Dienstag, 28. März 2017, 17:55 Uhr

Filmkritik "The Boss Baby": "7 Jahre? Du bist alt!

Ein bunter und turbulenter Einblick in Kinderfantasien oder eine kritische Selbstreflexion großer Geschwister (und ihrer Eltern)? Die 3D-Animation „The Boss Baby“ ist ein bisschen von beidem. Junge wie alte Zuschauer können jeweils auf ihre Kosten kommen.

Filmkritik "The Boss Baby": "7 Jahre? Du bist alt!
Foto: Twentieth Century Fox

Kann man aus der eigenen Familie gefeuert werden? Tim Templeton stellt sich diese Frage unweigerlich, als sein kleiner Bruder die Macht ergreift. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Mutter brachte das Baby nicht nur mit Schnuller und Fläschchen nach Hause – sondern im Anzug. Mit Schlips und Kragen und Aktenköfferchen. Und: Der Zwerg mit überdimensioniertem Kopf kann sprechen. Mit dunkler Männerstimme (im Original US-Schauspieler Alec Baldwin, in der deutschen Fassung eine von dessen Synchronstimmen: K. Dieter Klebsch). Ein Geheimnis, dem Tim schnell auf die Schliche kommt.

Die computeranimierte Komödie „The Boss Baby“ ist an das gleichnamige Bilderbuch von Marla Frazee angelehnt und zeigt zum einen, welchen (tatsächlichen) Kampf große Geschwister mitunter um die Gunst und Liebe ihrer Eltern führen. Als der Vater fragt, ob Tim ein Brüderchen möchte, antwortet der Sohn kurz und knapp: „Nein danke, ich reiche völlig.“ Als er dem Baby sagt, dass er sieben Jahre ist, antwortet das Kleine: „Du bist alt. Es ist Zeit für die nächste Generation.“

 

Zum anderen ist der Film eine fantasievoll ausgeheckte Geschichte über die Mission der Babys gegen die Firma Puppy Co., die mit nicht alternden, possierlichen Hundewelpen die Menschenherzen für immer höher schlagen lassen will. Süße Babys hätten dann keine Chance mehr.

So beginnt für die Brüder ein turbulentes Abenteuer. Tim muss dem Baby – eher unfreiwillig – helfen. Denn wenn die Präsentation des ewig drolligen Welpen scheitert, verspricht das Baby, die Familie zu verlassen und weiter Karriere als Manager zu machen. In einem Büro mit kompletter Glasfassade und eigenem, vergoldeten Töpfchen.

Filmkritik "The Boss Baby": "7 Jahre? Du bist alt!
Foto: Twentieth Century Fox

Regisseur Tom McGrath, der auch die „Madagascar„-Filme verantwortete, setzt mit dem Drehbuch von Michael McCullers einen buten Reigen von Kinderfantasien um: Tim kämpft gegen wilde Tiere, unter Wasser, als Pirat auf hoher See – all das zeigen die Macher der 3D-Produktion von DreamWorks mit geschickten Blenden im Kontrast zur Realität im eher unspektakulären Kinderzimmer und dem heimischen Garten.

Das rasante Rettungsmanöver des Duos kurz vor Schluss der anderthalbstündigen Komödie gerät dann jedoch etwas hastig. Und am Ende geht es – gewissermaßen erwartbar – um das Glück in der heilen Familienwelt.

Filmkritik "The Boss Baby": "7 Jahre? Du bist alt!
Foto: Twentieth Century Fox

Einige große Brüder und Schwestern werden sich sicherlich in Tim wiederfinden. Für manche Eltern mag der Film trotz aller Albernheiten und Realitätsferne Anstoß zur kritischen Selbstreflexion sein. Wenn der Baby-Boss Meetings einberuft, nach getaner Arbeit schnell ein Nickerchen einschiebt (Powernapping), mit Geld um sich wirft und dazu sagt: „Gönn‘ dir auch was Schönes“ oder mit BWL-Jargon daherredet, können Erwachsene jedoch sicher mehr schmunzeln als Kinder.

Die lachen aber spätestens, wenn das Baby mit frisch eingepudertem Po pupst und ein kleines weißes Staubwölkchen entweicht. Mit großen Augen und runzelnder Stirn ist die Hauptfigur putzig animiert. Und niedlich ist es allemal, wenn der kommandierende Zwerg in Windeln vom Tisch aus Golf spielt, die Börsennachrichten liest – aber dann an so simplen Dingen wie der Höhe des Griffs an einer Autotür scheitert.

The Boss Baby, USA 2016, 86 Min., FSK keine Angabe, von Tom McGrath