Samstag, 14. Januar 2017, 14:57 Uhr

Wochenend-Kinotipp: Ryan Gosling und Emma Stone steppen durch Hollywood

In der Stadt der Engel, L.A., leben jeweils für sich zwei Träumer vor sich hin. Mia (Emma Stone, 28, „Birdman“, „Freunde mit gewissen Vorzügen“) jobbt in einer Café-Bar, lässt aber immer alles sofort stehen und liegen, wenn eine Einladung zum Casting ruft.

Wochenend-Kinotipp: Ryan Gosling und Emma Stone steppen durch Hollywood
Sebastian (Ryan Gosling). Foto: Studiocanal

Allein die Vorsprechen fruchten nichts – Mia ist zweifellos begabt, aber eben auch zerbrechlich. Der Wind in den Hollywood-Bergen wehr bekanntlich rau, das lässt Mia langsam ruppig und mürbe werden. Ganz fein zerbröselt ihre Lebenslust und die Lust am Wagnis, bei einem Casting wieder auf unsensible bis grenzdebile Leute zu treffen. Als sie von einer Party an einem Restaurant vorbeikommt, hört sie einem Klavierspiel zu, es ist so bestrickend schön, dass sie das Lokal betritt, Wurzeln schlägt und nichts weiter tun kann, als den Klavierspieler anzustarren. Ebendort sitzt der zweite Träumer aus „La La Land“ Sebastian (Ryan Gosling, 36, „Drive“, „The Place Beyond The Pines“). Er verdient eine schmale Gage mit dem Runterhämmern einer Setlist des Grauens, die der Boss (toll in jeder noch so kleinen Rolle: J.K. Simmons, 61, „Whiplash“) ihm unmissverständlich oktroyiert hat.

Mehr: Verlosung „La La Land“: Soundtrack mit zwei Golden Globes

Sebastian ist Jazzpianist, den der Boss nicht hören will. Zu sehen ist dann ein Klavierspieler, der innerlich einen Knopf drückt, dann geht ein Ruck durch den Mann und er legt los: eine kleine Meisterleistung des großartigen Minimalisten Ryan Gosling. Zum Wiehern komisch und so traurig, wie da jemand das Lied anstimmt, dessen Brot er isst. Ein wahrer Kinomoment, denn wo gibt es mehr Fakes als in Hollywood? Mia steht ebenso versteinert wie erleuchtet in diesem auf 30er-Jahre-Schick getrimmten Restaurant mit Muschebuhbuh-Beleuchtung und starrt Sebastian an. Mia und Sebastian werden ein Paar, aber nicht ist rosarot oder einfach.

Er will eine Jazzbar eröffnen und Mia will endlich bei einem Casting punkten. Aber nichts passiert, sie strampeln sich ab, kriegen aber nie das lange Ende der Wurst zu fassen.

Wochenend-Kinotipp: Ryan Gosling und Emma Stone steppen durch Hollywood
Sebastian (Ryan Gosling) und Mia (Emma Stone). Foto: Studiocanal

Wegen der üblichen Gründe (Miete, Lebensstandard) heuert Sebastian bei einer Band an, die kommerziell sehr erfolgreich ist. War er vorher glücklich mit seinem Jazz und prekärem Lebensstil, hat er jetzt Erfolg mit einer Band, die er nicht mag, Geld und Null Zeit. Die beiden schaffen es nicht, sie sehen sich viel zu selten und sind zu geschlaucht, von zeitintensiven Dingen, die alle Energie rauben. Muss das so enden? Es ist immerhin offensichtlich, dass die zwei zusammen gehören.

„La La Land“ ist eine Liebesgeschichte mit Tiefgang und Musicaleinlagen, dass die Heide wackelt. Seit den „Regenschirmen von Cherbourg“ wurde nicht mehr soviel gesungen und vor allem gesteppt!

Wochenend-Kinotipp: Ryan Gosling und Emma Stone steppen durch Hollywood
Foto: Studiocanal

Der Film ist auch kein Musical und kein erdenschwer anstrengender Beziehungsfilm; „La La land“ hat von beiden das Beste und setzt on top ein neues Genre: Regisseur Damien Chazelle („Whiplash“) verbindet Tanznummern mit Beziehungsdrama in quietschbunten Kostümen um von dem großen Thema zu erzählen: Wofür lohnt es sich zu leben?

Fazit: Verstörend hinreißend. Sowieso ein Muss für alle Ryan-Gosling-Fans. Ryan Gosling und Emma Stone haben schon mal als Paar in „Crazy Stupid Love“ überzeugt und tun es jetzt wieder. (Katrin Wessel)