Sonntag, 08. Januar 2017, 16:10 Uhr

Shirley Bassey: Die letzte große Diva wird heute 80

Shirley Bassey hat sich aus tiefster Armut in die Paläste hochgearbeitet: Die britische Sängerin Shirley Bassey wird 80. Mit ihren Bond-Titelsongs schoss sie in den Legendenhimmel: „Diamonds Are Forever“, „Goldfinger“ und „Moonraker“.

Shirley Bassey: Die letzte große Diva wird heute 80
Foto: WENN.com

Mit mächtiger, goldener Stimme und ausladenden, verlockenden Gesten flirtet sie seit 60 Jahren mit ihrem Publikum. Glanz, Magie, Pailletten und Federboas – ihre Bühnenroben inspirieren Songs wie „Big Spender“, Traumgebilde, die von den Sehnsüchten der jungen Shirley Bassey erzählen. „Ja, meine Show war sexy und mein Kleid hatte Schlitze bis hier, aber ich überließ viel der Fantasie. Ich habe nie alles gezeigt“, sagte sie der „Daily Mail“. Das erste Kleid, das ihr auf den Körper geschneidert wurde, ist mit 150 000 Kristallen besetzt und heute in einem Wiener Museum ausgestellt.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde, und dann auch noch eine Dame werde“, verriet Bassey der BBC an Weihnachten in einer Sondersendung anlässlich ihres Jubiläums. Heute (8. Januar) feiert sie in Mexiko ihren 80. Geburtstag mit ihrer Familie. Natürlich behauptet sie, dass sie keine Diva sei. Aber wer sonst würde in pinkfarbenem Abendkleid und Gummistiefeln mit DSB in Strass – für Dame Shirley Bassey – über einen roten Teppich auf die Bühne des riesigen Schlamm-Festivals Glastonburys schreiten? Ihre Vorliebe für rosa Champagner und der Hit „I Am What I Am“ etablierten sie in den 80ern endgültig als Schwulenikone.

Geboren wird Shirley Vanessa 1937 in der walisischen Hafenstadt Cardiff als jüngstes von sieben Kindern. Ihr nigerianischer Vater arbeitet als Heizer auf einem Schiff und verlässt die Familie, als Shirley zwei Jahre alt ist. Die Familie lebt im Elendsviertel am Hafen; die Kinder schlafen zu dritt in einem Bett. Statt zu weinen singt die junge Shirley lieber, zum Missfallen ihrer Geschwister: „Es ging ihnen einfach auf die Nerven“, erzählte sie dem „Guardian“. „Ich denke, sie waren froh als ich endlich weg war.“

Bassey verlässt die Schule mit 14 und verpackt Geschirr bis sie einen besseren Job in einer Wurstfabrik findet. Abends singt sie in Hafenkneipen. Für ihren ersten Auftritt musste sie sich ihr Outfit zusammenleihen, einen Rock aus Netz und ein Unterkleid als Top, erzählte sie der BBC. „Ich sang eine hohe Note am Ende, der Gürtel löste sich, der Rock fing an zu rutschen, ich hielte ihn fest und rannte von der Bühne.“ Nächstes Mal, sagt der Manager ihr, lass den Rock fallen!

Shirley Bassey: Die letzte große Diva wird heute 80
Foto: Lia Toby/WENN.com

Als sie mit 17 eine Tochter bekommt, zieht ihre Schwester sie auf, während Bassey weiter durch Varietébühnen tingelt. Sie wird entdeckt, nimmt ihre erste Single „Burn My Candle“ auf; die BBC bannt den Song wegen des suggestiven Texts. Nur zehn Jahre später, 1964, singt sie den Bond-Titelsong „Goldfinger“ – inwzwischen ein internationaler Star so glamourös und unwirklich wie der Spion selbst.

Doch obwohl sie als die Maria Callas der leichten Unterhaltung gilt, ihr komödiantischer Witz und Sexappeal legendär sind, zahlt sie für ihren Bühnenerfolg mit einem unglücklichen Privatleben. „Ich war glücklich, bis Erfolg in mein Leben trat, und dann ging alles bergab. Erfolg verwöhnte mich. Er nahm mir mein Glück. Mein Erfolg wurde ein Hindernis für meine Familie. Sie konnten das nicht nachvollziehen, und ich konnte sie nicht verstehen“, sagte sie dem „Telegraph“.

Ihr erster Ehemann ist Filmproduzent Kenneth Hume, der ihre Karriere managt. 1963 wird Shirley mit ihrer zweiten Tochter schwanger – zum Erstaunen vieler Klatschreporter, denn Hume gilt als homosexuell. Er wiederum wirft ihr vor, mit dem verheirateten Filmstar Peter Finch eine Affäre zu haben. Auf einer Tournee in Italien lernt sie den gutaussehenden Hotelmanager Sergio Novak kennen; sie heiraten und ziehen aus Steuergründen in die Schweiz. Legendär ihr Ausspruch, als er erwartet, dass sie Pasta macht: „Baby, ich singe für mein Abendessen, ich muss es verdammt noch mal nicht auch noch kochen.“ Nach dreizehn Jahren folgt eine erbitterte Scheidung.

Ihre Töchter hassen es, wenn sie tourt, gestand sie der „Daily Mail“. „Ich bin eine Zigeunerin. Ich liebe es zu reisen. Wenn der Koffer herauskommt, strömt das Adrenalin.“ Ihre jüngere Tochter Samantha verschwindet 1985 nach einem Kneipenbesuch und wird neun Tage später tot im Fluss Avon gefunden. Bassey sagt ihre Tournee ab. „Ich wollte nie wieder singen. Kinder sollten ihre Eltern begraben, nicht umgekehrt“, sagte sie dem „Guardian“.

Heute lebt sie alleine in Monaco, kann ihre Freunde an einer Hand abzählen. Fragen zu ihrem Privatleben beantwortet sie nicht mehr. „Man weiß nicht, wer wirklich ein Freund ist, weil Erfolg Leute wie ein Magnet anzieht“, sagte sie dem „Guardian“. „Man wird misstrauisch und zieht sich zurück. So wie ich. Meistens will ich einfach alleine sein.“ (Uli Hesse, dpa)