Mittwoch, 25. Januar 2017, 22:29 Uhr

Filmkritik "Hacksaw Ridge" von Mel Gibson

Desmond Doss rettet als Soldat im Zweiten Weltkrieg mehr als 70 Kameraden das Leben – ohne je eine Waffe zu benutzen. Diese unglaubliche Geschichte hat Mel Gibson nun mit Andrew Garfield in der Hauptrolle verfilmt.

Filmkritik "Hacksaw Ridge" von Mel Gibson
Foto: Universum

Das Leben schreibt manchmal die besten Geschichten: Desmond T. Doss war ein junger Mann, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er war überzeugter Pazifist und trat dennoch der US-Armee bei – und rettete schließlich bei der Schlacht um Okinawa mehr als 70 Soldaten das Leben. Ohne je eine Waffe benutzt zu haben. Diese unglaubliche Episode seines Lebens hat nun Mel Gibson fürs Kino verfilmt: „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ mit Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“) in der Hauptrolle.

Desmond Doss wächst in einer einfachen Arbeiterfamilie auf dem Land auf. Seine Eltern erziehen ihn stark religiös, und auch für Desmond spielt der Glaube eine große Rolle. Besonders prägt ihn aber ein heftiger Streit mit seinem Bruder, der gewaltsam eskaliert. Desmond schwört sich daraufhin, nie eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Trotzdem meldet er sich bei Beginn des Zweiten Weltkriegs für den Armeedienst. Seine Familie und seine Kameraden nehmen an, dass Desmond nun in Kriegszeiten eine Ausnahme macht und sich an der Waffe ausbilden lässt. Doch der junge Mann bleibt sich treu und weigert sich, ein Gewehr auch nur anzufassen. Vor dem Militärgericht bekommt er Recht und darf als Sanitäter mit seiner Truppe in den Krieg ziehen.

Inszeniert Mel Gibson das Werk zunächst als Drama um einen jungen Mann und dessen Kampf gegen seine Umgebung, entwickelt sich „Hacksaw Ridge“ in der zweiten Hälfte zum brutalen Kriegsfilm. Denn bei der Schlacht um Okinawa stehen Desmond und seine Kameraden am Hacksaw Rücken einer japanischen Übermacht gegenüber und scheinen keine Chance zu haben.

Filmkritik "Hacksaw Ridge" von Mel Gibson
Foto: Universum

Es sind extrem explizite Bilder, die Regisseur Gibson hier zeigt: zerfetzte Körper, Gedärme, die aus dem Bauch hängen, bis zur Unkenntlichkeit entstellte Männer. Immer wieder erinnern diese opulenten Schlachtszenen an Gibsons Erfolg „Braveheart“, für den er vor gut 20 Jahren zwei Oscars gewann. Auch jetzt macht der Regisseur eindringlich klar, wie erbarmungslos und roh Krieg ist.

Das ist allerdings nicht sein einziges Anliegen. Stattdessen fokussiert Gibson auf Desmonds Glauben. Immerhin ist der amerikanisch-australische Regisseur spätestens seit seinem Film „Die Passion Christi“ als streng gläubig bekannt. Deswegen macht er in „Hacksaw Ridge“ immer wieder deutlich: Desmond handelt aus religiösen Gründen so, sein Glaube verbietet Gewalt.

Filmkritik "Hacksaw Ridge" von Mel Gibson
Foto: Universum

Das ist an sich auch eine spannende Geschichte, gerade hinsichtlich seines Kriegseinsatzes. Doch Mel Gibson weist immer und immer wieder auf Desmonds Glauben hin – was im blutigen Finale schließlich darin mündet, dass Desmonds Bibel, die er in den Kriegswirren verloren hat, heldenhaft aus der Schlacht gerettet wird.

Damit bleiben am Ende vor allem die Kampf- und Schlachtszenen, die „Hacksaw Ridge“ zu einem eindringlichen Anti-Kriegs-Film machen. Auch Desmond Doss‘ Geschichte ist faszinierend: Der schmächtige Mann rettete mehr als 70 Männer vom Schlachtfeld und brachte sie in Sicherheit. Nach Kriegsende wurde er als erster US-Soldat, der den Dienst an der Waffe verweigerte, für seine Verdienste mit der höchsten militärischen Auszeichnung des Landes geehrt. Dass Mel Gibson dies aber so penetrant religiös auflädt und pathetisch unterlegt, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. (Aliki Nassoufis, dpa)

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