Mittwoch, 08. Februar 2017, 17:30 Uhr

Charles Brauer über Manfred Krug: "Ich vermisse ihn sehr"

Zwischen 1986 und 2001 standen sie gemeinsam in 38 „Tatort“-Krimis vor der Kamera. Sie sangen auch zusammen. Freunde blieben Manfred Krug und Charles Brauer bis zu Krugs Tod im Oktober 2016.

Heute wäre Manfred Krug 80 Jahre alt geworden. Eigentlich wollte er sich und seine Fans mit einem Best-of-Album beschenken. Doch „Manne“ Krug starb.

Ein Dutzend anderer bekannter Schauspieler und Sänger sang nun die Songs für das Album – darunter Krugs einstiger „Tatort“-Kollege Charles Brauer. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erzählt Brauer (81) von diesem Projekt, von seiner Freundschaft mit Krug und seiner ganz speziellen Erinnerung an den verstorbenen Künstler.

Auf dem Album singen Sie „Das Lied mit einem Ton“ – im Duett mit Bill Ramsey. Haben Sie sich diesen Song bewusst ausgesucht?
Ja, das kann man schon so sagen. Mir hat der Vorschlag, dieses Lied zu singen, gleich gut gefallen. Das ist eine schöne und lustige Nummer geworden. Einige Nummern auf diesem Album sind wirklich sehr gelungen. Ich kenne diese Lieder und Arrangements noch aus DDR-Zeiten, und Manfred hat lange an diesem Album herumgebastelt und alles vorbereitet. Nur sein Gesang fehlte noch.

An welche Momente mit Manfred Krug denken Sie besonders gerne zurück?
Ach, wissen Sie – da gab es natürlich viele Momente. Die Verleihung des „Europäischen Kulturpreises für sein künstlerisches Lebenswerk 2015“ gehört dazu, denn da durfte ich die Laudatio halten. Das war schön, auch wenn es eine sehr lange Veranstaltung gewesen war – für uns beide dauerte sie etwas zu lange. Wir sind auch wahnsinnig gerne auf die Trödelmärkte in Berlin gegangen, und da kannte ihn ja fast jeder. Er war ein wirklich großer Sammler, und er hatte auch Ahnung von vielen Dingen.

Gab es auch mal Zoff zwischen Ihnen beiden?
Nein, eigentlich nicht. Er konnte ja nun mal cholerisch sein, und er war schon ein schrecklicher Besserwisser. Darüber hat er sich selber aber auch lustig gemacht – nach dem Motto: „Man bräuchte sicher 200 Jahre, um diese Marotten wegzubekommen“. Bei Dreharbeiten brach das dann schon mal mehr durch, wenn er sagte: „Merkste denn nicht, dass da, wo Du gerade stehst, kein Licht ist?“ Er hatte die Gabe, seinen dicken Finger auf die schwachen Stellen von Drehbüchern zu legen. Das konnte er sehr viel besser als ich. Aber mit mir persönlich hatte er keinen Streit; ich konnte wirklich viel von ihm lernen.

Haben Sie denn bis zuletzt mit Manfred Krug im Kontakt gestanden?
Das schon. Wir waren ja befreundet, und wir haben immer Kontakt miteinander gehabt. Wir haben stets viel telefoniert und uns auch regelmäßig Faxe geschickt. Auch wenn er sich schließlich mit SMS auskannte, haben wir viel gefaxt. Ich habe ihn zuletzt im Juni vergangenen Jahres in Berlin gesehen, und ich muss sagen: Ich vermisse Manfred sehr.

Schauen Sie – gerade als Ex-TV-Kommissar – regelmäßig selbst den „Tatort“?
Ab und an. Zur regelmäßig schauenden „Tatort“-Gemeinde gehöre ich nicht, das war aber schon früher so. Einige Schauspieler-Kollegen wie Axel Prahl schätze ich wirklich sehr. Der Unterhaltungsanteil in diesen Krimis muss ja offenbar immer größer werden, da fehlt mir dann schon mal die Spannung.

Gäbe es derzeit einen „Tatort“-Kommissar, der Manfred Krug ebenbürtig wäre – und mit dem Sie gerne arbeiten würden?
Ach, das kann ich nicht beurteilen. Unsere Zusammenarbeit dauerte zwar 16 Jahre, aber sie ist ja auch schon ewig her. Da hat man doch ganz anders gedreht. Heute gibt es sicher den einen oder anderen richtig guten Kommissar. Aber mitspielen kommt da für mich wohl höchstens theoretisch in Frage. Was das Arbeiten anbelangt – da bin ich in der glücklichen Lage, nicht alles machen zu müssen. Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht.

Arbeit hält jung, sag man – an welchen Projekten haben Sie denn Spaß?
Ich mache sehr gerne Lesungen und Hörbücher, auch Theater spiele ich noch sehr gern – jetzt am 18.2. gebe ich einen Kästner-Abend im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater. Und dann werde ich im Herbst eine Gedenkveranstaltung für Manfred am Berliner Gendarmenmarkt moderieren, die der MDR aus Anlass seines Todestages aufzeichnen und ausstrahlen wird. Da freue ich mich sehr darauf und ich vermute, dass Manfred auf Wolke sieben sitzen und in sich reinschmunzeln wird.

ZUR PERSON: Charles Brauer wurde am 3. Juli 1935 in Berlin geboren. Ab 1954 gehörte er 20 Jahre lang zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg. In der Rolle des Sohnes wirkte er in der ersten deutschen Familienfernsehserie „Familie Schölermann“ (1954-1960, NWDR) mit. Später war er in TV-Serien wie „Unser Lehrer Dr. Specht“ und „Samt und Seide“ (beide ZDF) dabei. Er war von 1966 bis 1976 mit der Schauspielerin Witta Pohl verheiratet. Heute lebt Brauer mit seiner zweiten Frau, der Bühnenbildnerin Lilot Hegi, in der Nähe von Basel. (Interview: Klaus Braeuer, dpa)