Rekorde als „weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion“ aufgeführt.

Sendetermine:
Am Nachmittag des 31. Dezember um 15.25 Uhr läuft zunächst die in schwarz-weiß gedrehte Originalfassung beim NDR. Um 17.40 Uhr ist das 18 Minuten-Stück (voller Titel: „Dinner for One oder Der 90. Geburtstag“) in einer nachträglich kolorierten Version zu sehen. Um 19.40 Uhr und um 23.35 Uhr prostet Butler James der Jubilarin erneut in schwarz-weiß zu – wie immer in Vertretung der verstorbenen Freunde von Miss Sophie: Mr. Winterbottom, Mr. Pommeroy, Admiral von Schneider und Sir Toby.

Der WDR hat die Sendung um 18.00 Uhr im Programm. Der SWR zeigt den Evergreen um 18.05 Uhr (in der kürzeren Schweizer Fassung), um 19.25 Uhr, dann um 21.55 Uhr (wieder Schweizer Fassung) und um 23.50 Uhr (ebenfalls Schweizer Fassung). Beim RBB wird um 18.07 Uhr zum Dinner geläutet. Im MDR ist der Sketch um 19.00 Uhr zu sehen. Im HR tischt James seiner verehrten Miss Sophie um 19.10 Uhr auf. Der BR sendet um 18.55 Uhr und um 0.35 Uhr am ersten Tag des neuen Jahres. Das Erste strahlt ebenfalls am Abend um 18.55 Uhr und am frühen Neujahrsmorgen um 0.30 Uhr aus. (dpa/KT)

"Dinner for One": Alles über das 18-minütige Besäufnis
Foto: NDR/Annemarie Aldag