Montag, 27. Februar 2017, 13:18 Uhr

Sarah Alles: Großes Theater mit Maria Furtwängler in Berlin

Am Samstagabend feierte Schauspielerin Sarah Alles zusammen mit ihren Ensemblekollegen die Premiere des Stückes „Alles muss glänzen – The Homemaker“, welches bis zum 26. März am Theater am Kurfürstendamm in Berlin läuft.

Sarah Alles: Großes Theater mit Maria Furtwängler in Berlin
Foto: Marcel Weisheit

In Noah Haidles apokalyptischer Komödie spielt sie an der Seite von Maria Furtwängler weit mehr als den trotzköpfigen Teenager Rachel. Im Stück rührt sie an einer der zentralsten Fragen überhaupt: „Wieso geben wir uns so viel Mühe für das Abendessen, wenn die Welt untergeht“?

Jetzt bist du im Theater am Kurfürstendamm im Stück „Alles muss glänzen – The Homemaker“ zu sehen. Eine santinis-Produktion – wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Die Idee der Santinis kam dem Produzenten Ivan Vrgoc bei einem Schauspiel Workshop von Larry Moss. Ivan – selbst auch Schauspieler – hatte die Vision eines Ensembles, das sich immer wieder für besondere Stücke zusammenfindet. Maria Furtwängler, Pasquale Aleardi, Nicole Marischka und ich waren ebenfalls in dem Workshop und so kam es, dass Ivan uns zusammenbrachte für die erste Santinis Produktion „Gerüchte, Gerüchte“. Auch für die 3. Santinis Produktion „eine Familie“ war ich wieder mit von der Partie und anscheinend gefällt, was ich da fabriziere. (lacht) Daher freue ich mich immer wieder, wenn ich in die Santinis-Familie eintreten darf!

Was macht dieses Stück so besonders?
Der Stoff ist teilweise sehr zeitgemäß. Draußen geht die Welt unter, aber eigentlich macht jeder weiter als sei nichts geschehen. Im Stück verunglückt mein Freund tödlich beim Abiball – ich komme nach Hause, und meiner Mutter ist es gleichgültig, ihr geht es nur um ihr Abendessen. Eine gewisse Gleichgültigkeit ist manchmal leider auch in unserer heutigen Gesellschaft zu erkennen. Donald Trump ist Präsident, CETA ist abgesegnet, und trotzdem geht das Leben bei vielen weiter, ohne dass sie sich über die Folgen der Umstände Gedanken machen oder die Dinge hinterfragen.

Du spielst eine Tochter, die sich im besten Teenageralter befindet. Konntest du in deiner Rolle auch Momente aus deiner eigenen Jugend wieder entdecken?
Rachel ist sehr unsicher in der Welt und mit sich. Dieses Gefühl, sich in all dem Trubel der Welt verloren vorzukommen, kennen wahrscheinlich viele Jugendliche. Mir hilft es, mich in solchen Momenten daran zu erinnern, was ich mit meiner Kunst erreichen möchte und was meine Ziele im Leben fernab des Berufes sind.

Sarah Alles: Großes Theater mit Maria Furtwängler in Berlin
Maria Furtwängler. Foto: Marcel Weisheit

Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet? Wie lange habt ihr geprobt?
Wir haben 4 Wochen in der Nähe vom Tegernsee und anschließend eine Woche auf der Hauptbühne am Ku’damm geprobt. In der Vorbereitungsphase versuche ich erst einmal herauszufinden, was meine Figur in jeder einzelnen Szene möchte, dann schaue ich, was sie daran hindert es zu bekommen. Im nächsten Schritt beobachte ich meinen Spielpartner in den Proben und versuche die Beziehung so real wie möglich werden zu lassen und auf alles, was mir der Partner gibt, zu reagieren. Im letzten Schritt lege ich alles Theoretische beiseite und lebe einfach nur in der jeweiligen Szene.

Hattet ihr die Möglichkeit auch eigene Erfahrungen in die Charaktere einfließen zu lassen?
Wir wurden sogar vom Regisseur dazu aufgefordert. „Make it personal“ sagt er immer. Jeder Konflikt, jeder Moment der Liebe, soll sowohl ein Moment der Figuren sein, als auch ein Moment der Darsteller. Das sind die Momente, die die Zuschauer in den Bann ziehen, weil sie echt sind.

Deine Theater-Mutter, gespielt von Maria Furtwängler kocht gerne – wie sieht es mit deinen Kochkünsten aus?
Ich liebe es zu kochen, dabei achte ich auf gesunde Zutaten und darauf, woher sie kommen. Als wir gemeinsam am Tegernsee geprobt haben, haben wir im Team oft gemeinsam gekocht, das fühlte sich dann wirklich wie Familie an.

Wie war es mit einer so erfahrenen Schauspielerin zu spielen?
Maria ist einfach toll. In der Voraufführung hat sie einen spontanen Spielvorschlag gemacht, den wir so noch nie geprobt hatten. Ich bin dann darauf eingestiegen und dem Publikum hat es gefallen. Wir hatten einen riesen Spaß! Ich liebe es, unmittelbar Dinge auf der Bühne zu erfinden, so wird es nie langweilig. Aber es erfordert auch Mut, denn nicht immer funktioniert auf Anhieb, was man erfindet. (lacht)

Was machst du um von einem anstrengenden Probentag am Theater abschalten und neue Kraft tanken zu können?
Ab zu Chimosa, meinem Kampfsport-Studio in Berlin. Dort zu sein, ist wie kurz in den Urlaub zu fahren! Beim Training kann ich den Kopf abschalten und die Gedanken kommen zur Ruhe. Sportliche Betätigung löst in meinem Körper kleine Glückexplosionen aus, danach fühle ich mich wie neugeboren!

Hast du mit Lampenfieber zu kämpfen bevor du auf die Bühne gehst?
Ja, meistens erst kurz vor dem Auftritt, wenn ich schon im Dunkeln hinter der Bühne stehe und mein Herz mir bis zum Hals schlägt! Aber ich liebe dieses Gefühl. Es ist bei mir eher wie eine positive freudige Aufregung. Ich merke dann wie lebendig ich bin. Ich glaube, ich bin mittlerweile sogar ein bisschen süchtig danach (lacht)

Hast du ein Ritual um dich auf die Auftritte vorzubereiten?
Wir haben ein gemeinsames Ritual. Kurz vor der Vorstellung nehmen wir uns alle bei den Händen, jemand schlägt einen Satz vor. Diesen sagen wir dann zusammen 3 Mal hintereinander, immer lauter werdend, das letzte Mal ist fast geschrien. Das gibt mir immer eine gute kribbelnde Energie und ich werde von Vorfreude erfüllt, auf die Bühne zu gehen!