Sonntag, 26. März 2017, 11:47 Uhr

Konzertbericht Sting: Tourauftakt in Hamburg

Gordon Sumner alias Sting gehört zu den lebenden Legenden im Musikbusiness. Bei seinem Deutschland-Tourauftakt mischte er die Songs seines neuen Albums „57th & 9th“ mit Klassikern von The Police – und gab sich familiär, weltmännisch und authentisch.

Konzertbericht Sting: Tourauftakt in Hamburg
Foto: KIKA/WENN.com

Sting ist früh dran. Zur besten „Tagesschau“-Zeit kommt der als Gordon Matthew Thomas Sumner geborene Brite ganz unprätentiös in T-Shirt und Jeans auf die Bühne; dabei hatten die Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg eigentlich erst mit seiner Support-Band gerechnet. „Guten Abend, meine Damen und Herren“, begrüßt der 65-jährige Musiker zum Tourauftakt vornehm auf Deutsch und stimmt auf der Akustikklampfe das Lied „Heading South On The Great North Road“ ein. Es stammt von seinem im November erschienenen Album „57th & 9th“, auf dem er nach Ausflügen ins Musical-, Orchester- und Weltmusikfach wieder rockigere Töne anschlägt.

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An diesem Abend dient der Song dazu, dem Publikum eine besondere Person aus Stings Leben vorzustellen: „Hier ist mein Sohn, Joe Sumner!“, sagt er nach ein paar Akkorden. Joe Sumner, der auch schon 40 Lenze zählt, stimmt unter viel Jubel in den Gesang des Vaters ein, und es ist rührend und erstaunlich zugleich, wie ähnlich die beiden klingen und auch noch ausschauen. Der Sting-Spross singt noch ein paar Akustik-Stücke alleine, danach heizt die texanische Supportband The Last Bandoleros den Menschen im übervollen Innenraum der Halle ein.

Konzertbericht Sting: Tourauftakt in Hamburg
Ganz der Herr Papa: Joe Sumner. Foto: JLN Photography/WENN.com

Wenig später kommt Sting zurück. Begleitet wird er nun von einer sechsköpfigen Band, zu der sich auch sein Sohn gesellt. Als Dutzende Scheinwerfer die Bühne in rotes Licht tauchen und er „Englishman in New York“ anspielt, gibt es den ersten Zwischenapplaus. Auch die im Anschluss dargebotenen neuen Stücke „I Can’t Stop Thinking About You“ und „One Fine Day“ kommen prima an. Stings Konzert ist so schnörkellos wie er selbst, es geht ihm allein um die Musik. Davon hat der mit 16 Grammys ausgezeichnete Künstler in 40 Jahren so reichlich angesammelt, dass er für einige Gänsehaut-Momente sorgt.

Als die ersten Klänge von „Fields Of Gold“ ertönen und die Farbe des Lichts auf Goldgelb wechselt, geht ein tiefer Seufzer durchs Publikum. In einer aus den Fugen geratenen Welt gibt Sting den Menschen auch Balsam für die Seele. Mit „Ashes To Ashes“ lässt er Joe Sumner eine Hommage an den im Januar 2016 verstorbenen Kollegen David Bowie singen. Bei „Desert Rose“ zeigt Sting, welch großartiger Arrangeur er auch ist: Das Lied gebärdet sich mit seinen Weltmusikelementen wie ein wilder Ritt durch die Kulturen.

Erstaunlich viele Klassiker seiner ehemaligen Band The Police streut Sting in sein Set, wofür er den größten Applaus erntet. „Message In A Bottle“, „So Lonely“, „Roxanne“ und „Every Breath You Take“ präsentiert er mitunter in abgewandelten Versionen. Emotional wird es noch mal am Schluss, als Sting zur zweiten Zugabe auf die Bühne zurückkehrt. „Ich möchte den Abend nachdenklich beenden“, sagt er und widmet das Lied „Fragile“ den Opfern des Westminster-Anschlags in London vom Mittwoch. Ein würdiger Abschluss für ein tolles Konzert. (Katja Schwemmers, dpa)