Mittwoch, 18. Januar 2017, 22:20 Uhr

Filmkritik "Personal Shopper": Geistergeschichte mit Kristen Stewart

„Personal Shopper“ handelt von Geistern und Medien. Für den Thriller holt der Franzose Olivier Assayas erneut Kristen Stewart und Lars Eidinger vor die Kamera.

Filmkritik "Personal Shopper": Geistergeschichte mit Kristen Stewart
Foto: Carole Bethuel

Ein leer stehendes Haus, Türen fallen ins Schloss, ein Wasserhahn beginnt zu tropfen. Maureen ruft nach ihrem Zwillingsbruder, der Mitte 20 an einer Herzkrankheit gestorben ist. Sie hält sich für ein Medium und wartet auf ein Zeichen von ihm, so wie es verabredet war. Tatsächlich tauchen eines Tages auf ihrem Handy plötzlich anonyme Botschaften auf. Ist es ihr Bruder aus dem Jenseits oder ein Stalker? Immerhin scheint der Unbekannte alles über sie zu wissen: Was sie denkt und wo sie sich gerade befindet.

Mit „Personal Shopper“ hat Olivier Assayas eine eigenwillige Geistergeschichte gedreht, in der es nicht ums Gruseln geht. Er habe zeigen wollen, wie Menschen mit Trauer und dem Verlust einer Person umgehen, deren Tod sie nicht akzeptieren wollen, erklärte Assayas dann auch. Und so legt er keinen übersteigerten Wert auf Spuk und Horror. Am spannendsten wird der Film stattdessen, als sich Maureen manisch in eine SMS-Konversation mit dem Unbekannten hineinsteigert.

„Personal Shopper“ ist so eine Mischung aus Thriller und Satire, immerhin wirken die Grüße in die Schattenwelt nicht sehr überzeugend. Die in Form von Nebel und fliegenden Tassen auftauchenden Geister ziehen die Handlung streckenweise sogar eher ins Lächerliche.

Glaubhafter wirkt dafür Assayas‘ Einblick in das Seelenleben von Maureen. Die junge Amerikanerin berät in Paris Promis und Reiche in Mode-Fragen. Ihren Job kann sie allerdings nicht ausstehen, ebenso wenig wie ihre Kundin, die Top-Designerin Krya (Nora von Waldstätten). Für ihre arrogante Chefin geht sie auf ihrem Motorroller in den Luxusboutiquen der französischen Hauptstadt einkaufen oder fährt mal schnell mit dem Zug nach London zum Shoppen.

Filmkritik "Personal Shopper": Geistergeschichte mit Kristen Stewart
Foto: Carole Bethuel

Doch ihre Arbeit ist nur Mittel zum Zweck: Sie verdient sich damit ihren Aufenthalt in Frankreich, wo ihr Bruder gestorben ist und wo sie nun darauf wartet, mit ihm in Kontakt zu treten. Maureen hat durch den Verlust des Zwillingsbruders schließlich ihre andere Hälfte verloren und steckt in einer Identitätskrise. Dazu gehört auch, dass sie den Glamour und Glimmer der Modewelt hasst, heimlich jedoch die Luxusgarderobe ihrer Chefin anprobiert.

Die Suche nach Identität ist auch ein Thema, das sich in Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ wiederfindet. Das Drama war vor einigen Jahren die erste Zusammenarbeit des französischen Regisseurs mit Kristen Stewart und Lars Eidinger. Der Deutsche Eidinger spielt in „Personal Shopper“ nun einen Journalisten und den Liebhaber der Top-Designerin.

Filmkritik "Personal Shopper": Geistergeschichte mit Kristen Stewart
Foto: Weltkino Filmverleih

Vor allem aber trägt die 26-jährige Stewart den Film „Personal Shopper“ mit ihrem Spiel: Der einstige „Twilight“-Star verkörpert die Seelennötige und Zerrissenheit ihrer Figur zwischen Sein und Schein überzeugend. (Sabine Glaubitz, dpa)