Freitag, 20. Januar 2017, 20:56 Uhr

TV-Promis Pro & Contra (20): Sonja Zietlow & Daniel Hartwich

Neues aus unserer losen Serie über deutsche Fernsehgesichter! Sonja Zietlow und Daniel Hartwich stehen heute Abend um 22:15 Uhr für RTL vor der Kamera, um in „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ das heitere Penisfressen und Schlangenbändigen im australischen Dschungel zu präsentieren.

TV-Promis Pro & Contra (20): Sonja Zietlow & Daniel Hartwich
Foto: RTL/Stefan Menne

Wer wird heute vor dem exotischen Getier, das schmackhaft angerichtet auf dem Teller liegt oder ungeniert im Dekolleté sein Unwesen treibt, kapitulieren?

Sonja Zietlow wird 1968 in Bonn geboren. Über Abitur und Flieger-Cockpit geht es in die TV-Sendung „Herz ist Trumpf“, wo sie für das Fernsehen entdeckt wird. Ihre ersten Engagements sind die Kinder- und Jugendformate „Bim Bam Bino“ und „Hugo“. Bekannt wird sie durch den Dailytalk „Sonja“, der auf Sat.1 die Sorgen von jungen Müttern und geltungssüchtigen Machos verhandelt. Derzeit moderiert sie neben dem Dschungelcamp „Die 10 …“ auf RTL.

TV-Promis Pro & Contra (20): Sonja Zietlow & Daniel Hartwich
Foto: RTL

Daniel Hartwich, übrigens nicht der Sohn von Ex-Dschungelcamp-Bewohner Jimmy Hartwig, erblickt 1978 in Frankfurt am Main das Licht der Welt. Nach seinem Studium der Germanistik und Politikwissenschaften und einer Station beim Radio zieht es ihn ins Fernsehen, erst zum ZDF („TKKG – der Club der Detektive“), dann zu VOX („Achtung! Hartwich“) und schließlich zu RTL, wo er seit einigen Jahren zu den Stammkräften gehört.

Im Dschungelcamp verkörpern Zietlow und Hartwich eine Mischung aus synchronisierter Alarmanlage („Ich bin ein Star, holt mich hier raaaaauuus!“) und eigenwilligem Interpretationsgespann. In ihrem Freiluft-Bühnenstück kommentieren sie mal zynisch, mal gleichgültig, mal überdreht die Inhalte, die das Autorenteam zu verfassen pflegt. Während Zietlow die taffe Wortführerin gibt, mimt Hartwich die Rolle des Neunmalklugen, der sich durch Wortbetonung und Gestik deutlich über die Kandidaten erhebt. Im Umfeld eines privaten Senders fällt es auch nicht schwer, eine solche Richtung einzuschlagen – denn die Dauerschleifen-Kritik an den Promis erleichtert es dem gemeinen Zuschauer beträchtlich, sich im Vergleich zu „denen da unten“ wie ein König zu fühlen.

TV-Promis Pro & Contra (20): Sonja Zietlow & Daniel Hartwich
Foto: RTL/Stefan Menne

Kesse Sprüche über Arbeitslosigkeit und Geldsorgen, körperliche und psychische Unzulänglichkeiten, die vom Silbertablett gegriffen werden, um daraus ein mediales Potpourri zu schnüren. Auf eine Art ist das natürlich lustig – besonders wenn das Vorgetragene mit Wortwitz aufwartet und mit einem Schuss Intelligenz unterfüttert ist. Auf der anderen Seite ist das, was im Fernsehen gezeigt wird, auch immer eine Orientierung für das, was sich die Mitglieder unserer Gesellschaft zu handeln trauen und was sie für die „Norm“ halten. Nicht jeder ist reflektiert genug, um das Geschehen im Dschungel mit der nötigen Distanz zu betrachten. So trägt die Show sicherlich zu dem Trend bei, ganz gezielt auf den scheinbaren Schwächen und Auffälligkeiten von Menschen herumzutrampeln und dadurch gezielte, verletzende Stiche zu setzen. Die durchschlagende „Haudraufgesellschaft“ erhält somit einen willkommenen und ebenso subtilen „Fürsprecher“. Dass sich die ausgewählten G-Promis, die nach jedem Strohhalm Aufmerksamkeit gieren, freiwillig darauf einlassen, ist für den „Nachahmeffekt“ nebensächlich.

Fraglich ist außerdem, warum Kandidaten mit Stromschlägen malträtiert werden müssen (so gesehen in der letzten Staffel), um den Unterhaltungswert der Sendung zu steigern. Bietet die Entblößung und Demaskierung junger Möchtegern-Models, kurioser Botox-Figuren und gefallener Kicker, denen die direkt verwandelte Ecke nichts mehr bringt, dafür nicht schon genug Fläche?

Unsere Wertung:

Charme: 6 von 10 Punkten
Witz: 7 von 10 Punkten
Einzigartigkeit: 6 von 10 Punkten

Fazit: Zietlow und Hartwich gehen mit ihren Kandidaten hart ins Gericht. Laut Formatkonzept müssen sie das auch. Ihre Rolle spielen sie gut, und trotzdem scheint dem Dschungelcamp mit Dirk Bach ein Stück weit die Menschlichkeit abhandengekommen zu sein. (AG)