Donnerstag, 26. Januar 2017, 20:41 Uhr

Filmkritik "Mein Blind Date mit dem Leben" mit Kostja Ullmann

Heute startet in den deutschen Kinos „Mein Blind Date mit dem Leben“ mit Kostja Ullmann und Anna Maria Mühe in den Hauptrollen.

Filmkritik "Mein Blind Date mit dem Leben" mit Kostja Ullmann
Sali (Kostja Ullmann ) mit Laura (Anna Maria Mühe) und ihrem Sohn. Foto: Studiocanal

So blind kann keine Liebe sein: Saliya, genannt Sali, Kahawatte (Kostja Ullmann) ist mal gerade im Abiturientenalter, als er von jetzt auf gleich sein Augenlicht verliert. Fast verliert, denn etwa 5% Sehkraft sind ihm geblieben, was heisst, dass er grob hell von dunkel unterscheiden kann. Diese 5% sind ihm aber nicht zu mickrig, um sich für seinen Traumberuf Hotelfachkraft zu bewerben. Tapfer kassiert er eine Absage nach der anderen, bis sich Sali schwuppdiwupp dafür entscheidet, die Textpassage mit der Angabe der Schwerbehinderung einfach zu löschen. Prompt klappt zu Zusage für einen Lehrstelle in dem Luxushotel „Münchener Hof“.

Sali zieht also fast blind in die weite Welt hinaus, und so charmant, wie Kostja Ullmann ihn darstelllt, kann der echte Sali nur gewinnen, denn „Mein blind Date mit dem Leben“ ist nach einer wahren Geschichte entstanden. Ein schwer Sehbehinderter wird also Hotelfachkraft, das geht nur mit Freunden und Verbündeten vor Ort. Und wie das geht! Klar rennt Sali immer mal wieder wo dagegen, aber er zählt weiter tapfer seine Schritte bis zur nächsten Ecke, kennt bald jede Treppe im Hotel und schreckt selbst vor der Bedienung der Schinkenschneidmaschine nicht zurück.

Sali ist so ein Sonnenschein, und doch lässt er sich nicht über den Tisch ziehen. Und auf gar keinen Fall möchte er einen Behindertenbonus oder gar in Watte gepackt werden.

Filmkritik "Mein Blind Date mit dem Leben" mit Kostja Ullmann
Sali ordnet die Falk Bar nach seinem Geschmack. Foto: Studiocanal

Die Azubis werden im Hotel in verschiedene Stationen eingeteilt: vom Zimmerservice bis zur Bar ist alles dabei. Besonders gefürchtet ist der Restaurantleiter Kleinschmidt (herrlich: Johann von Bülow, der schon u.a. in „Mord mit Aussicht“ schön schräge Auftritte hingelegt hat). Kurz und knapp: Kleinschmidt ist ein Arsch. Wenn er andere fertig machen kann, dann ist ihm so richtig wohl in der Haut. Er lässt Sali Gläser polieren, bis das Geschirrtuch qualmt! Es heisst, wenn der Despot Kleinschmidt drei Ermahnungen ausspricht, kann man seine Sachen packen. Sali hat schon zwei und der letzte Strohhalm ist ausgerechnet der Hallodri Max (Jacob Matschenz), der notorisch unzuverlässig ist. Aber Max kann 1. sehen und 2., ja Max ist an allem mehr interessiert, als an der Ausbildung, aber er mag Sali ohne jedes Sentiment. Max übernimmt das Sehen und Sali ertastet und erschnuppert sich jede einzelne Flasche hinterm Tresen. Er will um jeden Preis die Ausbildung zu Ende bringen.

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Die neuen Auszubildenen werden ihren Stationen zugeteilt. Foto: Studiocanal

Und dann gibt es noch Laura (Anna Maria Mühe), die eine Lieferantin spielt und regelmäßig mit ihrer Ware im Hotel auftaucht. Ganz unverstellt und aufgeregt geht Sali seinem Gefühl für Laura nach. Es ist sehr berührend mit anzusehen, wie Laura ihn wahrnimmt und gleichzeitig hat der Zuschauer im Hinterkopf, was Sali eigentlich sieht oder eben nicht.

Eine tolle Kamera, die Salis Blickfeld immer mal wieder zeigt! Ein dynamisches Ensemble von gestandenen und blutjungen Schauspielern und ein wirklich wunderschönes Hotel.

Filmkritik "Mein Blind Date mit dem Leben" mit Kostja Ullmann
Bayerischer Hof – Zimmer 32.
Sali kriegt ein eindeutiges Angebot von Frau Robinson. Foto: Studiocanal

Fazit: Ein völlig irreführender Trailer! Falls man diesen in einer Vorschau erwischt und denkt „OMG“ – bitte sofort vergessen und hingehen. Romantik, deutsch, Komödie und Tiefgang: ja, das geht! Herzerwärmend, aber ohne Zuckerguss-Kitsch! (Katrin Wessel)