Donnerstag, 12. Januar 2017, 21:18 Uhr

Amazon-Serie "Sneaky Pete": Schwindler unter Schwindlern

Heimtücke ist eine Kunst – zumindest dann, wenn man Marius aus der neuen Amazon-Serie „Sneaky Pete“ glauben will. Mit Trickserei und falscher Identität hält er sich über Wasser. Doch wie lange, bis der Schwindel auffliegt und seine kriminelle Vergangenheit ihn einholt?

Amazon-Serie "Sneaky Pete": Schwindler unter Schwindlern
Foto: Jeff Neumann/CBS Broadcasting Inc.

Was für ein Schlitzohr. Noch zwei Tage, bevor Marius aus dem Gefängnis entlassen wird, und schon hat er einen neuen Plan ausgeheckt. Der ausgebuffte Schwindler und Kriminelle gibt sich als sein Zellengenosse Pete aus, der hinter Gittern nicht aufhören kann, von seiner unbeschwerten Kindheit auf einer Farm im Bundesstaat New York zu schwärmen. So wird Marius zu Pete und lebt von seinem ersten Tag in Freiheit in einer wildfremden Familie mit der Identität eines Mannes, dessen Vergangenheit er nur aus ein paar Erzählungen kennt.

Gleich in der Pilotfolge der neuen Serie „Sneaky Pete“, deren erste Staffel ab Freitag in den USA und Deutschland beim Streaming-Dienst Amazon abrufbar ist, beschleicht den Zuschauer das Unbehagen. Fliegt Marius alias Pete, fabelhaft gespielt von ‚Avatar‘-Star  Giovanni Ribisi, mit dem großen Schwindel auf? Wie umschifft er die Fragen der Familie, die ihn für ihren seit 20 Jahren verlorenen Sohn beziehungsweise Cousin hält? Und wie lange noch, bis Gangster Vince, dem Marius 100 000 Dollar schuldet, den frisch Entlassenen in die Finger bekommt?

Seit immerhin August 2015 stand die Pilotfolge sozusagen testweise beim Online-Streamingdienst. Dem „Hollywood Reporter“ zufolge erhielt Amazon den Zuschlag erst nach einem „Bieter-Krieg“ zwischen Kabel- und Streaming-Kanälen. In Deutschland soll die ab Freitag zunächst nur im Original verfügbare Serie von Regisseur Seth Gordon bald auch in deutscher Synchronfassung zu sehen sein.

„Sneaky Pete“ ist ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem Marius sich mit immer neuen Tricks und oft auf den letzten Drücker davor rettet, entlarvt zu werden. Mit seinem ausgezeichneten Gedächtnis, Spürsinn für die Beweggründe seines jeweiligen Gegenübers und viel Fingerfertigkeit windet Marius sich aus misslichen Lagen. Nicht nur die zunehmend skeptische Familie muss er überlisten, sondern auch Gangster Vince, dem er 100 000 Dollar schuldet und der Marius ungeschickten Bruder Eddie in seiner Gewalt hat.

Amazon-Serie "Sneaky Pete": Schwindler unter Schwindlern
Foto: Jeff Neumann/CBS Broadcasting Inc.

„Kleiner Bastard, der in unser Haus kommt und für sich beansprucht, was ihm nicht gehört“, sagt Großmutter Audrey, als sie im Stall der Farm über einen Eier stehlenden Fuchs schimpft. Sie ahnt nicht, wie sehr der Satz auch ihrem vermeintlicher Enkel gilt (Petes Eltern kamen bei einem Autounfall ums Leben). Als wäre das alles nicht genug, muss Marius bald auch einen hartgesottenen Bewährungshelfer austricksen, um nicht sofort zurück ins Gefängnis zu wandern.

Am liebsten würde er wohl abtauchen, doch jede Ausrede, jedes neue Täuschungsmanöver, schafft mehr Probleme. Und so schwindelt sich das Schlitzohr voran, stets mit der Hoffnung, den Gangster Vince endlich auszuzahlen und seinen Bruder zu befreien. „Wonach suchst Du?“, fragt Vince, der im New Yorks Chinatown einen illegalen Pokersalon betreibt, bevor er von Marius übers Ohr genauen wird. „Danach, wonach jeder tief unten in seinem Herzen sucht“, sagt Marius, „Geld.“ (Johannes Schmitt-Tegge, dpa)

Amazon-Serie "Sneaky Pete": Schwindler unter Schwindlern
Foto: Jeff Neumann/CBS Broadcasting Inc.