Sonntag, 26. März 2017, 18:48 Uhr

Take That über Carpool Karaoke, Jimi Hendrix und ihre Midlife Crisis

Ob als Quintett oder Trio – Take That gehören mit 45 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten britischen Popbands aller Zeiten. Mit „Wonderland“ haben Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen am Freitag ihr achtes Studioalbum veröffentlicht. Gut drauf sind sie, als wir die Drei in London treffen.

Take That über Carpool Karaoke, Jimi Hendrix und ihre Midlife Crisis
Foto: Universal Music

Nur Howard ist sichtlich müde, hat er sich doch mit seinem neugeborenen Sohn Dougie Bear die Nacht um die Ohren geschlagen. Im Interview mit klatsch-tratsch.de-Reporterin Katja Schwemmers erzählen die Jungs von ihrer Midlife-Krise, ihrem Carpool-Karaoke mit James Corden und dem neuen Take-That-Musical.

In Los Angeles habt ihr ein „Carpool Karaoke“ mit James Corden aufgenommen. Wie kam es dazu?
Gary Barlow: James ist ein guter Freund von mir. Er hat vor Jahren mal für eine Dokumentation ein „Carpool Karaoke“ mit mir gemacht, das war quasi ein Vorläufer von dem, was er jetzt in seiner Show macht. Die Idee war diesmal, ein „Carpool Karaoke“ im Rahmen des Wohltätigkeits-Events „Red Nose Day“ aufzunehmen. Wir haben in Los Angeles dann auch noch einen Auftritt mit „Giants“ für seine „The Late Late Show“ aufgezeichnet. Kaum einer der Zuschauer kannte uns, aber es kam trotzdem gut an!

Und ihr seid gar nicht versucht, das mit Amerika weiter auszubauen?
Gary Barlow: Lustig, dass du fragst, denn beim „Carpool Karaoke“ hat uns James quasi aufgedrängt, uns in Amerika groß rauszubringen. Aber nein, wir hätten auch gar nicht die Zeit, uns um Amerika zu kümmern. Ein großer Act in Europa zu sein, bedeutet genug Arbeit. Howard ist ja gerade erst wieder Vater geworden. Wir alle haben fernab des Scheinwerferlichts noch ein Leben, um das wir uns kümmern müssen.

Mark Owen: Ich liebe die USA. Ich bin immer gerne in New York, wo wir ja auch Teile der Platte aufgenommen haben, und L.A. verspricht immer Spaß. Ich könnte mir gut vorstellen, mehr dort zu machen. Auf jeden Fall hatten wir eine großartige Zeit mit James.

Das neue Take-That-Album „Wonderland“ klingt euphorisch, mitunter funkig, hat viele perkussive Elemente und zaubert dem Hörer jede Menge Bilder in den Kopf.
Howard Donald: Das war die Idee! Denn wenn wir Songs schreiben, haben wir immer schon die Live-Tour im Kopf. Deshalb haben wir unser eigenes „Wonderland“ erschaffen, in dem verschiedene Bilder und Gefühlswelten zusammen kommen.

Mark Owen: Unsere Köpfe sind wie eine Collage. Wir sind ja schon etwas länger auf dem Planeten. Wir haben so viel erlebt. Da mischen sich Erinnerungen von Karriere-Höhepunkten mit den Erinnerungen, als du ein Teenager warst. „Wonderland“ ist quasi unser persönliches Sammelalbum.

Gary Barlow: Man denkt immer, es wird einfacher. Aber es war echt schwer, dieses Album so hinzukriegen. In 44 Minuten den Menschen da draußen zu vermitteln, was nicht nur in unseren Leben vor sich geht, sondern was in den letzten anderthalb Jahren in der Welt passierte, ist nicht einfach. Aber das war diesmal unser Anspruch. Auch deshalb haben die neuen Songs so viele unterschiedliche Elemente. Da ist Licht, Aufbruch, die endlose Suche nach Hoffnung – all das sind Themen der Platte. Der Türöffner zu dieser Welt war für uns das Wort „Wonderland“.

Take That über Carpool Karaoke, Jimi Hendrix und ihre Midlife Crisis
Foto: Universal Music

Aber unter der schillernden Oberfläche habt ihr auch die aktuell miese Stimmung in der Welt textlich miteinfließen lassen. Warum war das wichtig, diesbezüglich auch ein Statement abzugeben?
Gary Barlow: Weil Politik überall ist und du ihr nicht mehr entfliehen kannst.

