Donnerstag, 12. Januar 2017, 16:30 Uhr

Filmkritik "Bob, der Streuner": Eine Katze rettet ein Leben

Ein Ex-Junkie und Straßenmusiker trifft einen streunenden Kater und entwickelt sich zum Bestseller-Autor. Diese britische Komödie über einen Glückskater kommt erstaunlich unsentimental und pathosfrei daher.

Filmkritik "Bob, der Streuner": Eine Katze rettet ein Leben
Foto: Concorde Filmverleih GmbH

Diese Geschichte hätte sich kein Drehbuchautor ausdenken können. Solche völlig unwahrscheinlichen Sachen ereignen sich nur im richtigen Leben: Im Frühling 2007 entdeckt der Ex-Junkie und Straßenmusiker James Bowen in seiner Sozialwohnung in London einen Kater, der ihm von diesem Moment an nicht mehr von der Seite weicht.

James und sein Kater Bob treten gemeinsam auf, fahren zusammen Doppeldeckerbus, mausern sich schnell zu lokalen Berühmtheiten. Ein Journalist wird auf das putzige Pärchen aufmerksam, eine Verlegerin kommt dazu, James schreibt seine Geschichte auf, und landet einen Bestseller. „Bob, der Streuner“ verkauft sich allein in Großbritannien über eine Million Mal, weitere Bücher folgen, und jetzt liegt der Film vor.

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Glücklicherweise hat Bond-Regisseur Roger Spottiswoode den tierischen Verkaufsschlager (Originaltitel: „A Street Cat Named Bob“) erstaunlich pathosfrei und kurzweilig in Szene gesetzt. Seine unterhaltsame Komödie lebt von glaubwürdigen Charakteren, spart soziale Härten und Schicksale nicht aus, und kommuniziert seine menschenfreundliche, sehr aktuelle Botschaft vom Wert der Freundschaft mit Überzeugungskraft.

Niedliche Streicheleinheiten fürs Gemüt sind weitgehend Fehlanzeige – der Film ist viel weniger handzahm als es sein niedlicher deutscher Verleihtitel zunächst vermuten lässt.

Wir tauchen abrupt ein in die gnadenlose Welt der Londoner Obdachlosen. Der glücklose, heroinsüchtige Musiker James (Luke Treadaway) war lange eine der zahllosen Elendsgestalten inmitten des Reichtums der britischen Metropole, bis er in ein Methadon-Programm aufgenommen wird.

Filmkritik "Bob, der Streuner": Eine Katze rettet ein Leben
Luke Treadaway als James mit dem echten James Bowen (rechts) und Bob. Foto: Andreas
Lambis

Seine Sozialarbeiterin Val (Joanne Froggatt) vermittelt eine Wohnung, und in einer Nacht kommt der Kater Bob auf sanften Pfoten hereinspaziert. Und bleibt. Gegen einen grinsenden Kater mit grünen Augen ist man völlig machtlos – dies geht dem verdutzten Protagonisten genauso wie uns Zuschauern.

Aber der Film zeigt auch, wie hart es sein kann, von der Drogensucht loszukommen. Ein Freund von James hat weniger Glück und stirbt mit einer Nadel im Arm auf der Straße. Manchmal sind es nur Zufälle, die ein Leben in eine andere Richtung lenken. James hat viel Glück mit seiner engagierten, hartnäckigen Sozialarbeiterin, und die tolerante Nachbarin Betty (Ruta Gedmintas) kommt noch dazu. Der Katzenheld verliebt sich in die Hippiedame, und hat wieder Glück.

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Das Happy End scheint fast immer in Reichweite zu sein, aber der Film erspart uns nicht die Qualen des Drogenentzugs und den alltäglichen Kampf gegen die Mühlen der Sozialbürokratie. James muss verdammt hart arbeiten, um aus dem Schlamassel herauszukommen. Aber er hat einen richtig guten Joker: den süßen Bob auf seinen Schultern. Manchmal ist das Leben eben so sanft wie das Fell einer Katze. (Johannes von der Gathen, dpa)