Donnerstag, 23. März 2017, 19:57 Uhr

Konzertbericht: Andreas Gabalier geht wieder auf Tour

Das „Phänomen Gabalier“ geht auf Tournee – und ein wenig ist es wie Oktoberfest im März. Doch springt der Funke des Alpenrockers auch über, wenn die Stimmungshits auf Streichinstrumenten gespielt werden?

Konzertbericht: Andreas Gabalier geht wieder auf Tour
Andreas Gabalier kommt in Mannheim ganz schön ins Schwitzen. Foto: Uwe Anspach

Fast drei Stunden Liebeslieber in Lederhosen: Österreichs selbst ernannter „Volks-Rock’n’Roller“ Andreas Gabalier gibt beim Tournee-Auftakt in Mannheim alles. „Wahnsinn, danke – das fühlt sich an wie eine große Familie“, ruft der 32-Jährige am Ende den mehr als 2200 Besuchern in der Rosengarten-Halle zu. Da liegt hinter dem „Phänomen Gabalier“, wie die Fachpresse den Musiker gerne nennt, ein Parforceritt durch seine bisherige Karriere. Beim Höhepunkt, dem Mundart-Stimmungshit „Hulapalu“, steht die Halle Kopf. Zu Beginn seiner Unplugged-Tournee überwiegen aber die leisen Töne.

Bei großen Shows kann man mogeln, aber in einem solch kleinen Rahmen werde ich genau beobachtet„, meint Gabalier. „Normalerweise ist bei meinen Konzerten Rambazamba, hier muss ich auf einem Hocker sitzen.“ Bekannt ist er vor allem für seine Mischung aus Volksmusik und Poprock im steirischen Dialekt. Auch beim Konzert in Mannheim festigen „I sing a Liad für di“ oder „Volks-Rock’n’Roller“ seinen Ruf als Stimmungssänger mit Ziehharmonika. Beim seelenvollen Akustik-Gig der Unplugged-Reihe stehen ruhigere Nummern in klassischer Vertonung im Vordergrund („So liab hob i di“ und „Amoi seg’ ma uns wieder“).

„Wir haben die Songs abgespeckt, damit sie in diesen intimen Rahmen passen“, sagt Gabalier vor dem Konzert. Um Intimität zu erzeugen, braucht ein Künstler gute Lieder. Davon hat Gabalier durchaus einige im Repertoire. „Home Sweet Home“ zeigt einen erstaunlichen Stimmenumfang. Manche Lieder wirken hingegen verkrampft, etwa „You Can’t Always Get What You Want“ – der Rolling-Stones-Song ertrinkt in einem Arrangement aus Gitarrensolo, Mundharmonika und Streichern.

Im Zuschauerraum wirkt die Szenerie an diesem Abend ein wenig wie ein Almauftrieb, rund 700 Kilometer nördlich der Alpen. Viele Zuschauer tragen Tracht: Lederhosen oder Dirndl. Es dominiert das Kleinkarierte – in Rot und Weiß als Hemd. Völlig unpassend ist das nicht: 600 Jahre herrschten die Wittelsbacher am Rhein, und die weiß-blauen Rauten der Herrscherfamilie Bayerns sind vielerorts in Mannheim noch zu sehen.

Konzertbericht: Andreas Gabalier geht wieder auf Tour
Foto: Universal Music

„Ich freue mich, dass meine Songs bundesweit funktionieren“, meint Gabalier. „Die Lieder transportieren vermutlich ein Österreich, das man in Deutschland mit Positivem verbindet.“ Für Kritiker hat Gabaliers Musik eher mit Mitklatsch-Schlagern zu tun als mit traditioneller Volksmusik. Aus einem Satz wie „Zuhause bei dir, Heimat, Herz und Sterne“ lasse sich ein ganzes Gabalier-Album betexten, meinen sie. Andere werfen ihm übertriebene Heimatliebe vor.

„Ich weiß, dass ich polarisiere“, sagt der Sänger am Rande der Auftritts der Deutschen Presse-Agentur. „Meine Musik transportiert ein Lebensgefühl, eine Flucht aus dem Alltag und eine Entschleunigung, nach der sich viele sehnen.“ Gabalier wirkt in Mannheim, als sei er auf einem Höhepunkt seiner Karriere angelangt – die in Deutschland 2011 mit „I sing a Liad für di“ begann. „Es läuft momentan wie im Bilderbuch. Ich genieße das und habe einen richtig breiten Grinser im Gesicht“, sagt der 32-Jährige und kratzt an einer Schwellung unter dem rechten Auge. „Spinnenbiss“, meint Gabalier.

Bis Ende April tritt er neun Mal in Deutschland und drei Mal in Österreich auf. Und wenn der „Volks-Rock’n’Roll“ aus der Alpenrepublik eines Tages nicht mehr funktioniert? „Ich war auch schon Bademeister und Skilehrer“, kokettiert der Sänger. Vorher strebt er aber für September sein nächstes Projekt an: ein Open-Air-Konzert am legendären Hockenheim-Ring für rund 100 000 Zuschauer. Das sei schon „ein wenig Größenwahn“, räumt Gabalier ein. (Wolfgang Jung, dpa)