Donnerstag, 16. Februar 2017, 18:54 Uhr

Wolfgang Lippert wird 65.

Erst schaffte er es in die DDR-Hitparade. Dann ließ er kein TV-Format aus – ob Talkshow, Kindersendung oder Abendshow. Außerdem ist Wolfgang Lippert begeisterter Schauspieler. Auch im Rentenalter bleibt die Bühne sein Metier.

Wolfgang Lippert wird 65.
Wolfgang Lippert mit Gattin Gesine und dem singenden Starkoch Kolja Kleeberg. Foto: AEDT/WENN.com

Ganz am Anfang war er Automechaniker. Dann wurde der quirlige Berliner Sänger, Showmaster und Schauspieler. Das Multitalent aus dem Osten hatte große Erfolge, manchen Neider und holte sich auch manche blaue Flecken. Wolfgang Lippert, stets stylish gekleidet, gut frisiert und ein Fan auffälliger Brillen, ist über alle Jahrzehnte immer eines geblieben: eine Frohnatur. Nun wird er 65 und sagt in einem dpa-Interview: „Das Leben ist einfach ein Geschenk. Ich hab‘ noch Pläne, viele Möglichkeiten und Angebote.“

Der Mann aus Berlin-Köpenick wurde nach einem Fachschulstudium zum Sänger 1983 schlagartig bekannt: Mit dem Hit „Erna kommt“ des Erfolgs-Komponisten Arndt Bause, Vater von RTL-Moderatorin Inka Bause. Das Lied wurde sogar westlich der Mauer gecovert – von Hugo Egon Balder. Zeitgleich moderierte Lippert seine erste TV-Show, die Kindersendung „He Du“. Seine Arbeit für Kindersendungen war „eine traumhafte Zeit“, sagte der Vater eines Sohnes später. Er werde noch heute von Erwachsenen angesprochen, die als Kind in einer Sendung von ihm waren, erzählt er. „Es ist schön, dass man in den Köpfen dieser Leute noch drin ist.“

Die Karriere im DDR-Fernsehen verlief rasant: 1984 bekam Lippert seine erste abendfüllende Show „Meine erste Show“, kurz danach die Samstagabendshow „Glück muss man haben“. Auf seiner Homepage heißt es heute: „In der DDR war er in den Achtzigern so populär wie Thomas Gottschalk im Westen.“ Ach ja?

Schon ein Jahr vor dem Mauerfall schaffte der Entertainer aus Ost-Berlin den Sprung in einen West-Sender. Er moderierte als erster DDR-TV-Moderator eine Show im West-TV: „Stimmts’s?“ bei Radio Bremen. Und selbst nach der Wende hielt „Lippis“ Glückssträhne an, während die meisten anderen DDR-Künstler in ein tiefes Loch fielen.

1992 dann der absolute Höhepunkt: Lippert übernahm von Thomas Gottschalk die ZDF-Show „Wetten, dass..?“. In seiner Autobiografie schreibt er über den Abend vor seinem ersten Auftritt: „Als ich am Vorabend auf der Straße stand vor der Halle in Bremerhaven … Da bestand der ganze Lippert nur noch aus Angst.“ Fast zwölf Millionen Zuschauer lockte er dann vor die Fernseher.

Mancher Kritiker setzte ihm zunächst mächtig zu: Einigen lachte Lippert zu laut, anderen fehlte der Witz. Nach nur einem Jahr servierte das ZDF den Ost-Entertainer ab, weil Gottschalk von RTL zurückkehrte und seine alte Show wieder übernahm. 15,36 Millionen Zuschauer waren dabei, als Lippert seine neunte und letzte Sendung vor der Rückkehr seines Vorgängers moderierte. „Lippi“ wurde Deutschlands meistgesehener Showmaster des Jahres 1993.

Nach „Wetten, dass..?“ hatte er nochmal TV-Pech: Bei der „Goldmillion“-Familienshow wurde ihm zwar ein „gelungener Einstand“ bescheinigt. Allerdings kamen ihm zunehmend die Zuschauer abhanden. Die Sendung wurde von Samstagabend auf Donnerstagabend verlegt – und 1995 ganz eingestellt. Danach moderierte Lippert „Wenn. Dann…Die Show!“ im KiKa und entwickelte im Auftrag des Deutschen Bundestages die Politshow „Politibongo“, die Kindern Demokratie erklärt.

In den 90er Jahren gab es mehrere private Tiefschläge: Der Entertainer fiel auf mehrere Betrüger herein und musste Privatinsolvenz anmelden. Auch der Kauf eines Kiez-Kinos in Berlin-Friedrichshagen brachte ihm kein Glück. Zu allem Überfluss gelangte er noch mit einer im Baumarkt mitgenommenen unbezahlten Zange in die Boulevard-Blätter.

Der Showmaster ist auch Schauspieler. Die DDR-TV-Legende Herbert Köfer (95) holte ihn etwa 2001 für „Eine total verrückte Entführung“ auf die Bühne des Volkstheaters Hansa in Berlin-Moabit. Seit 2000 spielt Lippert bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen mit – vor 6000 bis 8000 Zuschauern je Abend. Dieses Jahr ist er bei der 25. Auflage der Festspiele wieder mit dabei.

Bei seinem Heimatsender, dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), moderiert „Lippi“ derzeit einen Rückblick auf den DDR-TV-Hit „Ein Kessel Buntes“. „Wir sind glücklich über die hohe Quote und die gute Akzeptanz“, sagt er über seinen Job bei der „schönen Vintage-Retro-Show“.

„Statt immer nur im Mittelpunkt zu stehen, habe ich selbst meine eigene Mitte gefunden“, schreibt er in seiner Autobiografie. „Ich nehme meine Kraft aus der Lust für das, was ich mache“, sagt er kurz vor dem 65. Geburtstag. Und wie hält er sich fit? „Ich bewege mich gerne. Ich benutze selten Fahrstühle, laufe Treppe, fahre viel Fahrrad und Inline-Skates“. Aber manchmal nimmt sich selbst der immer elektrisiert wirkende Entertainer eine echte Ruhepause. „Manchmal halte ich irgendwo an, setze mich auf einen Baumstumpf, höre den Bienen zu und erde mich wieder.“ (Sophia-Caroline Kosel, dpa)