Montag, 27. März 2017, 18:35 Uhr

TV Tipp "Der gleiche Himmel": ZDF-Miniserie schon in über 100 Länder verkauft

In mehr als 100 Länder haben die Macher der Mini-Serie „Der gleiche Himmel“ ihr Werk verkauft. Im Mittelpunkt: ein Romeo-Agent aus Ost-Berlin, den die Stasi 1974 auf eine Geheimdienstlerin im Westen ansetzt. Doch der Dreiteiler liefert mehr als eine Spionage-Story.

TV Tipp "Der gleiche Himmel": ZDF-Miniserie schon in über 100 Länder verkauft
Friederike Becht (l-r) Tom Schilling, Sofia Helin und Ben Becker sind die Hauptdarsteller des ZDF-Dreiteilers „Der gleiche Himmel“. Foto: Erik Lee Steingroever/ZDF

Tom Schilling grinst: „Ich könnte jetzt im Prinzip jeden verführen“, sagt der 35-jährige Schauspieler („Oh Boy“). Im großen ZDF-Dreiteiler „Der gleiche Himmel“ hat er als Romeo-Agent der Stasi Lizenz und Auftrag zum Verführen. Angesetzt auf eine Datenanalystin des britischen Geheimdienstes auf dem Teufelsberg soll der junge Ost-Berliner im Westteil der Stadt der Stasi Zugang zu Informationen verschaffen. 1974 – der Himmel ist gleich, Deutschland geteilt.

Vor diesem Hintergrund entfaltet die vor wie hinter der Kamera hochkarätig besetzte Produktion das Panorama einer Gesellschaft im Kalten Krieg – und 270 Minuten lang großes Kino im Fernsehen. Das Interesse aus dem Ausland an dem von Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) in Szene gesetzten Werk ist groß.

Lange bevor „Der gleiche Himmel“ heute ab 20.15 Uhr sowie am Mittwoch und Donnerstag (jeweils 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist, verkündeten die Macher Erfolge im Ausland: Weltpremiere auf der Fernsehmesse Mipcom in Cannes, Deutschlandpremiere im Rahmen der Berlinale, Verkauf von „The Same Sky“, wie die Produktion international vermarktet wird, in mehr als 100 Länder. „Es war eine sehr bewusste Entscheidung von Jan Mojto und mir, es von Anfang an international aufzubauen“, sagt Produzent Nico Hofmann.

Seine Ufa Fiction hat das aufwendige Projekt gemeinsam mit Beta Film (Mojto) realisiert, wie etwa schon das preisgekrönte dreiteilige Kriegsdrama „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013). Damals gehörte auch Schilling zu den gefeierten Hauptdarstellern.

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Sabine Cutter (Friederike Becht) und Lars Weber (Tom Schilling). Foto: ZDF/Bernd Schuller

Den Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte wirft jemand von außen: die britische Drehbuchautorin Paula Milne, die für die BBC schon den sechsteiligen Politthriller „Die Kinder“ (1990) über die RAF schrieb. Sie zeigt das Politische im Privaten und erzählt vom Leben der Menschen auf beiden Seiten der Mauer. Ganz zaghaft setzte politisches Tauwetter ein. Doch: „In Wahrheit waren aber vor dem Hintergrund der Entspannungspolitik beide Supermächte eifrig dabei, ihre Spionageaktivitäten auszuweiten“, erklärt Milne im Presseheft. „Berlin war hierfür Dreh- und Angelpunkt, ein Brutkasten der Paranoia und Spionage – und für beide Seiten eine geheime Frontlinie, die sich auch in den Alltag der Einwohner Berlins fortsetzte.“

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Horst Bargmann (David Zimmerschied) und Axel Lang (Hannes Wegener). Foto: ZDF/Bernd Schuller

Im Mittelpunkt steht DDR-Romeo-Agent Lars Weber, idealistisch und mit sozialistischem Vorzeige-Lebenslauf. Eigentlich wie sein Vater Gregor (Jörg Schüttauf), bei dem jedoch die Zweifel an den Methoden der Partei und des Staates zunehmen. Skepsis wächst auch bei Gregors Bruder (Godehard Giese), als seine jüngste Tochter als Schwimmerin in die Vorauswahl für Olympia aufgenommen und zum Doping gezwungen wird. Das Mädchen, aufgewachsen im Schatten der klügeren Schwester und um Anerkennung kämpfend, zahlt dafür einen hohen Preis – nur ihre Mutter (Anja Kling) scheint dafür bereit zu sein. Und dann ist da noch ein Lehrer (Hannes Wegener), der seine Homosexualität geheim halten will, sich in einen Briten verliebt, die DDR verlassen will und von einem Tunnelbau in den Westen erfährt.

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Lars Weber (Tom Schilling, l.) und Ralf Müller (Ben Becker, r.). Foto: Erik Lee Steingroever/ZDF

Auf der West-Berliner Seite gibt Ben Becker (52) den skrupellosen Ralf Müller, der in den Dienst der Stasi getreten ist. „Der Mann ist nicht zu durchschauen“, sagt Becker über seine Rolle. Er sei so etwas wie der Tod. „Man weiß nicht, woher er kommt, wohin er geht.“ Unter Müllers Kommando soll der 25-jährige Agent Weber Geheimdienstlerin Lauren Faber (gespielt von „Die Brücke“-Kommissarin Sofia Helin), eine alleinerziehende Mutter um die 40, verführen. Und noch eine weitere Datenanalystin vom Teufelsberg ist mit von der Partie: Sabine Cutter (Friederike Becht), eine Mittzwanzigerin vom US-Geheimdienst NSA, deren Mutter (Claudia Michelsen) in zweiter Ehe mit einem Amerikaner verheiratet ist.

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Emil Faber (Jascha Rust, 2.v.l.). Foto: Erik Lee Steingroever/ZDF

Sein Anliegen sei gewesen, „weder zu schönen noch schwarz-weiß zu malen“, sagt Regisseur Hirschbiegel, „sondern gleichwertig diese beiden Welten darzustellen und zu erzählen“. Er selbst habe noch eine sehr klare Erinnerung an die Grundatmosphäre die damals im Westen und im Osten vorgeherrscht habe. „Um auf geschichtliche Ereignisse zu schauen, ist es immer nützlich, einen Abstand zu haben. Je größer der Abstand, desto klarer und gesünder ist der Blick.“

Sein aufwendig inszeniertes Werk, für das er in Prag noch geeignete Straßenzüge fand, zeigt viele Facetten auf, erzählt von den Konflikten des Einzelnen, von der Zerrissenheit in Familien und der Teilung der Gesellschaft.

International wird „The Same Sky“ nicht als Dreiteiler, sondern als sechsteilige Serie vermarktet, die Rechte für das englischsprachige Ausland hat sich Streaminganbieter Netflix gesichert. Eine TV-Serie aus dem Hause Ufa Fiction über einen jungen Spion, der im Kalten Krieg von Ost- nach Westdeutschland geschickt wird – klingt bekannt? In „Deutschland 83“ (2015) begab sich Schauspieler Jonas Nay auf diese Mission – der Erfolg der achtteiligen Serie war im Ausland größer als beim RTL-Publikum. Nun muss Schilling seine Verführungskünste als Romeo-Agent auch bei den ZDF-Zuschauern unter Beweis stellen. Eine weitere aktuell laufende Ufa-Fiction-Serie – „Charité“ – legte gerade im Ersten einen bravourösen Start hin. (Dorit Koch, dp)