Mittwoch, 22. Februar 2017, 19:48 Uhr

Filmkritik "Bibi & Tina 4": Ganz schön viel Politik im Hexenland

Politik und Persiflage im Hexenland: Teil vier der Kino-Jugendfilmreihe „Bibi & Tina“ greift viele brennende aktuelle Themen auf.

Filmkritik "Bibi & Tina 4": Ganz schön viel Politik im Hexenland
Der Hauptcast von „Tohuwabohu total“ Emilio, Bibi, Adea, Tina, Alexander. Foto: Andreas Schlieter/DCM

Zwangsheirat, Flüchtlingskrise und eine Persiflage auf Donald Trump: Passt so viel Politik in einen Jugendfilm? Oh ja! Wenn man sie humorvoll verpackt. Und wer könnte das, wenn nicht Detlev Buck? Der Regisseur hat sich mit den Filmen um die junge Hexe Bibi Blocksberg und ihre beste Freundin Tina einen ebenso liebevollen wie versponnenen Hippie-Blick auf die Welt angeeignet. Mit all den brennenden Themen, die Teil vier der Reihe verhandelt, ist „Bibi & Tina – Tohuwabohu Total“ jedenfalls das wohl verrückteste Abenteuer, das die beiden Mädchen bisher bestehen mussten.

Zu Beginn genießen Bibi (Lina Larissa Strahl) und Tina (Marie Koroll) die Sommerferien mit ihren Pferden. Da kommt das nächste Abenteuer aus dem Busch: Ein Junge macht sich über ihre Suppe am Lagerfeuer her! Als sie ihn erwischen, freunden sie sich mit ihm an und geben ihm zu essen.

Doch irgendetwas ist komisch an dem Jungen, der sich Aladin nennt und als syrischer Flüchtling ausgibt. Schnell fliegt seine Tarnung auf: Eigentlich ist er ein Mädchen und heißt Adea (Lea van Acken). Die Ausreißerin flieht vor ihrem Onkel und ihren Cousins, die sie in Nordalbanien zwangsverheiraten wollen. Das können Bibi und Tina nicht zulassen. Mit Tricks und ein wenig Hexerei helfen sie Adea. Doch dann kehrt sie plötzlich freiwillig zu ihrer Familie zurück. Bibi und Tina beschließen, dem Sinneswandel ihrer neuen Freundin auf den Grund zu gehen.

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Ein Forstarbeiter (Fynn Kliemann) zeigt Graf Falko (Michael Maertens) die zu fällenden Bäume. Foto: Andreas Schlieter/DCM

Graf Falko (herausragend komisch: Michael Maertens) hat auf Schloss Falkenstein derweil mit dem Immobilienhai Trumpf zu kämpfen, der nicht nur dem Namen nach einem berühmten US-Vorbild ähnelt, sondern auch äußerlich: mit seinem orangebraunfarbenen Teint, einer goldenen Haartolle und ebenso eindeutigen wie irren Zitaten, zum Beispiel: „Niemand baut Mauern besser als ich!“

Politik in einem lustig-leichten Jugendfilm zu verpacken: Das gelingt Detlev Buck zwar erstaunlich gut, aber die ironische Darstellung der genannten Themen birgt auch eine Gefahr – die der allzu naiven Vereinfachung. So leicht wie auf der grellbunten Leinwand lassen sich Konflikte in der realen Welt nun einmal nicht lösen.

Filmkritik "Bibi & Tina 4": Ganz schön viel Politik im Hexenland
Alex (Louis Held) will die Tohuwabohus im Schloss spielen lassen. Foto: Andreas Schlieter/DCM

Trotz der schablonenhaften Weltsicht gelingt die politische Version von Bibis Zauberland. Denn: Manchmal kommt selbst Bibi mit ihrer Hexerei nicht weiter und braucht Hilfe von ihren Freunden – und sogar Feinden. So muss die Hexe lernen, dass selbst sie Probleme nicht immer mit ein bisschen „Hex, hex!“ lösen kann.

Alles in allem aber liegt über dem Film wieder ein naiv-hoffnungsfroher Glimmer. Wie der Regisseur das macht? Vor allem mit Slapstick-Szenen, Verfolgungsjagden, kreativen Kostümen und einer rasanten Filmmusik, die wieder aus der Feder der Liedschreiber Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Daniel Faust kommt.

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Freddy (Max von der Groeben) kommt mit dem Motorrad an. Foto: Andreas Schlieter/DCM

Mitreißend sind vor allem die Blechbläserklänge der Balkanpop-Stücke. Ein weiterer Höhepunkt ist das Lied „Muss ich haben“: ein konsumkritisches Hiphop-Stück, in dem die albanischen „Bösewichte“ nach dem Vorbild US-amerikanischer Rapper mit dicken Ketten und Schlabberklamotten rappen und eine Truppe Mädchen in grellbunten Kostümchen hohe Singpartien trällern. Ein Videoclip mitten im Film – so lustig, dass auch viele erwachsene Zuschauer daran ihre Freude haben dürften. Und wenn man sich auf die Maxime von Liebe, Friede und Glückseligkeit in einer plakativen Jugendabenteuerversion einlassen mag, ist der Film ein großer Spaß. (Franziska Bossy, dpa)

Bibi & Tina – Tohuwabohu Total, Deutschland 2016, 110 Min., FSK o.A., von Detlev Buck, mit Lina Larissa Strahl, Marie Koroll, Lea van Acken.