Sonntag, 29. Januar 2017, 12:58 Uhr

Oscars: Akademie "extrem besorgt" über Einreiseverbot

Der Iraner Asghar Farhadi ist Oscar-Preisträger, hat Preise in Cannes sowie Berlin gewonnen. Auch dieses Jahr ist er für den Oscar nominiert. Fraglich ist, ob er nach dem Einreiseverbot für Iraner überhaupt nach Los Angeles darf.

Oscars: Akademie "extrem besorgt" über Einreiseverbot
Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi 2016 auf dem Filmfestival in Cannes. Foto: Sebastien Nogier

Nach dem von US-Präsident Donald Trump verhängten Einreisestopp bangt die Oscar-Akademie um die Teilnahme des iranischen Filmemachers Asghar Farhadi an der Preisverleihung. Die amerikanische Film-Akademie, die alljährlich die Oscars vergibt, äußerte sich am Samstag „extrem besorgt“ über Trumps Dekret, durch das viele Menschen aus muslimisch geprägten Ländern nicht mehr in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen.

Es sei besorgniserregend, dass der Regisseur des Films „The Salesman“ und sein Team „wegen ihrer Religion oder ihres Herkunftslandes“ an der Einreise gehindert werden könnten, hieß es in der Mitteilung. Die Oscar-Akademie werde Filmemacher und Menschenrechte in aller Welt unterstützen.

Der iranische Regisseur erwäge aus Protest einen Boykott der Oscar-Zeremonie, hieß es am Samstag von seinem Büroleiter. Er werde seine Entscheidung in den nächsten Tagen bekanntgeben. Es ist unklar, ob Farhadi derzeit im Iran oder seiner Wahlheimat Frankreich ist, oder auch schon in Spanien für Dreharbeiten seines neuen Films. Beobachter in Teheran gehen davon aus, dass Farhadi aus Protest nicht an den Oscars teilnehmen werde.

Meldungen über ein Einreiseverbot seien jedoch nicht korrekt, da Farhadi von den neuen Anordnungen nicht betroffen sei, erklärte der Büroleiter der Nachrichtenagentur ISNA zufolge. Farhadi lebt seit Jahren abwechselnd in Teheran und Paris. In der Zwischenzeit hat er entweder einen französischen Pass erhalten oder besitzt zumindest eine permanente Aufenthaltserlaubnis. Ob er damit in die USA einreisen kann, bleibt vorerst unklar.

Farhadis Film „The Salesman“ ist dieses Jahr in der Kategorie bester ausländischer Film für den Oscar nominiert. 2012 hatte Farhadi in derselben Kategorie bereits einen Oscar für das Gesellschaftsdrama „Nader und Simin – Eine Trennung“ gewonnen. Die Oscar-Verleihung findet am 26. Februar in Los Angeles statt.

Taraneh Alidoosti, die in dem Film die weibliche Hauptrolle spielt, hat die Oscar-Zeremonie bereits boykottiert. Für sie sei das neue Gesetz „diskriminierend, rassistisch und daher inakzeptabel“.

Unklar ist die Teilnahme von Shahab Hosseini, dem Hauptdarsteller. Er wurde bei den letzten Filmfestspielen in Cannes für die Hauptrolle in „The Salesman“ als bester Schauspieler ausgezeichnet. Beobachter glauben, dass auch er die Oscars boykottieren werde. (dpa)