Dienstag, 03. Januar 2017, 20:55 Uhr

Filmkritik "Plötzlich Papa" mit Omar Sy: Unglaubwürdige Schmonzette

Samuel, „Sam“ (Omar Sy, „Ziemlich beste Freunde“) ist ein Schlawiner. Er wohnt in dem Film „Plötzlich Papa“ am Meer in Südfrankreich, arbeitet als Skipper, kurvt Touristen im Rennboot herum und lässt keine Gelegenheit aus, diese routinemässig abzuschleppen.

Filmkritik "Plötzlich Papa" mit Omar Sy: Unglaubwürdige Schmonzette
Foto: Tobis

Sam ist oberflächlich, er hat das Angeben im Blut, aber man sieht auch sofort, dass er sehr gutherzig ist. Nach einer feucht-fröhlichen Nacht auf dem Angeberboot taucht eine Frau mit Baby am Steg auf – ein ehemaliger One Night Stand, Kristin (Clémence Poésy, „Harry Potter und der Feurkelch“). Sie stellt Sam seine Tochter Gloria vor, ganze drei Monate ist sie schon.

Wie Sam dann reagiert, lässt darauf schließen, dass es bisher nicht wusste, wie Kinder entstehen. Es kommt, wie der Filmtitel subtil suggeriert: die Mutter geht, das Baby bleibt. So plötzlich geht also Papasein.

Was dann passiert ist ein Hochglanzbilderbogen. Sam reist Kristin bis nach London hinterher, aber er findet die Mutter nicht wieder, bleibt aber in der Stadt und stellt sich der Herausforderung. Im Zeitraffer wächst das Kind in England heran, die nächsten acht Jahre werden ausschließlich im Karussell, auf der Rutsche und durchgängig steppend und singend verbracht. Es wird permanent laut gelacht.

Selbstverständlich trifft der Franzose in London permanent auf fließend französich sprechende Menschen, die umstandslos hilfsbereit sind und ein Herz aus Gold haben! Komplett bonbonfarben ist die Papa-Tochter-Welt, der tollste Vater von allen kann auch schwuppdiwupp vom Skipper auf tolldreister Stuntman umschwenken. Finanzielle Sorgen? Puh, was soll das denn – sowas gibt es niemals.

Filmkritik "Plötzlich Papa" mit Omar Sy: Unglaubwürdige Schmonzette
Foto: Tobis

Die gute Fee in „Plötzlich Papa“ ist der übergewichtige und sehr charmante Filmproduzent/Stuntmanbraucher Bernie (Antoine Bertrand). Sam und Glorie leben in einer Art Villa Kunterbunt wie Pippi Langstrumpf, nur in stylish, aufgeräumt und sauber. Der Alltag der beiden ist ein permanent wechselder Thementag. Vater und Tocher rauschen durchs Leben wie in einem Heile-Welt-Bilderbuch; wenn nur Glorias Sehnsucht nach der Mutter nicht wäre. Regisseur Hugo Gélin versucht in „Plötzlich Papa“ eine Komödie Plus hinzukriegen. Plus lustige Tiefgründigkeit mit der Fallhöhe einer Tragödie, die leider nicht in die bonbonfarbene Welt passen will.

Filmkritik "Plötzlich Papa" mit Omar Sy: Unglaubwürdige Schmonzette
Foto: Tobis

Mit der Haltung, dass die Welt aus Tagen auf dem Rummelplatz mit Zuckerwatte in der Hand, besteht, wird einfach kein Drama, weil die Figuren keine Tiefe kriegen. Kristin, die Rabenmutter, hat es dabei am Schwersten. Als sie auftaucht und ihr Kind zurückfordert, liefert das Drehbuch keine einzige Erklärung. Alles bleibt im Unbestimmten und so rutscht „Plötzlich Papa“ endgültig in die Liga der Vorabend-Schmonzette voller Behauptungen und Unglaubwürdigkeiten.

Fazit: Wer wahlweise auf Omar Sy steht oder auf überlanges Melodram (118 Min.) in quietschbunt, der ist in „Plötzlich Papa“ genau richtig. Kinostart ist am Donnerstag.

Filmkritik "Plötzlich Papa" mit Omar Sy: Unglaubwürdige Schmonzette
Foto: Tobis