Mittwoch, 22. März 2017, 20:43 Uhr

Filmkritik "Power Rangers": Superheld zu sein, ist harte Arbeit!

Irre in Morphsuits prügeln sich zu jaulenden Gitarren mit anderen Irren in Morphsuits. Das ist die TV-Serie „Power Rangers“. Jetzt kommt eine Neuerzählung ins Kino, die sich um einen wertigeren und düsteren Look bemüht. Und sogar ein bisschen um Tiefgang.

Filmkritik "Power Rangers": Superheld zu sein, ist harte Arbeit!
Kampfbereit: Pink Ranger (Naomi Scott), Blue Ranger (RJ Cyler), Red Ranger (Dacre Montgomery), Black Ranger (Ludi Lin), Yellow Ranger (Becky G). Foto: Studiocanal

Wer erinnert sich noch an die fünf Teenager, die durch den Fund außerirdischer Power-Münzen Superkräfte bekommen? Seit 1993 springen sie in grellen Strumpfhosen und Plastikmasken über TV-Bildschirme. Zu jaulenden Gitarrenriffs verkloppen sie Aliens mit Schweinegesichtern und retten immer wieder die Welt vor einer irre lachenden Hexe vom Mond. Millionen sind mit dieser trashigen pubertären Wunscherfüllungs-Fantasie groß geworden.

Zum Beispiel der südafrikanische Jungregisseur Dean Israelite, geboren 1984. „Ich erinnere mich noch genau daran, wie stark man sich nach der Sendung fühlte“, sagt er. Mit dem Lionsgate-Studio und Produzent Haim Saban, der die Serien-Idee einst aus Japan mitbrachte, bringt Israelite jetzt einen neuen Langfilm heraus, der die Serienhandlung für eine jüngere Zuschauer-Generation von vorne erzählt.

Nach „Power Rangers – Der Film“ (1995) und „Turbo: Der Power Rangers Film“ (1997) ist „Power Rangers“ der dritte im Serien-Universum. Von der billigen Fernseh-Ästhetik und quietschbunten Unbeschwertheit der Neunziger ist dabei diesmal nichts übrig. Die fünf Kleinstadt-Schüler, die sich beim Nachsitzen treffen, sollen echte Teens mit echten Außenseiter-Problemen sein: Cheerleaderin Kimberley (Naomi Scott) hat ein kompromittierendes Selfie geteilt und wird seitdem geschnitten. Jason (Dacre Montgomery) hat jüngst mit Pauken und Trompeten seine Football-Karriere verspielt. Der inselbegabte Billy (RJ Cyler) hat seine Brotdose in die Luft gesprengt. Zack (Ludi Lin) pflegt im Trailerpark seine todkranke Mutter und schwänzt ständig. Und Trini (Becky G) fühlt sich einfach allgemein pubertär unverstanden. Als die Fünf eines Tages mehr oder weniger zufällig zur gleichen Zeit in der alten Goldmine abhängen, in der Billy etwas herumsprengt, finden sie die Power-Münzen.

Filmkritik "Power Rangers": Superheld zu sein, ist harte Arbeit!
Foto: Studiocanal

Der sterbende Weltretter Zordon (Breaking-Bad-Hauptdarsteller Bryan Cranston) hat die Münzen 65 Millionen Jahre zuvor mit letzter Kraft vergraben und ihnen eingeschärft: Sucht als meine Nachfolger nur die, die würdig sind! Jetzt coacht sein Geist die fünf Aspiranten zur Konfrontation mit der goldfressenden Hexe Rita Repulsa (Elisabeth Banks). Die plant die Zerstörung der Erde, weil… na ja, ist ja auch egal, warum. Weil sie böse ist.

Auf eines legen die Macher des Films großen Wert: Superheld zu sein, ist harte Arbeit. Neben Blut und Schweiß erfordert es auch Teambuilding und Persönlichkeitsoptimierung. Lange erzählt der Film deshalb die Ranger-Werdung der Schicksalsgemeinschaft. „Sind wir Power Ranger? Oder sind wir Freunde?“, fragt Zack mit ernster Miene im Krisenmoment vor dem Lagerfeuer. Bevor er mit einem ziemlich plötzlichen Seelenstriptease vor den anderen selbst die Antwort gibt.

Filmkritik "Power Rangers": Superheld zu sein, ist harte Arbeit!
Trini (Becky G) in den Fängen von Rita Repulsa (Elizabeth Banks). Foto: Studiocanal

Das ist stellenweise erhebend, kommt aber über weite Strecken genauso pathetisch daher, wie es sich anhört. Besonders wohlfeil wird es etwa, wenn die Fünf erst lernen müssen, dass man nur gemeinsam stark ist, bevor sich ihre Rüstungen materialisieren. Die letzte halbe Stunde werden Ritas Steinhaufen-Handlanger und ein meterhohes Supermonster aus flüssigem Gold verkloppt. Um Schauspiel geht es da nicht mehr. Das war aber auch zuvor kein Alleinstellungsmerkmal dieses Films.

Einzige Ausnahmen: RJ Cyler (Billy) mit seinem impulsiven Spiel und Bryan Cranston, der als mimisch virtuoser Geist in der Raumschiffwand die Effekt-Spezialisten an ihre Grenzen führt. Cranston hat schon in der Serie von 1993 einigen Ungeheuern seine Stimme geliehen. „Ich habe damals gelernt, wie man eine Geschichte und deren Emotionen allein durch den Klang der Stimme erzählt. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung“, sagt er. Was im Drehbuch unterkomplex bleibt, können die beiden aber auch nicht herausreißen.

Filmkritik "Power Rangers": Superheld zu sein, ist harte Arbeit!
Ludi Lin als „Zack“. Foto: Kimberly French.

„Power Rangers“ ist ein zeittypisch düsterer Neustart der schrillen Neunziger-Serie. Er bemüht sich sogar immer wieder um Tiefgang. Bloß zu viel davon sollte man nicht erwarten. Wer auf computeranimierte Kampfroboter nach Machart der „Transformers“ steht, wird sicher seinen Spaß dran haben. (Fabian May, dpa)