Sonntag, 29. Januar 2017, 20:18 Uhr

Amy Macdonald ist wieder da: Das Comeback-Interview

Viereinhalb Jahre hat sich Amy Macdonald für ihr viertes Album „Under Stars“ Zeit gelassen. Als wir die schottische Songwriterin zum Gespräch treffen, sitzt sie im Backstage-Bereich der eleganten Assembly Hall im Norden Londons, wo sie am Abend zum ersten Mal einige der neuen Lieder live vorstellt.

Amy Macdonald ist wieder da: Das Comeback-Interview
Foto: Universal Music

„Ich wollte eine Platte machen, auf die ich stolz sein kann. Etwas zu überstürzen, hätte dabei nicht geholfen“, meint die 29-Jährige selbstbewusst. Ihrem euphorischen Folkpop ist die Echo-Preisträgerin auch diesmal treu geblieben. Mit „Dream On“ ist ihr eine mitreißende erste Single gelungen. Im klatsch-tratsch.de-Interview erzählt sie aber auch von ihrem Luxusfuhrpark und ihrem größten Fan Jogi Löw.

Amy, vor zehn Jahren hast du dein Debüt „This Is The Life“ veröffentlicht. Hast du dich seither verändert?
Klar, man verändert sich sowieso immer durch neue Erfahrungen, die man macht, und Orte, die man bereist. Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge. Ich bin ja quasi in der Öffentlichkeit erwachsen geworden. Aber als Mensch bin ich entspannt und bodenständig geblieben. Ich habe noch dieselben Freunde, die ich schon zu Schulzeiten hatte. Aus mir ist keine verwöhnte Popdiva geworden. Ich bin einfach nur dankbar, dass mich Menschen unterstützen und mir dadurch ermöglichen, immer noch diesen Job machen zu können.

Bist du stolz darauf, eine Selfmade-Woman zu sein?
Absolut! Ich habe bei meinen ersten drei Alben nahezu alles alleine gemacht habe. Da gab es nur mich und meine Gitarre. Ich habe alle Songs selbst geschrieben. Und trotzdem war es aufregend, für das neue Album zwei Musiker, die gleichzeitig meine engsten Freunde sind, für den Songwriting-Prozess mit ins Boot zu holen. Jimmy Sims, der auch Bassist in meiner Band ist, und Ben Parker können jedes erdenkliche Instrument spielen. Dadurch ergaben sich musikalisch viel mehr Möglichkeiten. Und ich konnte mich diesmal ganz auf die Texte und Melodien konzentrieren. Ich habe es wirklich noch nie so genossen, ein Album zu machen.

Könntest du dir vorstellen, wie Beyoncé mit einem Dutzend Songwriter an einer Platte zu feilen?
Niemals! Das ist doch lächerlich. Ich wüsste gar nicht, wie das gehen sollte. Für mich ist das Liederschreiben etwas sehr Persönliches. Mich mit jemanden hinzusetzen, den ich noch nie getroffen habe, würde sich merkwürdig anfühlen.

Auf deinem ersten Album hast du einen Song namens „Footballer’s Wife“. Lustigerweise wirst du demnächst wirklich die Frau eines Fußballers!
Stimmt. Ich bin seit einem guten Jahr mit dem schottischen Fußballer Richard Foster verlobt. Aber meine Fußballbegeisterung habe ich schon seit Teenager-Tagen – ich bin schon mit 17 regelmäßig ins Stadion gegangen. Außerdem bin ich mehr als das Anhängsel eines Fußballspielers. Der Song damals drehte sich um Menschen, die um jeden Preis Ruhm wollen. In Großbritannien ist das geradezu eine Epidemie. Ich kann diesen Wunsch vieler Menschen nicht nachvollziehen. Mir ging es immer nur ums Kreativsein.

Berühmt bist du nun trotzdem.
Ja, weil ich hart für meinen Traum gearbeitet habe! Ich würde es hassen, so berühmt zu sein, dass ich nirgends mehr hingehen kann, weil mich Leute verfolgen, nur weil sie mein Gesicht mal in irgendeiner TV-Show gesehen haben.

Amy Macdonald ist wieder da: Das Comeback-Interview
Foto: Universal Music

Kannst du ein normales Leben führen?
Das geht sehr gut. Außer natürlich, wenn ich beruflich unterwegs bin und einen Gig spiele. Dann warten Fans nach dem Konzert auf mich. Aber das ist ja nichts Merkwürdiges, sondern völlig normal. Im Stück „Footballer’s Wife“ geht es aber um die Leute, bei denen es eigentlich keinen Grund gibt, überhaupt auf sie zu warten.

