Samstag, 04. März 2017, 20:11 Uhr

Am Sonntag: Rückkehr von "Schulz & Böhmermann"

Jan Böhmermann schlüpft erneut in seinen zweiten Anzug – in den des Talkmasters. Die ersten Ausgaben seines Retro-Gesprächsabend „Schulz & Böhmermann“ liefen etwas durchwachsen. Nun geht es weiter – und es wird sich zeigen, ob die Show mehr ist als nur eine Verheißung.

Am Sonntag: Rückkehr von "Schulz & Böhmermann"
Foto: Ben Knabe/ZDF

Zigarettenqualm, Tischmikros, fahles Licht und Vorhang auf – mit „Schulz & Böhmermann“ kehrt an diesem Sonntag (23.15 Uhr) auf ZDFneo eine Talkshow auf den Bildschirm zurück, die man leicht von anderen unterscheiden kann. Sie sieht einfach anders aus – halb wie ein Kammerspiel, halb wie ein Film aus den 60er Jahren, nur ohne Heinz Erhardt. Dafür aber mit Jan Böhmermann, für den der Talk mit Olli Schulz zum zweiten größeren Fernsehformat neben seinem „Neo Magazin Royale“ (ZDF und ZDFneo) geworden ist.

„Schulz & Böhmermann“ trat einst allerdings nicht nur mit dem Anspruch an, eine andere Optik zu bieten. Auch der Inhalt sollte sich von gewohnter Talkshow-Kost unterscheiden, es war eine Art Experiment. Böhmermann formulierte es zu Beginn der ersten Folge selbst: „Hier wird kein Gast nach dem anderen abgehakt. Sondern wir versuchen so etwas wie ein echtes Gespräch. Das kann funktionieren. Das kann aber auch nicht funktionieren. Wie ein echtes Gespräch halt.“

Man kann wohl sagen: Erst mit der nun beginnenden neuen Staffel wird sich zeigen, ob das Experiment letztlich gelungen ist. Die erste Staffel umfasste nur vier Folgen und ein Best-Of. Die Gäste waren zwar stets interessant, gelegentlich hakte aber erkennbar der Gesprächsfluss am Tisch. Auch beim Fernsehpublikum ließ die Show damals Federn – nach gutem Start ging die Quote zurück. Zeitweise galt es daher als unklar, ob es eine Fortsetzung geben wird. Die gibt es aber nun – sogar mit mehr Folgen und über einen längeren Zeitraum.

Denn die größte Veränderung zur ersten Staffel dürfte die Taktung sein. Statt wöchentlich talken Böhmermann und Schulz nun monatlich – immer am ersten Sonntag im Monat. Die Staffel wird sich so bis in den Dezember ziehen.

Am Sonntag: Rückkehr von "Schulz & Böhmermann"
Foto: Ben Knabe/ZDF

Die beiden Gastgeber kann man als eingespieltes Duo bezeichnen. Sie ergänzen sich, weil der Musiker Schulz mit seinem oft schnoddrigen Ton Böhmermann etwas entgegensetzen kann und sich eine Distanz zum restlichen Medien-Betrieb zugesteht. Nach ihrer Radioshow „Sanft & Sorgfältig“ beim RBB (radioeins) spielen sie sich mittlerweile im Podcast „Fest & Flauschig“ auf Spotify die Bälle zu.

Es wirkte wie eine natürlich Fortschreibung, als Schulz 2016 auch im Fernsehen neben Böhmermann Platz nahm. Er ersetzte damals in gewisser Weise Autorin Charlotte Roche („Feuchtgebiete“), mit der Böhmermann die – na klar – Retro-Talkshow „Roche & Böhmermann“ moderiert hatte.

Die Gäste der ersten neuen Folge sind bereits bekannt. Nach Angaben des ZDF werden Uschi-Glas-Sohn Ben Tewaag, Musiker Schorsch Kamerun („Die goldenen Zitronen“), Journalistin Laura Himmelreich und der Sozialpsychologe Rolf Pohl am Tisch Platz nehmen. Himmelreich stieß einst mit einem Artikel über den FDP-Politiker Rainer Brüderle eine Sexismus-Debatte an. Pohl ist Autor des Buches „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“. Klingt nach einem Experiment. Könnte gelingen. (Jonas-Erik Schmidt, dpa)