Dienstag, 17. Januar 2017, 22:45 Uhr

Filmkritik: Will Smith in "Verborgene Schönheit"

Amor schießt den Liebespfeil, der Sensenmann trägt ins Grab? Wenn es nach Regisseur David Frankel geht, werden Liebe und Tod besser von Keira Knightley und Helen Mirren verkörpert. In seinem neuen Film versuchen sie, einen depressiven Will Smith aus der Trauer zu holen.

Filmkritik: Will Smith in "Verborgene Schönheit"
Foto: Warner Bros./Barry Wetcher

Wenn so abstrakte Ideen wie Liebe, Zeit und Tod eine Anschrift hätten, vielleicht am Nord- oder Südpol, was würden sie dort wohl für Post empfangen? Und was würden sie den Menschen dieser Welt antworten, wenn sie ihnen ein Besuch abstatten und mit ihnen sprechen könnten? In seinem zwischen Fantasie, Drama und romantischer Komödie wechselndem Film „Verborgene Schönheit“ hat Regisseur David Frankel dieses Konzept zum Leben erweckt. Herausgekommen ist eine gut gemeinte Mischung aus seichtem Kitsch und tiefgründiger Botschaft.

Für ernstere, gefühlsbetonte Rollen ist der einstige Bösewicht und Alien-Jäger Will Smith spätestens seit „Das Streben nach Glück“ und „Sieben Leben“ bekannt. Nun spielt er Howard, den Chef einer erfolgreichen Werbeagentur. Nach dem Tod seiner kleinen Tochter zieht er sich zurück und strampelt halb trauernd, halb wütend mit dem Fahrrad durch New York. Nur in Briefen, die er an „Liebe“, „Zeit“ und „Tod“ adressiert, versucht er, die Tragödie zu verarbeiten.

Um den einsilbigen Howard zum Wohl der Firma, aber auch um seiner selbst Willen ins Jetzt zurückzuholen, engagieren seine Kollegen ein finanziell klammes Schauspieler-Trio: Amy (Keira Knightley), Raffi (Jacob Latimore) und Brigitte (Helen Mirren) sollen als die Allegorien in Howards Alltag auftauchen und ihn dazu bewegen, seine fatalistische Weltsicht abzulegen. Trotz der teils flachen Gags regen ihre alltagsphilosophischen Dialoge mit Howard dazu an, auch über die Bedeutung und Prioritäten des eigenen Lebens nachzudenken.

„Wenn Liebe die Schöpfung ist und Tod die Zerstörung, bin ich nur das Gelände dazwischen“, sagt etwa Raffi, der Howard in der Rolle der „Zeit“ als cooler Teenager mit Skateboard auf den Versen ist. „Ich war die ganze Zeit dabei“, versichert ihm dagegen die in Rot gekleidete Claire als „Liebe“ zum Tod seiner Tochter. Auf offener Straße ruft sie ihm entgegen: „Ich bin das einzige Warum!“. Die äußerst sympathische Brigitte freut sich als „Tod“ unterdessen nicht nur über die 20 000 Dollar, die jeder der drei Darsteller pro Einsatz bekommt, sondern auch über ihre „schauspielerische Glanzleistung“.

Filmkritik: Will Smith in "Verborgene Schönheit"
Foto: Warner Bros./Barry Wetcher

Auch von Howards befreundeten Kollegen, die ihn aus seiner Misere befreien wollen, lässt sich etwas Lebensweisheit abgucken: von Whit (Edward Norton), der um die Liebe seiner Tochter kämpfen lernt, von Claire (Kate Winslet), die im biologischen Wettlauf gegen die Zeit Kinderwünsche hegt und von Simon (Michael Peña), der dem Tod ins Auge blicken und seiner Familie seine tödliche Krankheit beichten muss.

Trotz des etwas gekünstelt wirkenden Tiefgangs bekommt „Verborgene Schönheit“ so eine märchenhafte Botschaft, wonach jedes tragische Ereignis im Leben glückliche Nebeneffekte mit sich bringen kann.

Filmkritik: Will Smith in "Verborgene Schönheit"
Foto: Warner Bros./Barry Wetcher

Und für den einst als Fresh Prince rappenden Hollywood-Star Will Smith ist der Film Teil eines schauspielerischen Wandels vom großspurigen Action-Held zum eher nachdenklichen Familienvater: „Ich versuche, mutig genug zu sein, mich nicht an die Vergangenheit zu klammern und tapfer in das Unbekannte und möglicherweise nicht Akzeptierte vorzudringen“, sagte der 48-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Wer ich jetzt bin und wie ich täglich lebe, ist ein bisschen komplexer als der Fresh Prince.“
(Johannes Schmitt-Tegge, dpa)