Joachim Löw soll ja ein großer Fan von dir sein. Hat der auch schon mal auf dich gewartet?
Das hat er tatsächlich. Ich habe ihn schon einige Male getroffen. Er ist ein supernetter Typ. Das erste Mal begegneten wir uns bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Berlin. Er sagte mir, dass er ein großer Fan von mir ist. Während der Fußballweltmeisterschaft 2010 erzählte er dann in einem Interview mit einer deutschen Zeitung, dass eines der Rituale vor den Spielen sei, im Bus die Musik von Amy Macdonald zu hören. Ich dachte nur: Wow, wie großartig! Als ich ihn 2012 das nächste Mal traf, fragte er mich nach Konzerten in Deutschland. Meine Tour war aber gerade zu Ende. Er ist dann mit seiner Familie und Freunden ganz bis in die Schweiz gefahren, um eine meiner Shows zu besuchen. Wir hatten ihm einen kleinen VIP-Bereich auf einem der Balkone reserviert. Ich konnte ihn während der Show dort oben die ganze Zeit tanzen sehen.

Hat er sich revanchiert?
Das hat er! 2014 schickte er meinem Manager eine Email und lud uns alle zum Qualifikationsspiel Schottland gegen Deutschland nach Dortmund ein. Und wir alle so: „Yeah!“ Er hat die ganze Reise für uns arrangiert – wir hatten die besten Plätze. Es war so großartig! Dummerweise hat Schottland das Spiel verloren, womit zu rechnen war. Aber ich feuere sowieso immer die Deutschen an, wenn die Schotten nicht dabei sind – was ja meistens der Fall ist. Ich habe mich jedenfalls sehr für Deutschland gefreut, als ihr den Titel gewonnen habt. Es fühlte sich an, als hätte mein eigenes Land gewonnen.

Amy Macdonald ist wieder da: Das Comeback-Interview
Foto: Universal Music

Aber dass Joachim Löw gefragt hat, ob du die deutsche Nationalhymne vor einem Spiel singen könntest, ist ein Gerücht oder?
Er hat seine Witze drüber gemacht! Als er eigens durch die Schweiz zu meinem Konzert gereist ist, sagte er, dass ich dann doch zumindest mal die deutsche Nationalhymne singen müsste. Und ich dachte nur: „Herrje, wie komme ich aus der Nummer nur raus.“

Wie sieht es denn mit der schottischen Nationalhymne aus?
Die habe ich schon oft gesungen. Ich habe sie vor ein paar Jahren auch mal bei einer Eröffnungszeremonie der Commonwealth-Spiele in Glasgow zusammen mit Rod Stewart gesungen – das war ziemlich cool. Aber das letzte Mal, als ich die Nationalhymne sang, hatte ich für ein paar Sekunden einen Blackout, weshalb ich meinen Einsatz verpasste. Vermutlich hätte das gar niemand gemerkt, wenn ich es nicht danach auf Twitter erwähnt und mich dafür entschuldigt hätte. Die Medien machten dann eine Riesen-Geschichte daraus, von wegen ich hätte den Text vergessen. Seitdem stehe ich für den Job nicht mehr zur Verfügung, auch wenn mich der schottische Fußballverband immer wieder darum bittet.

Sind das Versagensängste?
Ich will es einfach nicht. Das ist es mir nicht wert. Es gibt so viele Idioten bei den sozialen Medien, die über dich schimpfen – da fühle ich mich dann missbraucht. Das tue ich mir nicht mehr an. Auch wenn ich sonst ganz gut darin bin, jede Form des grundlosen Hasses zu ignorieren.

Sie teilen damit übrigens das gleiche Schicksal wie Sarah Connor, der einmal ähnliches mit der deutschen Nationalhymne passiert ist.
Ihren Namen habe ich schon mal gehört. Was die Leute nicht verstehen ist, dass man als Künstler in einem Stadion einfach nichts hört und es eine riesige Zeitverschiebung gibt, bis die Musik bei einem ankommt. Was das Publikum hört, ist nicht das, was der Künstler hört. Man braucht dafür echt Nerven wie Drahtseile!

Du hast neun Millionen Platten verkauft. Wofür gibst du eigentlich dein Geld aus?
Für Autos! Ich bin leidenschaftliche Autofahrerin und besitze einen ganzen Edel-Fuhrpark. Mein größter Stolz ist der neue Ford GT, von dem es nur ein paar Hundert Stück auf der Welt gibt. Man wird ausgewählt, ihn besitzen zu dürfen. Da hatte ich wirklich Glück.

Interview: Katja Schwemmers