Montag, 13. März 2017, 22:13 Uhr

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!

Wann haben Sie zum letzten Mal im Kino geweint, weil es einfach so schön war? Vielleicht bei „La La Land“. Ähnlich zauberhaft ist „Die Schöne und das Biest“, die Neuverfilmung des Disney-Klassikers von 1991. Reingehen, Kitsch-Radar ausschalten und sich verzaubern lassen.

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!
Belle (Emma Watson). Foto: 2016 Disney Enterprises, Inc.

Erst „La La Land“, jetzt „Die Schöne und das Biest“: Im Kino ist wieder Zeit für die ganz großen Gefühle. Liebe, Kummer, Eifersucht und selbstverständlich die volle Ladung Romantik erwarten die Zuschauer in der Neuverfilmung des Disney-Klassikers von 1991. „Twilight“-Regisseur Bill Condon hat den Zeichentrickfilm behutsam und fantasievoll modernisiert. Mit Emma Watson als Belle und Dan Stevens als Monster hat er eine Hommage an starke, selbstbewusste Frauen und an die wahre Liebe geschaffen. Wie sich „Die Schöne und das Biest“ ganz langsam ineinander verlieben, ist zum Dahinschmelzen und einfach wunderschön. Ein Tipp für Kinogänger: Zurücklehnen, den Kitsch-Radar ausschalten und sich zwei Stunden lang verzaubern lassen.

Die Geschichte beruht auf einem französischen Märchen aus dem 18. Jahrhundert. Die hübsche Belle liest lieber Bücher, als sich herauszuputzen. Dafür wird sie im Dorf schief angesehen und sogar beschimpft. Die Werbeversuche des dumm-dreisten Schönlings Gaston (Luke Evans) weist sie empört ab.

Als ihr Vater (Kevin Kline) verschwindet, landet sie auf der Suche nach ihm in einem Schloss und wird Gefangene eines furchterregenden Monsters.

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!
Das Biest (Dan Stevens) mit Kerzenleuchter Lumière. Foto: 2016 Disney Enterprises, Inc.

Der verwinkelte Bau ist verwunschen. Kerzenleuchter, Teekannen, Uhren und andere Gerätschaften sind die Diener und halten das Haus in Schuss. Sie hoffen, dass Belle sich in den hässlichen Schlossherren verliebt, denn dann werden sie von dem Fluch erlöst und bekommen ihre alte, menschliche Gestalt zurück. Auch das Biest würde dann wieder ein attraktiver Prinz. Doch das mit der Liebe ist gar nicht so einfach, auch wenn Belle bald merkt, dass ihr Gastgeber eigentlich ganz nett ist, Bücher über alles liebt und sogar Shakespeare rezitieren kann.

Watson, die allwissende Hermine aus „Harry Potter“, ist eine Disney-Prinzessin wie aus dem Bilderbuch. Hübsch, zielstrebig und adrett. Dass sie obendrein klug und selbstbewusst ist, passt zum modernen Image, dass der Filmkonzern seinen Protagonistinnen mittlerweile gerne verleiht. Schon im französischen Ursprungsmärchen aus dem 18. Jahrhundert ist Belle diejenige, die das Biest erlösen muss.

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!
Gaston (Luke Evans) macht Belle einen Heiratsantrag. Foto: 2016 Disney Enterprises, Inc.

Condon hat ihre Figur nun noch weiterentwickelt. Jetzt hat sie eindeutig und selbstverständlich die Zügel in der Hand und bestimmt selbst, ob und in wen sie sich verliebt. Letztlich ist es die Geschichte von zwei Außenseitern, die für ihr Anderssein verachtet und am Ende sogar verfolgt werden, wenn das Volk wutentbrannt mit Fackeln zum Schloss marschiert, um das Biest zu töten.

Der Film erzählt diese Liebesgeschichte völlig unaufgeregt. Condon nimmt sich Zeit, die Charaktere zu entwickeln. Und er setzt auf Humor. Etwa wenn das Biest seinen Kopf über den Teller senkt und die Tomatensuppe aufschlabbert. Belle ist erst entsetzt, hebt dann aber in einer sympathischen Geste selbst ihren Teller zum Mund und trinkt daraus. Ein verschwörerisches Grinsen zwischen beiden.

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!
Madame Pottine, Lumière und Plumette. Foto: 2016 Disney Enterprises, Inc.

Bemerkenswert ist auch der Gefährte Gastons, LeFou, der in dieser Verfilmung offen schwul ist und für den kraftstrotzenden Gaston mehr als nur kameradschaftliche Gefühle hegt. Nicht mehr als eine zarte Andeutung, für Politiker in Russland aber zu viel des Guten. Dort soll der Film erst ab 16 Jahren freigegeben werden, da unter dem Vorwand eines Märchens „eine offensichtliche und schamlose Sünde“ gezeigt werde.

Condon zögerte anfangs, die Regie zu übernehmen. „Für mich ist der Film von 1991 perfekt“, erklärte er. Doch die neuen technischen Möglichkeiten reizten ihn: Es sei zum ersten Mal möglich, eine fotorealistische Version einer sprechenden Teetasse in einem realen Filmset zu kreieren. Das ist in der Tat gelungen. Alle sind sie dabei und perfekt in Szene gesetzt: Der dreiarmige Kerzenleuchter Lumière, die Kaminuhr oder die Teekanne Pottine, im Original gesprochen von Emma Thompson. Gleichzeitig bewahrte Condon vieles aus der alten Fassung, so auch die oscar-gekrönte Musik, die Komponist Alan Menken mit Tim Rice um ein paar neue Songs ergänzte.

Filmkritik "Die Schöne und das Biest": Was für ein Zauber!
Das Biest (Dan Stevens). Foto: 2016 Disney Enterprises, Inc.

Den Titelsong darf Thompson singen als Teekanne in der wohl berühmtesten Szene des Films: Wenn Belle im bauschigen Prinzessinnenkleid mit dem Biest im Ballsaal tanzt. Funkelnde Sterne, Feuerwerk und schmelzende Geigen. Ein Moment des höchsten Glücks, bei dem man ruhig ein paar Tränen verdrücken darf. Um mit der singenden Madame Pottine zu sprechen: „Märchen schreibt die Zeit, immer wieder wahr, eben kaum gekannt, dann doch zugewandt, unerwartet klar.“ Romantik pur – Herz, was willst du mehr? (Cordula Dieckmann, dpa)