Dienstag, 21. Februar 2017, 16:20 Uhr

Franziska Wiese macht Hartz-IV-Empfänger glücklich

„Leidenschaft zur Musik“ – das ist üblicherweise die Antwort, die Musiker oder Schlagersänger mit Leib und Seele darauf geben, warum sie in dieser Branche sind.

Franziska Wiese: „Mein Schlager erreicht die Hartz-IV-Empfänger“
Wiese in Husum bei den Aufnahmen ihres ersten Albums. Foto: SWR/C-Films

Newcomer-Schlagersängerin Franziska Wiese (29) – früher auch unter dem Pseudonym Frencis bekannt – gab letzte Woche bei einer Gesprächsrunde mit dem Filmemacher Arne Birkenstock am Rande der Berlinale einen anderen, recht irritierend anmutenden Grund an. Und der stehe offenbar in engem Bezug mit „Hartz-IV-Empfängern“, wenn man ihre Ausführungen interpretiert. Die Sängerin hat mit „diesem Publikum“, vor dem sie offenbar auch regelmäßig auftritt, dann auch schon ihre positiven Erfahrungen gemacht. Sie arbeitete früher nämlich selbst bei der „Hartz-IV-Behörde“ (Jobcenter), wie sie in der Podiumsdiskussion erklärte, an der u.a. auch Schlager-Ikone Jürgen Drews – teils mit großer Verwunderung – teilnahm. (Hier geht’s auch zu dem Video-Mitschnitt).

Dieser womöglich lästige Job ist für Frau Wiese mittlerweile Vergangenheit, aber sie sei dankbar, dass sie dadurch schon „genau dieses Publikum dort kennenlernen konnte“. Die Sängerin sagte dazu: „Ich konnte DENEN [Anm.: offenbar durch die Arbeit im Jobcenter] nicht helfen, deshalb habe ich diesen Beruf dann gekündigt, kann mich aber jetzt sehr sehr gut in diese Lage hineinversetzen und ich mache DIESE MENSCHEN glücklich und deshalb singe ich Schlager.“ Na, da werden sich doch die „armen, bemitleidenswerten Hartz-IV-Empfänger“ (die mit Wieses Augen offenbar eine ganz spezielle Sorte von Schlagerfans zu sein scheinen) sicherlich freuen.

Franziska Wiese macht Hartz-IV-Empfänger glücklich
Franziska Wiese bei der Aufzeichnng der kommenden MDR-Show „Meine Schlagerwelt“ mit Ross Antony. Foto: Becher/WENN.com

Wer so herablassend über das eigene Publikum oder generell über Menschen spricht, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen, sollte sich nicht zu wundern, wenn vielleicht irgendwann einmal der eigene Erfolg ausbleibt. Eines ist für uns klar: solche Aussagen erhöhen nicht gerade den Sympathiefaktor…

TV-Tipp: Am Mittwoch, 22. Februar läuft um 23.00 der 90-minütige Dokumentarfilm „Schlagerland“ von Arne Birkenstock. macht das Schlagerland Deutschland aber eigentlich aus? Wo und wie existiert es? Und was macht es so unwiderstehlich? Der Film blickt in die Provinz und auf die Großbühnen der Städte, da, wo der Schlager lebt und geht auf Spurensuche nach diesem Phänomen einer deutschen Massenkultur. Er schaut hinter die Kulissen und fragt nach persönlichen Werdegängen und emotionalen Begegnungen zwischen Publikum und Künstlern. Die Reise durch das deutsche Schlagerland führt zu berühmten Künstlern, Nachwuchssängern – und ihren treuesten Fans.

Der Film begleitet u.a. eben auch Franziska Wiese, die zum neuen Schlagerstar aufgebaut werden soll und dabei das Auf und Ab einer Branche durchleidet, die auf der Bühne gute Laune verbreitet und hinter den Kulissen von enormen Druck und Wettbewerb geprägt ist… (CS)