Samstag, 28. Januar 2017, 15:36 Uhr

25 Jahre Quatsch Comedy Club: Thomas Hermanns im Interview

Welche Witze ziehen noch? Was machen Comedians aus AfD und Trump? Das weiß Moderator Thomas Hermanns, Gründer des Quatsch Comedy Clubs. Der hat dieses Jahr Anlass zum Feiern.

25 Jahre Quatsch Comedy Club: Thomas Hermanns im Interview
Foto: Quatsch-Comedy Club/Position

Thomas Hermanns (53) gilt als Pionier der Stand-up-Comedy in Deutschland. Vor 25 Jahren, am 31. Januar 1992, gab es in Hamburg die erste Show des Quatsch Comedy Clubs, der später als Fernsehformat bei ProSieben viele Zuschauer fand. Ob Cindy aus Marzahn, Rainald Grebe, Dieter Nuhr oder Michael Mittermeier: Viele Größen sind mit dem Club verbunden, der seine Zentrale in der Berliner Friedrichstraße hat. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht Hermanns über den US-Präsidenten Donald Trump, politische Comedy und darüber, ob man bei Stand-up betrunken auf der Bühne stehen kann.

Wie viele Trump-Witze haben Sie schon gehört?
Ich glaube, da kommen noch einige. Inzwischen ist jeden Abend im Comedy Club einer vorhanden.

Haben Sie denn schon gute Trump-Imitatoren gesehen?
Ich fand absurderweise Oliver Pocher als tanzenden Trump in dieser ProSieben-Show ganz gut. Ich weiß, dass die Berliner Schaubühne an einem Trump-Abend arbeitet und Sebastian Schwarz Herrn Trump darstellen wird. Ich glaube, das wird sehr schön werden. Wir kriegen Trump von allen Seiten.

Würde Sie das auch reizen?
Ich habe Gott sei Dank nicht das breite Gesicht dafür. Die Zähne vielleicht, aber nicht den Rest.

Welche Antworten kann Comedy auf politische Fragen geben?
Genauso gute wie das Kabarett, nur aus einer anderen Sichtweise. Wir würden immer von unten gucken und die Nummern dort ansiedeln, wo sie im Alltag ankommen. Eine Comedy-Nummer wäre: Meine Mutter wählt AfD, ich fahre zu ihrem Geburtstag, und wie verläuft der Abend. Und nicht: Wie sieht denn Frauke Petry aus?

Gibt es denn immer noch diese Trennung zwischen Kabarett und Comedy?
Eigentlich nicht mehr, etwa bei jemandem wie Dieter Nuhr. Das hat sich schon alles zusammengerüttelt. Ich habe auch kein Interesse mehr, das zu splitten. Ich muss trotzdem bei Comedy darauf hinweisen, dass wir auch politisch denkende Menschen sind und keine Witzclowns. Auch nach 25 Jahren.

Gibt es Gags, die völlig out sind?
Das Männer-Frauen-Thema, da habe ich schon vor zehn Jahren gesagt, dass es mal durch ist. Dann kam es doch wieder. Männer und Frauen haben sich immer noch viel zu erzählen. Die Frauen kommen jetzt insgesamt ein bisschen stärker. In Amerika verdienen die weiblichen Komiker im Moment mehr als die Männer und drehen die größeren Filme. Deswegen haben wir jetzt mehr Frauen im Club, die als sie selber da stehen und ganz normal über ihr Leben reden.

Wen finden Sie da gerade richtig gut?
Christiane Olivier und Lena Liebkind. Junge Frauen, die für ihre Generation sprechen und offensichtlich ihre Tina Feys oder Amy Schumers studiert haben (Anm: beide sind amerikanische Stars).

Welche Pläne haben Sie denn im Quatsch Comedy Club für das Geburtstagsjahr?
Wir feiern das ganze Jahr, haben wir beschlossen. Wir trinken ab Morgen durch bis Ende des Jahres. Wir haben am Ende des Jahres 15 Jahre Berliner Club, das ist noch ein Feiergrund. Wir machen die ganze Zeit wilde Aktionen. Wahrscheinlich eine, die uns finanziell ruinieren wird: Alle Menschen, die im Jahr 1992 geboren wurden, dürfen einmal umsonst in den Club rein. Und es wird zum Jubiläum eine neue Fernsehfassung geben.

Apropos trinken, standen Sie schon mal betrunken auf der Bühne?
Nein, weil die Texte so schwierig sind, dass man dann die Pointen komplett verhaut. Stand-up-Comedy geht betrunken gar nicht. Man kann eher Ibsens Nora besoffen spielen, trotz des vielen Textes. Die verdrechselten Formulierungen bei Stand-up würden einen umbringen.

ZUR PERSON: Thomas Hermanns kommt aus Bochum kommt und wuchs in Nürnberg auf. Der 53-Jährige hat viele Talente: Er ist Comedian, Autor, Regisseur, Moderator und Experte in Sachen Eurovision Song Contest. Er gilt als Pionier der deutschen Stand-up-Comedy in Deutschland. Er ist mit dem Unternehmer Wolfgang Macht verheiratet.

Interview: Caroline Bock, dpa