Mark Owen: Selbst meine Kinder sprechen drüber! Ich sehe die Welt mit meinen eigenen Augen, aber auch mit den Augen meiner fünfjährigen Tochter oder meines zehnjährigen Sohnes. Ich nehme all diese Informationen auf. Du wirst dann noch zugeschmissen mit den vielen Meinungen, die die Medien verbreiten. Das alles macht was mit dir. Ich versuche mich zwar immer mehr davon fernzuhalten, aber es ist schwer. Alles ist voll von schlechten Nachrichten, was echt traurig ist. Aber ich versuche positiv zu bleiben und fröhlich – auch für meine Kinder.

Die Kostüme auf eurem Albumcover erinnern an Empire Of The Sun oder die Beatles als Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Wer ist denn verantwortlich für diesen flamboyanten Stil?
Mark Owen: Das müsste Jimi Hendrix gewesen sein – ohne Witz! Denn wir haben „Wonderland“ ja unter anderem in den Electric Lady Studios in New York aufgenommen. Dort herrscht ein sehr psychedelischer Vibe – überall sind diese wirren Bilder. Hendrix guckt dich von den Wänden an. Und ich glaube, das haben wir aufgesogen und davon etwas mit nach Hause genommen.

Seid ihr eigentlich schon in der Midlife-Krise?
Mark Owen: Noch hält es sich in Grenzen. Ich genieße mein Leben ziemlich.

Gary Barlow: Meine Frau findet immer, dass Take That meine Midlife-Krise ist. Als die Band 2006 wieder zusammenfand, meinte sie: „Deine Midlife-Krise könnte nun zehn Jahre andauern.“ Und sie hat Recht: Denn Take That ermöglichen mir, auf die Bühne zu gehen und mich wie 18 zu fühlen. Die Frauen kreischen ja immer noch, wenn sie uns sehen. Aber es ist ja besser, wenn ich meine Midlife-Krise bei Take That auslebe als Zuhause. Meine Frau verabschiedet mich also gerne mit den Worten: „Widme dich deiner Midlife-Krise, ist in Ordnung!“

Im vergangenen Jahr haben viele Musiklegenden den Planeten verlassen. Hat das etwas bei euch ausgelöst?
Howard Donald: Es ist unglaublich traurig. Da ging ja innerhalb kürzester Zeit einer nach dem anderen. Am meisten hat mich der Tod von David Bowie mitgenommen. Wir haben ihn mit der Band auch mal getroffen. Ein paar Tage nach seinem Tod wurde mein Sohn geboren. Den haben meine Frau und ich dann Bowie genannt.

Take That über Carpool Karaoke, Jimi Hendrix und ihre Midlife Crisis
Foto: Universal Music

Mark Owen: Das Ganze hat mich aber auch daran erinnert, dass ich bisher das Glück hatte, von Toden im meiner Familie weitestgehend verschont worden zu sein. Meine beiden Eltern leben noch. Ich musste also noch nicht mit Verlusten klarkommen. Aber Prince, David Bowie und George Michael sind die Leute, mit denen wir aufgewachsen sind. Und es waren die ersten, die wir Anfang der Neunziger trafen, als wir mit Take That angefangen haben. Das alles ist unglaublich tragisch.

Gary Barlow: Das einzig Positive am Verlust ist, dass es dich daran erinnert, dein eigenes Leben zu leben. Und zwar jetzt! Denn das Leben ist kurz. Wir müssen also rausgehen, nach den Rosinen greifen, alles dafür tun, dass wir sie bekommen, und auf dem Weg keine Umarmung und keinen Kuss auslassen.

Mark Owen: Komm, lass uns mal eben alle in den Arm nehmen und küssen! (tun Take That dann auch)

Bald haben Take That ihr eigenes Musical. In der BBC-TV-Show „Let It Shine“ habt ihr dafür zwei Monate lang junge Männer gecastet. Stimmt es, dass ihr mit „The Band“ gar nicht die Geschichte von Take That erzählen werdet?
Mark Owen: Wir haben die Sache mit dem Musical ja schon seit Jahren im Kopf. Uns war rasch klar, dass es um etwas viel Größeres gehen muss als uns. Es ist doch wundervoll, dass wir den Soundtrack zum Leben vieler Menschen geliefert haben.

