Dienstag, 24. Januar 2017, 23:25 Uhr

Polanski verzichtet nach Protesten auf "französischen Oscar"

Wirbel um die Vergabe der „französischen Oscars“: Starregisseur Roman Polanski wird von den Veranstaltern als Leiter der glamourösen Feier eingeladen. Doch der 83-Jährige sagt ab.

Nach Protesten verzichtet der umstrittene Starregisseur Roman Polanski darauf, die Vergabe-Zeremonie der französischen César-Filmpreise zu leiten. Die Auszeichnungen gelten als die „französischen Oscars“. Die Kritik an seiner Wahl habe den 83-Jährigen Polanski („Der Pianist“, „Tanz der Vampire“) tief betrübt und seine Familie getroffen, teilte der Anwalt des Oscar-Preisträgers, Hervé Temine, am Dienstag in Paris mit. Wer nun die Feier leiten wird, blieb zunächst offen.

Die Ankündigung der César-Veranstalter, dass der 83-Jährige der Preisvergabe am 24. Februar vorstehen soll, hatte französische Frauenrechtler empört. Die US-Justiz sucht Polanski seit Jahrzehnten wegen Sex mit einer 13-Jährigen. Der Regisseur war damals aus dem Land geflohen und lebt seitdem in Europa.

Die schweizerische und die polnische Justiz hätten Auslieferungsbegehren der USA abgelehnt, berichtete der Anwalt. Er nannte den Streit um die Polanski-Wahl in Paris unbegründet. Der Regisseur habe 1991 die Jury des Filmfestivals in Cannes und andere Kino-Veranstaltungen geleitet, ohne dass es zu Protesten gekommen sei. Der Holocaust-Überlebende Polanski besitzt nach früheren Angaben die polnische und die französische Staatsbürgerschaft.

Die Sprecherin der Organisation „Osez le féminisme“, Claire Serre-Combeporte, hatte am vergangenen Wochenende in der Zeitung „Le Parisien“ die Wahl als eine Brüskierung für Opfer von Vergewaltigung und sexueller Nötigung bezeichnet. Frauenrechtsministerin Laurence Rossignol bezeichnete die Entscheidung in einem Radiointerview als schockierend.

Im Jahr 1977 soll Polanski ein 13 Jahre altes Mädchen in Los Angeles sexuell missbraucht haben. Er wies den Vorwurf einer Vergewaltigung zurück, räumte jedoch in einer Einigung mit der Staatsanwaltschaft Sex mit einer Minderjährigen ein. Kurz vor der Urteilsverkündung setzte er sich nach Paris ab. In der Schweiz wurde er vor einigen Jahren verhaftet und stand acht Monate unter Hausarrest, bis das Land 2010 das Auslieferungsgesuch der USA ablehnte. Die Betroffene hatte 2013 gesagt, dass sie Polanski verziehen habe. Sie setzte sich auch mehrfach für eine Einstellung des Verfahrens ein. (dpa)