Donnerstag, 16. Februar 2017, 18:26 Uhr

Filmkritik "Schatz, nimm Du sie!": Carolin Kebekus als Anti-Mutter

In der Comedy-Szene gibt es derzeit an Carolin Kebekus kein Vorbeikommen. Nun übernimmt sie erstmals auch im Kino eine Hauptrolle – natürlich in einer Komödie. Die Geschichte um ein Ehepaar in Scheidung scheint Kebekus wie auf den Leib geschrieben, hat aber ein anderes Vorbild.

Filmkritik "Schatz nimm Du sie!": Carolin Kebekus als Anti-Mutter
Foto: Wild Bunch Germany

Die Deutschen bekommen recht wenig Kinder, vielleicht sind sie ihnen deshalb so heilig. Seit Jahren jedenfalls gibt es den Begriff der „Helikopter-Eltern“: Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder bis an die Grenze des Erträglichen behüten und betüddeln, damit sie irgendwann mal Chef eines Dax-Konzerns werden. Toni König ist da das komplette Gegenteil. Und gespielt wird diese Toni König in der Komödie „Schatz, nimm du sie!“ passenderweise von Carolin Kebekus (36). Es ist die erste Kinohauptrolle der Komikerin, die ihr wie auf den Leib geschrieben wirkt – tatsächlich aber den französischen Film „Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt“ zum Vorbild hat.

Wie der recht umständliche Titel des Originals verrät, geht es um ein Paar, das keins mehr sein will. Toni und Marc (Maxim Mehmet) haben beschlossen, sich zu trennen und eigentlich passt das auch ganz gut: Marc geht als Arzt sowieso für einige Zeit nach Haiti. Die Kinder sollen dann bei Toni bleiben. Diese bekommt allerdings plötzlich selbst die Chance, für ihre Windparkfirma ein großes Projekt auf Malta zu betreuen – und findet kurz darauf heraus, dass ihr Noch-Ehemann bereits mit einer Krankenschwester rummacht, die mit ins Ausland gehen soll. Also lässt Toni die Abmachung mit den Kindern platzen: Sie will die Kinder doch nicht übernehmen.

Um herauszufinden, wer von beiden seine Karrierepläne erfüllen kann und wer nicht, schließt das Paar einen Pakt…

Filmkritik "Schatz nimm Du sie!": Carolin Kebekus als Anti-Mutter
Foto: Wild Bunch Germany

Denn ohne über die Hintergründe Bescheid zu wissen, sollen die Kinder selbst entscheiden, bei wem sie leben wollen – und wer sie abkriegt, muss eben den Auslandsjob absagen. Der Kampf beginnt: Sowohl Marc als auch Toni versuchen daraufhin mit immer fieseren Mitteln, die Kinder in die Arme des jeweils anderen zu treiben. Dem veganen Sohn werden Mettbrötchen verordnet, Toni schwadroniert vor der Teenie-Liebe ihrer Tochter über deren wunderbare Brüste. Außerdem bandelt sie zur Abschreckung mit ihrem ebenso autoritären wie schnauzbärtigen Ekel-Chef (Ludger Pistor) an.

Filmkritik "Schatz nimm Du sie!": Carolin Kebekus als Anti-Mutter
Foto: Wild Bunch Germany

Kebekus wird die Freiheit gelassen, sich für ihre erste Kinohauptrolle kaum von ihrem Bühnen-Ich entfernen zu müssen. Toni ist direkt, schlagfertig, selbstbewusst, manchmal derb und zornig. Sie wirkt nicht gerade so, als könne sie mit überkandidelter Romantik viel anfangen. Ganz so wie man Kebekus aus Formaten wie „PussyTerror TV“ kennt.

Noch nicht einmal ihr Biotop Köln – zu dem sie mittlerweile fast so sehr gehört wie Willy Millowitsch – musste sie dafür verlassen. Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge – Männer allein im Wald“, „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“) lässt seinen Film einfach dort spielen. Und für die Dreharbeiten wurde sogar extra ein freies Zeitfenster im Kalender der viel beschäftigten Komikerin während der Fußball-EM 2016 abgepasst.

Filmkritik "Schatz nimm Du sie!": Carolin Kebekus als Anti-Mutter
Foto: Wild Bunch Germany

An Kebekus‘ Seite ist Maxim Mehmet zu sehen – einigen eventuell noch als smarter Pathologe im ehemaligen Leipziger „Tatort“ mit Simone Thomalla oder aus „Männerherzen“ bekannt. Er spielt die Rolle ihres Mannes angenehm verdutzt-trottelig. Auch Axel Stein macht sich als Minipli tragender Neureicher in einer Nebenrolle gut. Welchen Zweck die Cameo-Auftritte von Komikerin Annette Frier und Kabarettist Serdar Somuncu haben sollen, wird indes nicht ganz klar.

Kebekus beweist jedenfalls, dass sie einen Kinofilm tragen kann – einen über weite Strecken unterhaltsamen noch dazu. Ob sie auch in einer anderen Rolle als der eigenen funktionieren würde, ist an „Schatz, nimm du sie!“ allerdings noch nicht wirklich abzulesen. (Jonas-Erik Schmidt, dpa)