Gary Barlow: Deshalb erzählen wir eine Geschichte von fünf Mädchen und verändern damit den Blickwinkel auf die Band. Alles andere wäre zu vorhersehbar gewesen. Und mit „Jersey Boys“ wurde ja auch schon eine Boyband-Geschichte erzählt. Es wäre Quatsch gewesen, das zu wiederholen.

Take That über Carpool Karaoke, Jimi Hendrix und ihre Midlife Crisis
Cannes Lions Festival 2016 – Daily Mail Party
Featuring: Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald, Take That
Where: Cannes, France
When: 22 Jun 2016
Credit: WENN.com
**Not available for publication in Italy**

Mark Owen: Als wir neulich an der ersten Lesung des Stoffes teilnahmen, war das superschön für uns. Wir saßen auf den Stühlen, die Cast performte das Stück vor uns, und die Jungs sangen die Songs. Das gab uns eine ganz neue Perspektive auf das, was wir in 25 Jahren Take That geschaffen haben. Die Songs klangen so gut, ich habe sie nun mal von der anderen Seite erlebt. Für einen Moment fühlte ich mich dabei selbst wie ein Take-That-Fan!

Hat das TV-Casting der jungen Talente Erinnerungen an die Anfänge von Take That bei euch geweckt?
Mark Owen: Definitiv!

Howard Donald: Oh ja.

Gary Barlow: Ja, das macht schon nostalgisch, ne? Wie könnte es das auch nicht tun? Ich habe solche Anflüge sogar manchmal, wenn wir auf Tour sind und die alten Songs spielen. Egal, wie oft du ein Lied gesungen hast, es transportiert Erinnerungen. Das ist die Macht der Musik, und das schafft auch nur Musik. Brillante Musik ist eine Zeit und ein Ort in den Köpfen der Menschen – und sie führt dich direkt dorthin zurück.

Wie sind denn die Reaktionen von Robbie Williams und Jason Orange auf das Musical?
Gary Barlow: Wir halten sie ständig auf dem Laufenden über den Entwicklungsprozess des Stückes und jeden neuen Schritt. Sie bekommen auch jedes Update des Scripts zugeschickt.

Im Finale von „Let It Shine“ habt ihr mit Robbie gemeinsam „The Flood“ gesungen. Hat euch das an die gemeinsame Tour mit ihm im Jahr 2011 erinnert?
Howard Donald: Ich will ja nicht den Miesmacher geben, aber es fühlte sich nicht so außergewöhnlich an, sondern eher natürlich. Die Tür ist ja immer offen für Robbie. Und wenn er durchgeht, performen wir zusammen. Das fühlt sich gut an. Aber wenn er nicht dabei ist, ist es auch nicht schlimm. Ob mit Robbie oder ohne spielt eigentlich keine Rolle. Die Reunion hat es doch schon gegeben. Wenn er sich wieder uns anschließt für eine Greatest-Hits-Tour oder auch nur ein Konzert, fühlt es sich nicht wie eine Reunion an.

Gary Barlow: Das liegt auch daran, dass wir so viele Jahre miteinander verbracht haben. Selbst als Rob sich 2010 wieder uns anschloss und wir erneut zum Quintett wurden, gab es nicht einen Moment, an dem ich dachte: „Wow, schau mal: Das ist ja der Wahnsinn, dass Rob wieder dabei ist!“ Es fühlte sich einfach nur gut und richtig an.

Gary, du bist in einer von drei Versionen von Robbies neuem Video „Mixed Signals“ zu sehen. Darin spannst du ihm die Frau aus. Habt ihr beide euch in den wilden Take-That-Zeiten schon Frauen geteilt?
Gary Barlow: Jede Nacht! Ich war zuerst dran. (lacht) Nein, mal im Ernst: Das ist nicht vorgekommen – niemals! Mehr darf ich leider über die Zeiten mit den Mädchen in den Neunzigern nicht sagen, sonst steigt mir meine Frau aufs Dach. Wir sind seit 17 Jahren glücklich verheiratet. Und am Ende lesen es dann auch noch meine Kinder! Aber wenn fünf junge Typen als Musiker um die Welt reisen, muss man die Fantasie ja auch nicht allzu sehr bemühen, um sich Details vorstellen zu können.