Dienstag, 24. Januar 2017, 22:19 Uhr

Filmkritik "Resident Evil 6": Milla Jovovichs letzter Kampf

Angst einflößende Untote, ein tödliches Virus, eine entschlossene Heldin und ein erbitterter Endkampf: Auch im finalen Teil der „Resident Evil“-Reihe bleibt wenig Raum zum Durchatmen. Dafür gibt es Action in 3D pur.

Filmkritik "Resident Evil 6": Milla Jovovichs letzter Kampf
Foto: Constantin Film Verleih

Ganze 15 Jahre ist es her, dass Milla Jovovich (hier geht’s zu unserem Interview) erstmals als Alice kämpfend über die Leinwand jagte. Damals erschien der erste Teil einer immens erfolgreichen und mittlerweile legendären Reihe rund um tödliche biologische Waffen, künstliche Intelligenz, Zombies und andere Monster. „Resident Evil“ ist angelehnt an eine gleichnamige Videospielserie, deren japanischer Ursprung zurückgeht bis ins Jahr 1996. Keine Computerspielreihe hat bisher als Leinwandadaption mehr Geld eingespielt als „Resident Evil“. So haben die bisherigen fünf Filme weltweit über 900 Millionen US-Dollar eingebracht.

Jetzt kommt ein sechster und wohl letzter Teil in die Kinos, erneut mit Jovovich als kämpfender Amazone. Auch Regisseur Paul W.S. Anderson ist dabei. Der Brite war maßgeblich an allen Kapiteln der Reihe beteiligt, wenn auch nicht immer auf dem Regiestuhl. Ein Teil der „Resident Evil“-Filme wurde vom 2011 verstorbenen Bernd Eichinger mitproduziert.

„Mein Name ist Alice“, heißt es zu Beginn des neuen Films. „Und dies ist meine Geschichte. Das Ende meiner Geschichte“. Bevor das finale Kapitel aber geschlossen werden kann, versucht Alice, der durch ein Virus hervorgerufenen Apokalypse Einhalt zu gebieten. Kaum mehr als 4000 Menschen sind weltweit noch am Leben. Über 7 Milliarden sind den bösen Plänen der Umbrella Corporation schon zum Opfer gefallen.

Um das Ende der Menschheit zu verhindern, muss Alice an den Ort zurückkehren, an dem all das Unheil im ersten Film von 2002 seinen Anfang nahm: nach Raccoon City. Dort tut sie sich mit anderen Rebellen zusammen. Die Pläne aber von Dr. Isaacs, der sich mit der Führungsriege der Umbrella Corporation auf eine Art Arche Noah für Reiche retten will, sind so durchdacht wie perfide. Auf dem Weg nach Raccoon City bekommt es Alice mit Abertausenden von Zombies zu tun.

Filmkritik "Resident Evil 6": Milla Jovovichs letzter Kampf
Foto: Constantin Film Verleih

Ein Gutteil der Attraktivität dieser Reihe liegt sicher darin begründet, dass sie sich bei mehreren Genres bedient: Da sind die Horrorelemente (Zombies, abgehackte Köpfe), es gibt Science Fiction-Zitate, die teils gar an Klassiker wie „Alien“ erinnern; es gibt Kampfszenen und Kostüme wie in den „Matrix“-Filmen. Auch Freunde von Endzeitvisionen à la „Mad Max“ werden bedient. Vieles aber im nun startenden finalen Kapitel wirkt zusammengestückelt.

Bei aller, durch reine Action hervorgerufenen Spannung muss man zudem konstatieren, dass die Geschichte des sechsten Teils vorhersehbar ist. Die schauspielerischen Leistungen sind im Durchschnitt kaum mehr als solide. Der Schotte Iain Glen sorgt als Alice’ Gegenspieler Dr. Alexander Isaacs mit Sarkasmus für einige Lacher. Uneingeschränkt freuen aber dürfen sich all die Fans von Alice. Dass das vormalige Super-Model Jovovich inzwischen die 40 überschritten hat, sieht man in keiner Szene.

Filmkritik "Resident Evil 6": Milla Jovovichs letzter Kampf
Foto: Constantin Film Verleih

Der sechste Teil der „Resident Evil“-Reihe ist vielmehr pures Überwältigungskino. Schnelle Schnitte, laute Musik, Kampfszenen, die so choreographiert sind, das man kaum mitkommt, Action fast ohne Unterlass. Und das in 3D. Überwältigungskino also wie man es aus Hollywood kennt. Es handelt sich jedoch bei diesem Film um eine deutsch-australisch-kanadisch-französische Ko-Produktion. Kinobesucher jenseits der 25 dürften angesichts der Rasanz der Inszenierung des Öfteren überfordert sein. Das gilt freilich besonders für den nicht Computerspiel-affinen Teil der Kinofans.

Selbst „Resident Evil“ aber hält mal inne, und sei es für spektakuläre Vogelperspektiven – aufs völlig zerstörte Washington etwa. Und es gibt immer wieder Gesamtansichten, die an Schlachtengemälde klassischer Dimension erinnern. In solchen Momenten weist „Resident Evil“ über sich selbst hinaus. Die Idee einer Arche Noah für Reiche ist zudem nicht frei von politischen Konnotationen. Wer weiß, ob nicht einige Zuschauer in den USA, wo der Film genau eine Woche nach der Amtseinführung von Donald Trump startet, in „Resident Evil: The Final Chapter“ politische Anspielungen hineinlesen. (Matthias von Viereck, dpa)