Mittwoch, 29. März 2017, 21:59 Uhr

Die immer lacht: Kerstin Ott startet durch

Kerstin Ott ist die, die immer lacht. Am 30. März wird die Sängerin mit dem Deutschen Musikautorenpreis geehrt, eine Woche später gehts zur Echo-Verleihung.

Die immer lacht: Kerstin Ott startet durch
Foto: Becher/WENN.com

Noten lesen kann Kerstin Ott bis heute nicht, doch von einer Musiker-Karriere träumte die 35-Jährige seit ihrem zehnten Lebensjahr. Jetzt ist sie ganz oben. Mit dem Hit „Die immer lacht“ katapultierte sich die Künstlerin 2016 in die Spitze der Charts. Der Song kletterte in Deutschland und Österreich bis auf Platz zwei der Hitlisten. Ihr Debütalbum „Herzbewohner“ erreichte im Dezember Platz 4. „Wir sind alle sehr stolz, dass wir uns zwischen den wirklich ganz Großen getummelt haben“, erzählt sie: „Wenn da steht: Rolling Stones, Metallica, Westernhagen, und dann kommt Kerstin Ott, ist das natürlich ein Superkracher.“

Geboren wurde die Sängerin im Januar 1982 in Berlin. Doch ihr Zuhause hat sie fernab der Hauptstadt-Hektik in Schleswig-Holstein gefunden. Im beschaulichen Heide interessiert ihr „Promi“-Status niemanden. „Wenn ich einkaufen gehe, gibt es nur lächelnde Blicke, die ich schön finde“, sagt sie. „Ich liebe das Landleben.“ Die besondere, manchmal melancholische Stimmung gebe ihr die notwendige Ruhe, aber auch Inspiration.

Ihre erste Gitarre nahm Kerstin Ott mit zehn in die Hand. Der Musiklehrer habe ihr die ersten drei Griffe beigebracht, erinnert sie sich. „Danach habe ich einfach weiter gedudelt und habe zu den drei Akkorden Lieder geschrieben“, erzählt sie. „Meist, wenn ich ganz traurig gewesen bin.“ Ohne Noten? „Die Akkord-Namen schreibe ich mir über den Text. Die Melodien summe ich dazu und merke sie mir.“

Rund 50 Songs seien so bislang entstanden. „Auch das Stück, mit dem ich bekannt geworden bin: ‚Die immer lacht‘.“ Ein Lied, in dem sich so ziemlich jeder Mensch wiederfindet, „weil es viele Situationen im Leben gibt, in denen man lächelt, obwohl man etwas anderes fühlt“, sagt die norddeutsche Sängerin.

Die immer lacht: Kerstin Ott startet durch
Foto: Carsten Rehder

Die Akustikfassung habe sie mit 22 am Küchentisch für eine kranke Freundin geschrieben. „Die hing damals in einem Tief, aber nach außen war sie für alle der Sonnenschein.“ Ott sang das Lied in einem kleinen Studio ein und ließ eine Handvoll CDs pressen, die sie auch an andere Bekannte verteilte. Wer den Song damals ins Internet stellte, weiß sie bis heute nicht. Doch zwölf Jahre später fiel „Die immer lacht“ in die Hände des DJ-Duos Stereoact. Kerstin Otts Traum vom Hit wurde Wirklichkeit: Bis heute hat der Song über 95 Millinen Klicks auf Youtube.

Von ihrer ersten Gage kaufte sie sich in Heide erstmal eine neue Gitarre: „Für 450 Euro, da war ich sehr, sehr stolz drauf“, erzählt die Musikerin lächelnd. „Ich bin eine deutschsprachige Sängerin, die man nicht in eine Schublade stecken kann“, sagt Kerstin Ott. Ihre Lied-Texte schreibt sie grundsätzlich in Deutsch – „weil es emotionale Geschichten sind, in einer anderen Sprache müsste ich erst übersetzen, was ich fühle und denke.“

„Der Text ist das, was ich beruflich mache: Ich singe Texte, und das ergibt am Ende ein Lied“, erklärt die Künstlerin. Sie habe keine Lust, von irgendwelchen „Schnöseligkeiten“ zu singen. So verarbeitet die Musikerin in ihren Songs ungeschminkte Emotionen. Das Ganze wird eingekleidet in einen Mix aus deutschsprachigem Schlager und modernem Dance-Pop, der gut ankommt bei den Fans und auch bei den Kritikern.

Aktuell ist Kerstin Ott gleich zweimal für den Echo nominiert worden in den Kategorien „Newcomer national“ und „Künstlerin Pop national“, wie Sylvia Klebsattel von der Kölner Agentur Position sagt. Die Nominierung erfolge auf Grund der Verkaufszahlen der offiziellen Charts. Die Preisverleihung wird am 7. April beim Fernsehsender Vox ausgestrahlt.

Und am 30. März wird Kerstin Ott in Berlin für ihren Chartstürmer „Die immer lacht“ in der Kategorie „Erfolgreichstes Werk“ mit dem Deutschen Musikautorenpreis geehrt. „Das ist für mich als Texte-Schreiberin natürlich eine Wahnsinns-Auszeichnung“, sagt sie.

Laut GEMA-Sprecherin Nadine Remus ist die Kategorie „Erfolgreichstes Werk“ die einzige, in der keine Jury entscheidet, sondern die Musiknutzer im Lande: „Da fließen unter anderem die Deutschen Airplay-Charts, Streaming-, Download- und Abverkaufszahlen mit ein“, erklärt sie. (Wolfgang Runge, dpa)