Donnerstag, 05. Januar 2017, 22:19 Uhr

Dschungelcamp: Was passiert wirklich hinter diesem Tor?

Am Freitag kommender Woche geht ‚Ich bin ein Star – Holt mich hier raus‚ wieder auf Sendung. Dann sehen die Zuschauer, wie sich dieses Jahr zum Beispiel Gina-Lisa (30), Kader Loth (43) oder eben Marc Terenzi (38, alle offiziell noch unbestätigt) zusammen im Pritschenlager auf die Nerven gehen.

Dschungelcamp: Was passiert wirklich hinter diesem Tor?
Der Eingang zur Location im australischen Urwald in Northern New South Wales. Foto: dpa/Paul Riley

Aber, wie sieht „der gefährlichste Dschungel der Welt“ hinter den Kulissen aus? Nun, das Camp befindet sich in Dungay Creek –  genau an der Grenze der zwei australischen Bundesstaaten South Wales und Queensland und lächerliche 50 Kilometer von der Ostküste entfernt. Der Hinweis „fernab von der Zivilisation“ ist etwas überzogen, wenn man bedenkt, dass die nächste Kleinstadt Murwillumbah mit dem Auto zehn Minuten entfernt ist, und es dort sogar einen Aldi gibt…

Und auch die nächste Landstraße in Richtung soll nur knapp 300 Meter Luftlinie vom Camp entfernt sein, denn ehemalige Kandidaten erzählten mehrfach hinter mehr oder weniger hervorgehaltener Hand, dass es nachts schwer sei einzuschlafen, weil die man die Autos von dort höre. Ist dass der Grund, dass man immer dieser nervige Grillen-Gezirpe einspielt?

Dschungelcamp: Was passiert wirklich hinter diesem Tor?
Noch herrscht Ruhe im Dschungel. Doch das wird sich bald schlagartig ändern. Foto: RTL/Stefan Menne

Das Gelände, auf dem die Show gedreht wird, ist ein Privatgrundstück und wie Paul Waters von der Handelskammer Murwillumbah laut tz.de erzählte „eine einfache Farm. Sie haben da ein riesiges Camp eingebaut mit Stromzufuhr und Hubschrauberlandeplätzen. Überall in den Bäumen hängen Kameras und Nebelmaschinen und zum Teil auch Planen für den Regen- und Sonnenschutz.“

Die Farm, die mit reichlich Farn geschmückt ist, gehört dem Privatier Craig Parker, der diese für die Versionen der verschiedenen Länder vermietet. Hier drehen aber nur noch die Briten (im Dezember) und nach ihnen die Deutschen. Die USA haben nach 2003 wieder aufgegeben, sind nach Costa Rica umgezogen. Über den Besitzer selber ist nicht viel bekannt außer, dass er dieses Jahr beinahe die Verträge mit den Produktionsfirmen gekündigt hätte. Offensichtlich ist es dazu aber nicht gekommen und wahrscheinlich wurde die Meinungsverschiedenheit mit höheren Mietsummen beigelegt.

Kohle hin, Kohle her: Die Investition lohnt. Das Dschungel-Camp ist und bleibt die erfolgreichste Show im deutschen Fernsehen und allein die Produktion soll RTL nach diversen Berichten etwa zwischen 20 und 30 Millionen Euro pro Staffel kosten. Ein neuer Bericht von ‚Focus‘ listet „Vor-Ort-Kosten“ von nur 1,7 Millionen Euro im Jahr 2013 auf: „Der größte Kostenpunkt: Gehälter der damals 235 Produktionsangestellten (rund 1,52 Millionen Euro)“.

