Dienstag, 03. Januar 2017, 9:35 Uhr

Hollywood-Export Antje Traue: "Entscheiden fällt mir heute noch schwer"

In Hollywood ist Antje Traue (35, ‚Vier gegen die Bank‘) schon seit Jahren fast wie ein Star. Bei uns noch eine Neuentdeckung, die gleich mit drei deutschen Filmen in die Kinos kommt.

Hollywood-Export Antje Traue: "Entscheiden fällt mir heute noch schwer"
Foto: Ralf Succo/WENN.com

Dass viele Optionen nicht immer ein Segen sind, weiß die Schauspielerin, die in der DDR und Westdeutschland aufgewachsen ist. „Zu viele Möglichkeiten können auch schwierig sein“, sagt Antje Traue im Interview mit der Illustrierten ‚Emotion‘. Im Alter von acht Jahren zog sie nach dem Mauerfall mit ihrer Mutter und der zwei Jahre jüngeren Schwester nach Süddeutschland. „München war für uns wie eine Wundertüte. Dieser Überfluss, diese Möglichkeiten! Ein unfassbarer Luxus“, sagt die 35-Jährige, die im sächsischen Mittweida geboren wurde.

Diese Erfahrung zweier politischer Systeme fasst die Darstellerin so zusammen: „In einem diktatorischen System trifft man wenig Entscheidungen selbst – der Staat trifft sie für einen. Man hat keine Wahl und lernt dadurch auch nicht zu wählen. Ich habe schnell festgestellt, dass die Freiheit überfordernd sein kann“, weiß Antje Traue, die als Widersacherin von Superman in „Man of Steel“ 2013 ihren internationalen Durchbruch feierte. Sie musste Entscheiden erst lernen: „Das fällt mir manchmal heute noch schwer.“

Hollywood-Export Antje Traue: "Entscheiden fällt mir heute noch schwer"
Antje Traue in ‚Kundschafter des Friedens‘. Foto: Stephanie Kulbach / Majestic

Nicht nur diese Erfahrung hat den Hollywood-Export geprägt – auch der frühe Unfalltod der Mutter. Da war sie gerade 18. „Um diese Traurigkeit zu überwinden, entwickelte ich eine gewisse Härte. Tatsächlich habe ich das später immer wieder auch nutzen können. Es mag komisch klingen, aber in vielen künstlerischen Momenten wurde dieses Erlebnis zur Kraftquelle“, erzählt die Wahl-Berlinerin in dem Interview und sagt, sie habe ihre Rolle in dem britischen Sci-Fi-Thriller „Pandorum“ auch ihrer Härte und Traurigkeit zu verdanken. „Meine Rolle war wie ein Abbild meiner damaligen Lebenssituation“ – der Regisseur suchte eine Hauptdarstellerin, „die ums nackte Überleben kämpft“.

Als nächstes ist Traue ab 26. Januar in der Agentenkomödie ‚Kundschafter des Friedens‚ zu sehen. 2017 wird sie Sam Garbarskis Kinofilm ‚Auf Wiedersehen Deutschland‘ zu sehen sein, in dem sie an der Seite von Moritz Bleibtreu die weibliche Hauptrolle spielt.