Aber wie kommen so hohe Kosten zusammen? Allein vor Ort sollen auf dem einen Quadratkilometer kleinen, völlig abgeschotteten Gelände zwischen 200 und 300 Mitarbeitern tätig sein (andere Quellen reden neuerdings gar von 400), die in jeweils drei Schichten ackern und das Material sichten, schneiden und für die Sendung textlich aufbereiten müssen: Techniker, Kameramänner, Gärtner, Tonmeister, Catering, Redakteure, die den Akteuren im Pritschenlager auch immer mal wieder Handlungsanweisungen geben – das alles ist kein kleiner logistischer Aufwand. Doch mit Werbung holt RTL die Ausgaben wieder rein. Ein 30 sekündiger Spot soll zwischen 60.000 und 88.000 Euro kosten.

Dschungelcamp: Was passiert wirklich hinter diesem Tor?
Gewohnt bissig präsentiert das Moderatorenduo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich das Dschungelcamp täglich live aus dem australischen Urwald. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Auf Luftaufnahmen kann man erahnen, dass die Crew nur wenige 100 Meter von den Promi-Campern entfernt untergebracht ist. Und natürlich sehen sich Camper und Crew häufiger als der Zuschauer glaubt. Der einstige Dschungel-König Joey Heindle (23) sagte nach seinem Sieg beispielsweise zu ‚Promiflash‘: „Man hört ja 24 Stunden, wie die Kameramänner da hinten ihre Disks wechseln. Und der eine isst dann mal ein paar Chips, der andere fängt dann an, mit seiner Frau zu telefonieren.“

Von Redakteuren gäbe es über Lautsprecher Anweisungen für die eine oder andere Aktion, wie man es halt schon von ‚Promi Big Brother kennt. Das hatte Costa Cordalis, erster Dschungelkönig, im Gespräch mit Ex-Late-Night-Talker Jürgen Domian schon vor einem Jahr verraten (siehe Video unten!): „An einer Wand steht minutiös, welches Zitat wer an welchem Tag sagen soll. Und du weißt schon im Vorhinein, wer an diesem Tag gewinnt (…) Du kriegst Befehle. Alle fünf Minuten kommt: mach das oder mach das!“

Wäre auch unvorstellbar, wenn die Redaktion die Dramaturgie auch nicht anschieben und begleiten würde, dann würden die Campbewohner wohl nur auf ihrer faulen Haut herumliegen.

Und was ist mit den wilden Tieren, die das Areal täglich zum „gefährlichsten Dschungel der Welt“ machen? Die gibt es nur in der Theorie. Ein Sprecher von RTL verriet schon vor zwei Jahren: „Vor dem Start gehen Mitarbeiter durch das Camp und holen Schlangen und giftige Tiere heraus.“ Und auch während der Staffel sorgen die knapp 40 bewaffneten Sicherheitsmitarbeiter zusammen mit ihren Hunden dafür, dass weder wildes Getier oder wild gewordene Schaulustige den Bewohnern im Pritschenlager zu nahe kommen.

Sogar der Camp-Teich und der Wasserfall sind künstlich angelegt. Schon das Format „Frontal 21“ fand heraus, dass das Wasser aus einem umgeleiteten Bach kommt und der Wasserfall aus ästhetischen Gründen gebaut wurde. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man sogar eine Plastikfolie am Ufer des mit reichlich Farnen verzierten Teiches erkennen.

Und was ist mit den Insekten in den Dschungel-Prüfungen? Die meisten von denen sind nicht aus der Wildnis herausgekratzt, sondern extra im Labor keimfrei gezüchtet worden. Wie die „Super Illu“ berichtete, werden die Schlangen und Echsen beispielsweise mit Eis „runtergekühlt“, sodass ihr Gift im schlimmsten Fall nur zu verzögerten, ungefährlichen Reaktionen führen kann. Ist ja irgendwie auch klar, der Sender hat schließlich eine Verantwortung für Leib und Wohl seiner Protagonisten.

Offiziell bestätigt von all denen Dingen ist nichts. RTL denkt gar nicht daran sich hier in die Karten gucken zu lassen, dann wäre es ja längst vorbei mit dem Zauber. Merke: Die Illusion ist wichtig! Sonst ginge ja unser Kino im Kopf flöten… (LK)